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Kultur Neue Abenteuer von "Pettersson und Findus"
Nachrichten Kultur Neue Abenteuer von "Pettersson und Findus"
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21:57 27.02.2013
Von Jutta Rinas
Da hilft kein dickes Kopfkissen: Wenn Kater Findus aufwacht, muss sich auch Pettersson zwischen Gymnastik am frühen Morgen und Lamento entscheiden.
Da hilft kein dickes Kopfkissen: Wenn Kater Findus aufwacht, muss sich auch Pettersson zwischen Gymnastik am frühen Morgen und Lamento entscheiden. Quelle: Handout
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Hannover

Er ist arm, allein, alt – und manchmal ein richtiger Griesgram. Dazu ist Pettersson, eine der beiden Hauptfiguren aus Sven Nordqvists Kinderbuchserie „Pettersson und Findus“, manchmal so sonderlich, dass Nachbarn wie beispielsweise Gustavsson ihn schlicht für verrückt halten. Es ist der überbordenden Phantasie, dem großen Humor und der Tiefgründigkeit seines Erfinders, dem schwedischen Zeichner und Kinderbuchautor Sven Nordqvist, zu verdanken, dass es ausgerechnet die Geschichten über einen Misanthropen zu einem in viele Sprachen übersetzten und millionenfach verkauften Weltbestseller gebracht haben.

Wie sehr Pettersson und sein kleiner Kompagnon, der sprechende Kater Findus, geschätzt werden, konnte man im Jahr 2003 in Hannover erleben: 4000 Besucher warteten damals in langen Schlangen im Georgengarten vor dem Wilhelm-Busch-Museum, als Nordqvist im Rahmen einer Ausstellung mit Zeichnungen und Texten über seine beiden Helden zu Besuch kam und Bücher signierte (und sich ähnlich wortkarg gab wie seine Kunstfigur Pettersson).

Auf neue Abenteuer von Findus und Pettersson indes mussten die Fans lange warten. Erst jetzt – zehn Jahre nach dem Erscheinen des Bandes „Wie Findus zu Pettersson kam“ – ist in Deutschland ein neues Abenteuer der beiden zu haben. In „Findus zieht um“ gibt sich Pettersson gewohnt grummelig – und der pfiffige Kater Findus erobert mit Bauernschläue und großer Beharrlichkeit am Ende wie immer die Herzen von Herrchen und Lesern.

Die Geschichte beginnt damit, dass Pettersson extrem genervt davon ist, dass Findus jeden Morgen um 4 Uhr morgens aufwacht und lautstark in seinem Bett herumhopst. Weil Findus sich weigert, auf seine Morgengymnastik zu verzichten, zieht der Kater ins alte Plumpsklo von Pettersson um. Zu seiner eigenen Überraschung freut sich Pettersson aber gar nicht über die neu gewonnene Stille. Im Gegenteil: Der alte Mann leidet darunter, dass er plötzlich wieder alleine ist.

Sven Nordqvists Buch handelt vom Trennungsschmerz von Erwachsenen, wenn ein Kind sich abzunabeln beginnt. Es erzählt davon, wie entsetzlich anstrengend gerade phantasievolle, wilde Kater (beziehungsweise Kinder) manchmal sind – und davon, dass ihr Temperament jede Menge Nerven kostet, aber auch jede Menge Leben in den oft so gleichförmig gewordenen Alltag von Erwachsenen bringt. Man lernt außerdem: Auch chronische Betthopserei kann geheilt werden, ohne dass gleich ein Auszug notwendig ist.

Nordqvists Bilder enthalten neben der Hauptgeschichte auch diesmal wieder viele, oft fast surreale Nebenstränge. Da kann man Schnecken mit Plumpsklos als Häuschen durch schwedische Graslandschaften ziehen sehen.

Hühner helfen beim Tapezieren mit und ein Muckla, eine jener Phantasiegestalten, die schon immer zu Petterssons und Findus’ Phantasiewelt dazugehörten, erfüllt sich den Traum vom Seiltanzen. Er wolle Bilder schaffen, in denen man lange verweilen kann, hat Nordqvist einmal gesagt. Das ist ihm auch in diesem Buch auf eine wunderbare Art und Weise gelungen.

Sven Nordqvist: „Pettersson und Findus. Findus zieht um“. Deutsch von Maike Dörries. Oetinger. 28 Seiten, 12,95 Euro.

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