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15:46 21.01.2015
Die Umwandlung des Suhrkamp-Verlags in eine Aktiengesellschaft ist unter Dach und Fach.          Quelle: dpa
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Berlin

Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz will in den kommenden Monaten ihr Amt abgeben und in den Aufsichtsrat wechseln.

Die Mehrheit der Aktien gehört den Angaben zufolge künftig der Familienstiftung von Unseld-Berkéwicz und der Familie Ströher gemeinsam. Die Stimmrechte ihrer Aktien seien vertraglich gebündelt, hieß es. In diesem Bündnis verfüge die Familienstiftung über die Stimmrechtsmehrheit und könne so auch fortan die Geschicke des Verlags lenken.

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Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft soll die jahrelange Auseinandersetzung mit dem Minderheitseigentümer Hans Barlach beendet werden. 

Der Machtkampf bei Suhrkamp

Seit Jahren tobt im Suhrkamp Verlag ein Machtkampf der Gesellschafter. Ein Rückblick:

2003: Ein Jahr nach dem Tod von Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld übernimmt seine Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz die Geschäftsführung. Es gibt auf vielen Ebenen Streit um Kompetenzen.

2006/2007: Der Hamburger Medienunternehmer Hans Barlach kauft - zunächst mit einem Partner, später allein - den Anteil des bisherigen stillen Teilhabers Andreas Reinhart in der Schweiz. Unseld-Berkéwicz spricht von einer „feindlichen Übernahme“ und legt Klage ein. In den Folgejahren folgt eine Flut von Klagen und Gegenklagen.

2009: Verlegersohn Joachim Unseld steigt aus dem Verlag aus. Er verkauft seinen 20-Prozent-Anteil zu gleichen Teilen an die Familienstiftung von Unseld-Berkéwicz, die damit 61 Prozent hält, und an Barlachs Medienholding, die jetzt 39 Prozent hat.

2010: Der Verlag verlegt seinen Sitz vom Traditionshaus in Frankfurt/Main nach Berlin.

5. Dezember 2012: Barlach und Unseld-Berkéwicz fordern vor dem Landgericht Frankfurt, die jeweils andere Seite als Gesellschafter auszuschließen. Sollte es dazu nicht kommen, müsse der Verlag aufgelöst werden, so Barlach.

10. Dezember 2012: Unseld-Berkéwicz wird per Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin des Verlags abberufen. Das Landgericht Berlin setzt damit auf Antrag Barlachs einen Gesellschafter-Beschluss vom November 2011 rückwirkend in Kraft. Wegen der Anmietung von Räumen für den Verlag in ihrem Privathaus soll sie zudem Schadenersatz zahlen. Sie legt Berufung ein.

20. März 2013: Das Landgericht Frankfurt verurteilt den Verlag zur Zahlung von knapp 2,2 Millionen Euro an Barlach. Es geht um den Gewinnanteil aus dem Verkauf des Frankfurter Verlagsgebäudes und des Verlagsarchivs.

27. Mai 2013: Der Verlag beantragt eine Unternehmenssanierung nach dem neuen Insolvenzrecht. Das sogenannte Schutzschirmverfahren soll verhindern, dass Gewinne an die Anteilseigner ausgezahlt werden.

6. August 2013: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffnet das Insolvenzverfahren. Auf Vorschlag von Unseld-Berkéwicz soll der Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Barlach verlöre dadurch weitreichende Mitspracherechte.

10. September 2013: Das Landgericht Frankfurt verbietet der Verlegerin in einer einstweiligen Verfügung, bei der Gläubigerversammlung ihrem eigenen Insolvenzplan zuzustimmen.

26. September 2013: Fast 200 renommierte Suhrkamp-Autoren drohen Barlach mit einem Ausstieg aus dem Verlag, sollte er «maßgeblichen Einfluss» auf das Haus behalten - u.a. Sibylle Lewitscharoff, Hans Magnus Enzensberger, Durs Grünbein und Uwe Tellkamp.

1. Oktober 2013: Eine erste Gläubigerversammlung votiert weitgehend einvernehmlich für die Fortsetzung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung.

3. Oktober 2013: Das Oberlandesgericht Frankfurt hebt die Entscheidung vorläufig auf, nach der Unseld-Berkéwicz nicht über den Insolvenzplan abstimmen darf.

12. Oktober 2013: Barlach kündigt an, auf Schadenersatz zu klagen, sollte der Verlag wirklich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

22. Oktober 2013: Eine zweite Gläubigerversammlung nimmt den Sanierungsplan mit klaren Mehrheiten in allen drei Gläubigergruppen an.

13. November 2013: Unseld-Berkéwicz und Barlach scheitern mit dem Versuch, sich gegenseitig als Gesellschafter des Verlags auszuschließen. Das Landgericht Frankfurt weist zwei entsprechende Klagen zurück, stellt jedoch fest, dass beide Seiten erhebliche Treuepflichtverletzungen zum Nachteil des Verlags begangen hätten.

15. Januar 2014: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg billigt die Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft. Die Kammer bestätigt damit die Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan.

30. Januar 2014: Barlach legt Beschwerde gegen das Sanierungskonzept ein, die im Februar und im April in zwei Entscheidungen vom Landgericht zurückgewiesen wird.

21. Juli 2014: Der Bundesgerichtshof teilt mit, er habe die beiden Entscheidungen der Vorinstanz aufgehoben, das Landgericht müsse neu über die Zulässigkeit der Beschwerde befinden.

24. Oktober 2014: In einem endgültigen Beschluss vom 20. Oktober weist das Landgericht die Beschwerde schließlich zurück. Es gibt damit grünes Licht für das Sanierungskonzept von Unseld-Berkéwicz.

19. Dezember 2014: Das Bundesverfassungsgericht entscheidet, dass der Suhrkamp Verlag in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden darf. Die Richter weisen einen Eilantrag von Barlach ab.

21. Januar 2015: Die Umwandlung ist unter Dach und Fach. Die Darmstädter Unternehmerfamilie Ströher steigt als neuer Aktionär mit ein. Unseld-Berkéwicz kündigt an, in den kommenden Monaten ihr Amt abzugeben und in den Aufsichtsrat zu wechseln.

dpa

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