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Kultur Kleiner Mann ganz groß
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18:58 30.04.2014
Von Stefan Stosch
Der britische Schauspieler Bob Hoskins ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Quelle: Jens Kalaene
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Einen Charakterdarsteller erkennt man auch daran, dass man ihn nicht erkennt. Er verschwindet geradezu in seinen Rollen. Im Fall von Bob Hoskins war das ein bisschen schwierig – was seine schauspielerische Leistung nur umso beeindruckender macht: Hoskins war nur 1,66 Meter groß, von rundlicher Figur, im Zweifelsfall ausgestattet mit dem Temperament eines Flummis. Und dann noch dieser herbe Cockney-Dialekt aus dem Londoner East End, mit dem er so wunderbar kokettierte.

Doch erst wenn man sich die Filmografie des Briten anschaut, erkennt man, wie vielfältig sein Schaffen gewesen ist und bei welchen Projekten er überall dabei war. Zu seinen frühen Filmen aus den für ihn so wichtigen Achtzigern gehört der kafkaeske Zukunftsentwurf „Brazil“. Er war der Bodyguard eines Callgirls in dem melancholischen Krimi „Mona Lisa“, der FBI-Begründer J. Edgar Hoover in Oliver Stones Polit-Abrechnung „Nixon“, der Serienmörder Hilditch in Atom Egoyans „Felicia, mein Engel“ – und er war, natürlich, der abgehalfterte Privatdetektiv Eddie Valiant, der es in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (1988) mit einem genauso schwierigen wie langohrigen Klienten zu tun bekommt. Die Rolle an der Seite eines animierten Kaninchens gehört zu denen, mit denen sich Hoskins unvergesslich gemacht hat.

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Genauso hatte der Brite Auftritte an der Seite von Judi Dench („Lady Henderson präsentiert“), Ben Affleck („Die Hollywood-Verschwörung“), Cher („Meerjungfrauen küssen besser“) oder Dustin Hoffman („Hook“). In Hollywood war er ebenso zu Hause wie in kleinen, unabhängigen Produktionen. Bei manchem Film sagte er nur deshalb zu, um junge Talente zu fördern. Glücklich war seine Rollenwahl nicht immer. Er wusste selbst am besten, wann er sein persönliches Niveau unterschritten hatte: Dass er 1993 in „Super Mario Bros.“, der Verfilmung eines Nintendo-Spiels, mitmachte, allein der Gage wegen, bereute er bis ans Ende seiner Karriere. Wäre das möglich, würde er den Film ungeschehen machen, sagte er noch viel später.

Zu so viel Selbstkritik ist nicht jeder Darsteller in der Lage. Aber Hoskins war ja auch nicht wie jeder andere. Er sah sich selbst als Naturtalent. Eine Schauspielausbildung hatte er nie absolviert. Als 15-Jähriger verließ er die Schule, arbeitete als Fensterputzer, Portier, Seemann, sogar als Feuerschlucker im Zirkus. Entdeckt wurde er durch einen Zufall: Als er Ende der Sechziger einen Freund zum Casting begleitete, ließ er sich zum Vorsprechen überreden. Was für ein Glück für alle Kinogänger. Nun ist Hoskins, Vater von vier Kindern, im Alter von 71 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben. Aus dem Kinogeschäft zurückgezogen hatte er sich bereits vor zwei Jahren. Damals war Parkinson bei ihm diagnostiziert worden. Sein letzter Leinwand-Auftritt war „Snow White and the Huntsman“. In dem „Schneewittchen“-Update spielte er einen der sieben Zwerge. Eine kleine Rolle, gewiss – aber auch als Zwerg war Bob Hoskins ein Großer.

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