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11:14 03.10.2013
Tom Clancy ist im Alter von 66 Jahren am Mittwoch verstorben. Quelle: dpa
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Ein amerikanischer Geheimdienst, der einzig dafür bestimmt ist, dunklen Machenschaften im World Wide Web nachzuspüren. Eine „Net Force“, die mit den neuesten technischen Spielereien und vor der Öffentlichkeit verborgen im virtuellen Raum agiert: Der Klappentext zu Tom Clancys Thriller-Reihe „Net Force“ aus dem Jahr 1998 liest sich heute vor dem Hintergrund der NSA-Affäre wie eine Prophezeiung. Früh erkannte der US-Autor die Möglichkeiten, die das Internet für Geheimdienste bietet. Clancy ist mit seinen technik-konzentrierten Agentengeschichten zum König des Techno-Thrillers avanciert. Jetzt ist er mit nur 66 Jahren in einem Krankenhaus in Baltimore gestorben. Über die Todesursache ist bislang nichts bekannt.

Clancy begann bereits zu schreiben, als er seinen Lebensunterhalt noch als Versicherungskaufmann verdiente. Gleich sein erster Roman "Jagd auf Roter Oktober" aus dem Jahr 1984 – angeregt von einer Meuterei auf einem sowjetischen Zerstörer – wurde zum Bestseller und mit Sean Connery und Alec Baldwin verfilmt. Mit seinen detailgetreuen Spionagethrillern erlangte Clancy Weltruhm. Nach dem 11. September soll der Autor gar als Berater des Weißen Hauses agiert haben, weil er in dem Roman „Ehrenschuld“ (1994) ein ähnliches Selbstmordattentat-Szenario geschildert hatte. Seine einseitige, pro-amerikanische Darstellung des Kalten Krieges handelte Clancy jedoch auch Kritik ein. Anhänger der Hochliteratur mochten Stil und fehlenden Tiefgang bemängeln, doch das tat seinem finanziellen Erfolg keinen Abbruch.

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Tom Clancy gelang es, aus seinem Namen eine hoch gehandelte Marke zu machen: So wurden auch Romane unter dem Label Tom Clancy verkauft, die gar nicht aus seiner Feder stammten, aber ähnliche Thematiken behandelten. Auch eine Computerspiel-Reihe trägt seinen Namen. Die Militärshooter-Games teilen sich mit seinen Geschichten das schlichte Gut-Böse-Schema und die technische Präzision. Dem Spieleentwickler Ubisoft verkaufte Clancy die Rechte an seinem Namen angeblich für rund 20 Millionen Euro. Clancy konnte sich Extravaganzen wie den Kauf des Football-Teams der Minnesota Vikings leisten.

Auch „Der Anschlag“, „Die Stunde der Patrioten“ und „Das Kartell“ mit Harrison Ford gehören zu den erfolgreichen Clancy-Verfilmungen. Sein letzter Roman erscheint im Januar 2014 in deutscher Übersetzung. „Gefahrenzone“ handelt von einem möglichen Militärschlag der Volksrepublik China gegen Taiwan.

Jack Ryan, der Held aus „Jagd auf Roter Oktober“, begleitete Clancys Schriftstellerkarriere. In dem Roman „Befehl von oben“ macht er ihn gar zum Präsidenten der USA. In „Der Kardinal im Kreml“ taucht auch das Schiff „Roter Oktober“ noch einmal auf. Als es vom Militär im Meer versenkt wird, sagt Ryan: „Es war ein gutes Boot.“

Von Nina May

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