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Kultur Neue Akzente für Beethoven im Opernhauskonzert
Nachrichten Kultur Neue Akzente für Beethoven im Opernhauskonzert
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22:35 19.12.2011
Von Rainer Wagner
Am vergangenen Sonntag war die Staatsoper bis auf den letzten Platz ausverkauft.
Am vergangenen Sonntag war die Staatsoper bis auf den letzten Platz ausverkauft. Quelle: dpa
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Hannover

Am Sonntag und Montag demonstrierte in der Staatsoper Alessandro de Marchi mit dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover seine Sicht auf Beethoven. Parallel dazu gab es am Montagabend bei Pro Musica John Eliot Gardiner mit dem London Symphony Orchestra (darüber morgen mehr).

Die Anziehungskraft des Namens Beethoven ist offenkundig ungebrochen: Am Sonntagnachmittag war die Staatsoper fast auf den letzten Platz gefüllt. Auf den ersten Blick war zu sehen, dass einiges anders sein würde: Das Orchester war vergleichsweise klein besetzt, es gab keine Höhenstaffelung nach hinten, dafür wurde der Bühnenraum durch eine nach vorne gezogene Rückwand verkürzt (sah gut aus und half auch der Akustik!).

Transparenz wird derzeit in vielen Bereichen gerne gefordert: Beethoven tut sie auch gut. Mit klarem Strich, mit punktgenauem Paukenschlag und eher kernig eingesetzten Bläsern erzielt de Marchi erstaunliche Wirkungen. Da staut sich zwar nichts bei der Leonoren-Ouvertüre Nr. 3, da dräut kein Schicksal, aber wenn der Erlösungsjubel ansteht, dann zündet das trockene Pulver. Das war knackig.

Ähnlich pointiert geht de Marchi auch Beethovens Es-Dur-Klavierkonzert an, doch hier bremst sein Solist ihn aus. ­Gianluca Cascioli setzt zwar eigenwillige Akzente in das Passagenwerk, aber er verweigert sich jeglicher Rhetorik. Das ist fingerfertig, überlegt, aber letztlich doch auch flach und zu selbstbezogen. Der junge Italiener beschwört in einem Beitrag für das Programmheft zwar das improvisatorische Element, doch er liefert davon wenig. Auf diese Weise vertrocknet die Lyrik das Adagios. Und die Euphorie des Finales hält sich sehr in Grenzen. Auch in der Zugabe, einer Beethoven-Bagatelle, will Gianluca Cascioli interessant sein, ist aber nicht wirklich spannend.

Umso mehr Spannung liefert das Niedersächsische Staatsorchester unter seinem Gastdirigenten nach der Pause mit Beethovens 8. Sinfonie. De Marchi hält das mechanistische Räderwerk am Laufen und bringt die Musik dennoch zum Pulsieren. Das hat Witz, Charme und Übersicht. Und wenn die Zweiten Geigen beim Beginn des Schlusssatzes doch mal ganz kurz haken, dann fängt de Marchi das geschickt auf. Mag Beethovens 7. Sinfonie auch seit Richard Wagners (allzu?) oft zitiertem Diktum als „Apotheose des Tanzes“ gelten, seine 8. Sinfonie wäre dann ein Aphorismus über den Rhythmus. Zumindest wenn sie so geistreich präsentiert wird.

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