Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur NDR Radiophilharmonie und Henri Demarquette
Nachrichten Kultur NDR Radiophilharmonie und Henri Demarquette
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 15.01.2011
Von Stefan Arndt
Anzeige

Der Norweger hat viel erlebt in Frankreich: Zumindest malt Johan Svendsens „Episode für großes Orchester“ ein denkbar buntes, an Details überquellendes Bild eines „Karneval in Paris“, wie ihn der norwegische Komponist 1872 bei einem Aufenthalt in der französischen Hauptstadt erlebte. Die NDR Radiophilharmonie hat diesen Faschingsschwank aus Frankreich (den Richard Wagner, als er die Partitur bei einem Bayreuth-Aufenthalt Svendsens zu Gesicht bekam, immerhin „recht spaßig“ fand) mit Bedacht an den Anfang des zweiten Konzertes im Ring C gestellt: Schließlich steht das „C“ für „Chef“ – und der kommt bei der Radiophilharmonie bekanntlich aus Norwegen. Am Wochenende war Eivind Gullberg Jensen mit seinem Orchester auf einer kleinen Frankreich-Tournee – und auch dieser Norweger möchte dort (in diesem Fall in Amiens und Metz) etwas erleben.

Das Tourneeprogramm, das nun schon im ausverkauften Großen Sendesaal zu hören war, wäre zumindest exotisch genug dafür: Neben dem quirligen Eröffnungsstück des norwegischen Romantikers, das man auch für ein charmantes Gastgeschenk der Musiker aus Deutschland halten könnte, standen französische Cellowerke und die fünfte Sinfonie des Finnen Jean Sibelius auf dem Programm. Als Solisten hatte man sich den in Frankreich populären Cellisten Henri Demarquette eingeladen.

Der überzeugte auch in Hannover mit einem sehr hellen, warmen und überraschend tragfähigen Ton. Gabriel Faurés „Élégie“ war damit auch schon fast Genüge getan: Das Stück besteht im Wesentlichen aus einer melancholischen Melodie, die Demarquette geschmackvoll zurückhaltend belebte. Raffinierter ist das erste Cellokonzert von Faurés Lehrer Camille Saint-Saëns. Vor allem der anmutige zweite Satz erklärt die ungebrochen große Popularität dieses Komponisten in unserem Nachbarland. Auch Demar­quette liegt die leichte Eleganz, die Saint-Saëns’ Musik ausstrahlt, offenbar besser als die konzentrierte Nüchternheit eines Johann Sebastian Bach: Die zugegebene Sarabande für Solo-Cello jedenfalls fiel gegen die Orchesterstücke ab.

Umso stärker präsentierte sich die ­Radiophilharmonie nach der Pause allein: Gullberg Jensens kraftvoll-ruppige Sicht der fünften Sinfonie von Jean Sibelius war ein sehr wirkungsvolles Plädoyer für diesen nicht ganz unumstrittenen Komponisten. Geradezu beeindruckend war die Orchesterleistung: Einen so offenen, homogenen und wandlungsfähigen Bläserklang, wie er derzeit in Hannover zu hören ist, kann man nicht überall erleben.

Ronald Meyer-Arlt 15.01.2011
Uwe Janssen 15.01.2011
Rainer Wagner 15.01.2011