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Kultur Neue CD von Monsters of Liedermaching
Nachrichten Kultur Neue CD von Monsters of Liedermaching
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18:42 13.08.2012
Von Uwe Janssen
Lustig: Monsters of Liedermaching.Huch
Lustig: Monsters of Liedermaching. Quelle: Martin Huch
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Hannover

Die Deutschen haben ja nachweislich keinen Humor, und dieses Vorurteil scheint sich im Bereich der Popmusik seit Jahren zu bestätigen. Die Szene kreativ-lustiger Liedermacher ist überschaubar. A-Cappella-Bands kriegen immer mal wieder was hin, im deutschen Rock- und Rapbereich halten die Ärzte und die Fantastischen Vier - nach dem Abgang der Toten Hosen ins Bedeutungsvolle - die Fahne hoch, das aber seit Jahrzehnten. Funny van Dannen ist in der One-Man-and-his-Guitar-Fraktion führend. Und irgendwo dazwischen wuseln seit Jahren die Monsters of Liedermaching. Sechs Männer mit Gitarren und Köpfen voller kruder Ideen. Fleißig sind sie obendrein, fast jedes Jahr beglücken sie ihre wachsende Fangemeinde mit einem neuen Livealbum, und auch 2012 enttäuschen sie die Erwartungen nicht. „Schnaps und Kekse“ heißt das Werk, es vereint 18 Lieder und eine kurze gegrölte Zugabe. Schnaps und Kekse könnten auch bei der Entstehung des Albums eine Rolle gespielt haben. Aber bevor es schließlich zum „Reste trinken“ kommt, greift sich der in Hamburg stationierte Sixpack Problemstellungen aus dem ganz normalen Leben. „Sie hat ein Gesicht wie ‘ne französische Kleinstadt, und jetzt fragst du dich: Ist das ein Kompliment oder ‘ne Beleidigung? Mit diesem Gedanken lass ich dich mal allein.“

Und der Song über die Laterne, die im tiefsten Winter so zuckerwattig aussieht, dass man mal probieren möchte, ist die längst fällige Würdigung für diese schmerzhafteste Versuchung, seit es menschliche Irrtümer gibt.

Gesanglich ist das Spektrum breit, es schwankt zwischen dreistimmig schön und einstimmig falsch. Perfektion ist ihre Sache nun mal nicht, aber sie schaffen es spielend, eine größere Menge Menschen in gute Laune zu versetzen. Daher ist die Entscheidung, Livealben zu veröffentlichen, die einzig richtige.

Und so schunkelt die Show diesmal in Berlin eine runde Stunde gemütlich zwischen Liedermacherei und Punkrock, was mit akustischen Gitarren sogar ganz gut zu verbinden ist. Die Monster-Variante des Schunkelns heißt übrigens Sitzpogo und ist eines der wiederkehrenden Rituale. Auch diesmal wird offensiv zum Sitzpogo aufgerufen, und nicht nur dazu. Eine interessante Variante, ein Punkfeeling auf eine CD zu bringen, geht so: Das Publikum zum wütenden Mitgrölen der schönen Zeile „Als der Staat gewann“ zu animieren - und dann dazu, die Konsonanten wegzulassen. Den Sitzpogo muss man sich dazu denken, den Rest hätten die Sex Pistols auch nicht besser hingekriegt. Man muss nicht alles verstehen auf diesem Album, weder akustisch noch inhaltlich. Aber der große Rest ist höchst erfrischend. Und zur Not helfen immer noch Schnaps und Kekse.

Monsters of Liedermaching: „Schnaps und Kekse“ (Soulfood). Live: 23. November im Pavillon am Raschplatz, Hannover.

13.08.2012
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