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08:22 03.03.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Die undatierte Illustration zeigt den katastrophalen Asteroideneinschlag auf der Erde, der vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier ausgerottet haben soll. Quelle: Don Davis/ dpa

Außerhalb unserer Maßstäbe zu denken, fällt uns schwer. Im ganz Kleinen und im ganz Großen finden wir uns nicht zurecht. In der Quantenphysik und in der Kosmologie versagt unser Vorstellungsvermögen. Und auch die Zeitspanne, die wir zu überblicken vermögen, ist nur eine sehr begrenzte. Für große Zeitabschnitte haben wir kein Sensorium. Dabei sollten wir uns durchaus mit ihnen beschäftigen. Jedenfalls, solange uns das Überleben der Spezies Mensch wichtig ist.

Geologen schauen Jahrmillionen zurück. Sie können erkennen, dass das Leben auf der Erde schon immer gefährdet war. Mehrfach kam es in der Erdgeschichte vor, dass fast alles Leben auf dem Planeten verschwand. Gewaltige Vulkanausbrüche, Explosionen von Supernovae in der Nähe unseres Sonnensystems und der Einschlag von Asteroiden gehören zu den großen dramatischen Ereignissen, die das Leben auf der Erde tief verändern können. Die Menschheit kann aussterben. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass sie aussterben wird. Fragt sich nur: Wann? Und, zweite Frage: Kann man das vielleicht herauszögern?

Man kann, meint der Wissenschaftsautor Florian Freistetter. Seiner Meinung nach liegt die Rettung auf der Erde und führt ins All. In seinem knappen, informativen und sehr unterhaltsam geschriebenen Buch „Asteroid Now“ erklärt er, was zu tun ist. Zuerst einmal sollte die Raumfahrtforschung vorangetrieben werden. Technisch sind bereits jetzt Mittel bekannt, mit denen man die Bahn eines Asteroiden verändern könne. Atombomben, die einen Asteroiden sprengen, bevor er der Erde zu nahe kommt, gehören allerdings eher nicht dazu. Das ist der Stoff von Hollywoodfilmen.

Falls man solch eine Bahnänderung tatsächlich in Angriff nehmen würde, würde es geruhsamer zugehen. Mit gigantischen Sonnensegeln ließe sich der Teilchenstrom der Sonne nutzen, um einen Gesteinsbrocken im Weltall von seinem Kollisionskurs mit der Erde abzubringen. Die Technik wurde sogar schon erprobt. Das Problem ist nur: Man braucht viel Zeit dafür. Man muss also früh damit beginnen. Deshalb ist es wichtig, die Asteroiden zu kennen, die der Erde gefährlich werden können.

So weit weg dann doch nicht

Da wäre noch einiges zu tun. Der Komet, der am 15. Februar 2013 in der Nähe der russischen Stadt Tscheljabinsk niederging, kam überraschend. Der hätte zwar nicht dem gesamten Planeten Erde gefährlich werden können, aber doch erheblichen Schaden anrichten können, wenn er eine Großstadt getroffen hätte. Ein Frühwarnsystem für Himmelskörper, die der Erde nahe kommen, wäre eine wichtige Investition, meint Freistetter. Und ein Abwehrsystem auch.
Solche Überlegungen wirken auf viele recht fantastisch. Asteroiden sind weit weg. Und die Ideen zur Rettung der Erde, die der renommierte Wissenschaftsautor Freistetter referiert, wirken wie Science Fiction. Aber das, so Freistetter, ist kein Gegenargument. Schließlich wirkte auch die Idee der Atlantikfliegerei einigermaßen fantastisch, als die Brüder Wright vor 110 Jahren ihre ersten Flüge unternahmen. Visionen dürfen groß sein – gerade auch, wenn die Probleme, denen sie begegnen, groß sind.

Mit großen Problemen beschäftigt sich auch die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein. In „Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima“ (ihr viertes Buch nach dem Bestseller „No Logo“) beschäftigt sie sich mit der globalen Bedrohung durch den Klimawandel. Die Situation ist – wie bekannt – dramatisch: Im Jahr 2013 war der weltweite CO2-Ausstoß um 61 Prozent höher als im Jahr 1990. All die Klimakonferenzen haben also nichts bewirkt. Die Durchschnittstemperatur auf dem Planeten Erde steigt, an den Polen schmilzt das Eis, Gletscher verschwinden, Meere versauern, es wird vermehrt Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürren geben. Im Verlauf der Erderwärmung werden bald gefährliche Kipppunkte erreicht – mit dem Auftauen der Permafrostböden oder dem Rückgang großer, das Sonnenlicht reflektierender Eisflächen wird sich die Lage dramatisch noch weiter zum Schlechteren verändern.
Die seriösen Klimaforscher sind sich in diesen Einschätzungen einig. Es gibt keine zwei Schulen, deren Meinungen gegeneinander stünden. Der Klimawandel ist ein Faktum. Die Frage ist, wie wir damit umgehen.

So wird es kommen

Naomi Klein versucht etwas Gutes im Klimawandel zu sehen, sie hofft, dass er ein Katalysator für gesellschaftlichen Wandel sein könnte. Dabei argumentiert sie rhetorisch nicht ungeschickt. Die Rechten haben recht, sagt sie – diejenigen, die immer davor gewarnt haben, dass der Klimawandel am Ende als Begründung dafür genommen werde, individuelle Freiheiten einzuschränken, haben es richtig vorhergesagt: So wird es kommen.

Sie schreibt: „Der Klimawandel bringt das ideologische Gerüst zum Einsturz, auf dem der heutige Konservatismus ruht. Ein Glaubenssystem, das kollektives Handeln verteufelt und jeder Marktregulierung und dem öffentlichen Sektor den Krieg erklärt, lässt sich einfach nicht mit einem Problem vereinbaren, das kollektives Handeln in beispiellosem Umfang und ein radikales Zügeln jener Marktkräfte erfordert, die für diese Krise weitgehend verantwortlich sind und sie laufend verschlimmern.“

Das Rettende allerdings sieht sie auch. Sie schlägt einen „Genesungsplan für die Erde“ vor. Der sieht eine Ende des „Extraktivismus“ vor. Schluss mit dem Auspressen der natürlichen Ressourcen der Erde bedeutet aber auch: Schluss mit dem kapitalistischen Produktionssystem, wie wir es kennen. Naomi Klein propagiert die radikale Stärkung des öffentlichen Sektors, sie fordert, dass diejenigen, die die Umwelt verschmutzen, stärker zur Kasse gebeten werden sollen, und sie hofft auf das Engagement neuer Klimakrieger. Diese neue Bewegung nennt sie „Blockadia“. Ihre Anhänger agieren wie im Bürgerkrieg, Frauen sind dabei in Führungspositionen tätig, und der Kampf indigener Völker um Anerkennung soll eine Art Blaupause liefern für den Kampf gegen die „Fossilindustrie“. „Liebe wird die Erde retten“ hat Naomi Klein ein Kapitel ihres Buches genannt. Sehr romantisch.
Einen Asteroiden im Weltall von seinem Kurs abzubringen scheint da fast einfacher. Und aussichtsreicher.

Florian Freistetter: „Asteroid Now. Warum die Zukunft der Menschheit in den Sternen liegt“. Hanser. 236 Seiten, 18,40 Euro. Naomi Klein: „Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima“. S. Fischer Verlag. 704 Seiten, 26,99 Euro. Das Buch erscheint am 5. März.

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