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Kultur Nederlands Dans Theater zu Gast bei Movimentos
Nachrichten Kultur Nederlands Dans Theater zu Gast bei Movimentos
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13:13 10.06.2010
Gibt die Richtung vor: Eine Tänzerin des Nederlands Dans Theaters. Quelle: dpa
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Kein Wunder also, dass das Publikum den Auftritt der legendären Compagnie in der Wolfsburger Autostadt kaum erwarten konnte. Selbst mit Ehrengast Christian Wulff hatte es wenig Geduld: Als Niedersachsens Ministerpräsident die Bühne betrat, um das Kulturereignis Movimentos im Allgemeinen und das Gastspiel der Niederländer im Besonderen zu würdigen, ging ein verhaltenes Murren durch die voll besetzten Reihen im Kraftwerk. Wulff nahm’s gelassen und fasste sich kurz. Er sei heute Abend auch hier, um sich „ein paar kreative Anregungen für die Zukunft zu holen“, sagte er. Nach zwei von drei Stücken hatte er offenbar genug davon und verabschiedete sich.

Die Choreografen Johan Inger, Paul Lightfood und Sol León sowie Jiri Kylián gaben den Zuschauern einiges mit auf den Weg: Von der Erkenntnis, dass selbst in der Gemeinschaft jeder auf sich gestellt ist (Inger), über den Umgang mit Entscheidungen (Lightfood/León) bis hin zur Besinnung auf den eigenen Ursprung (Kylián). Die Stücke sind anlässlich der Feierlichkeiten zum Jubiläum der Compagnie im vergangenen Jahr zu einer abendfüllenden Tanzvorstellung zusammengestellt worden und bilden die Arbeit von drei unterschiedlichen Generationen von Choreografen ab.

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Ursprünglich wurde das NDT aus Protest gegen die Dominanz des klassischen Balletts gegründet. Unter Hans van ­Manen gelangte die Formation bald zu Weltruhm. Neben ihm prägte sein Nachfolger Jiri Kylián das NDT nachhaltig. Er war es auch, der zwei Gruppen von Tänzern bildete. Dem NDT I gehören ältere Tänzerpersönlichkeiten an, das NDT II bildet die Nachwuchstruppe. Dass beide, wie jetzt in der Autostadt, zusammen auftreten, ist eine große Ausnahme.

Den Anfang machte Ingers Arbeit „Dissolve in this“, mit der der ehemalige Startänzer des NDT 2009 seinen Einstand als fester Gastchoreograf des Ensembles gab. Es ist ein ebenso fesselndes wie düsteres Stück über das Verlorensein in der Masse. Ingers Bewegungssprache ist klar und von beeindruckender Vielseitigkeit. Er schafft den Spagat zwischen Lockerheit und Formstrenge, Dynamik und Präzision. Den meisten Beifall bekamen jedoch die Hauschoreografen Lightfood und León für ihr 2003 uraufgeführtes Stück „Subject to Change“, einem expressiven Ballett zu Franz Schuberts Musik „Der Tod und das Mädchen“. Auf einem blutroten Teppich liefern sich ein Mann und eine Frau ein Duett, das zwischen zarter Anbändelung und emotionalem Liebesakt schwankt, bis vier Kerle die Szenerie sprengen und sich den beiden in den Weg stellen.

Das Finale bestreitet Kyliáns Inszenierung „Whereabouts Unknown“ von 1993. Der gebürtige Tscheche nimmt die Zuschauer mit auf eine Spurensuche zu den Ursprüngen der Menschheit. Einem elegischen Maskentanz mit 19 Tänzern zu enervierenden Schlagwerkklängen folgt ein eindrucksvolles Duett um einen Speer. Rhythmus und Rituale sind die beherrschenden Themen. Doch über allem steht die Faszination für Bewegung.

Der zweite Teil ihres Programms ist am 11. und 12. Juni im Kraftwerk Wolfsburg zu sehen.

Kerstin Hergt

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