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00:15 26.08.2013
Ein gutes Curry ist doch die halbe Miete: Alex Kapranos neulich auf dem Frequency-Festival im österreichischen St. Pölten. Quelle: dpa
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Alex Kapranos ist ein feiner Beobachter. In „Soundbites“, einer Mischung aus Tour-Tagebuch und Restaurantführer, hat er kleine Geschichten des Lebens aufgeschrieben. Da blickt er auch zurück auf die Zeit, in der er nicht der smarte Rockstar der Band Franz Ferdinand war. Mit einem Fiat Panda fuhr er damals Essen aus in den Straßen von Glasgow. Der Job war mies bezahlt, der Kühler kaputt, das Dach des Autos undicht. Aber an jedem Abend, an jedem regenkalten Abend in Glasgow bekam er ein Gratis-Curry. Eines, besser als alle Currys der Rockstar-Tage.

Im Jahr 2009, das dritte Album „Tonight: Franz Ferdinand“ erschien, da schien das Rockstar-Dasein der Schotten, ja, die ganze Band in Gefahr. In dieser Zeit ging es nicht ohne Synthie-Überschwall. Kaum eine Indie-Band kam ohne überproduziertes Gefrickel aus. „Tonight“ war ein ganz nettes Album. Dass es kein sehr gutes war, das konnte man bei den Konzerten der Band erleben. Dort gaben die vier Schotten den Songs etwas mehr Riffs, etwas mehr Kante. Zack, zusammen mit den Hits wie „Take Me Out“ wussten die Fans plötzlich wieder, warum sie diese Band für die beste Indie-Band der Nuller-Jahre hielten.

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Auf dem neuen Album haben die Schotten ihren Sound wiedergefunden. „Right Thoughts, Right Words, Right Action“ hat etwas von dem Curry, das Kapranos in seinem Buch beschreibt. Ein gutes Curry, mit Liebe gemacht, ohne viel Chichi. Oder, wie es Kapranos nennt, ein Kampf zwischen Intellekt und Seele. Der Eröffnungssong „Right Action“ ist ein groovendes, stampfendes, nach vorne stürmendes Indie-Stück, das sich im Regal nicht neben „Take Me Out“ verstecken muss. Auf dem vierten Studioalbum klingt hier wieder dieser klare, zackige Sound, zu dem Kapranos auf der Bühne den Seitenscheitel wippen lässt, die Beine auf der Stelle marschierend, den Takt mitgehend. Gitarrist Nick McCarthy darf auch hier seiner zweiten Leidenschaft, dem Keyboardspiel und sonstigem Klingklang, nachgehen, aber reduzierter. Und Schlagzeuger Paul Thompson und Bassist Robert Hardy geben den meisten der zehn Songs eben die Struktur, auf der die Franz-Ferdinand-typischen Riffs und Kapranos’ Bariton erst zu einem wunderbar-tanzbaren Postpunk werden.

Zehn zackige Zweieinhalbminüter wollten die Schotten dann aber doch nicht aus dem Studio tragen. „Fresh Strawberries“ ist eine folkige Ausnahme. Alles ist endlich. „We Will Soon Be Rotten / We Will All Be Forgotten“, verrottet und vergessen, wie alte Erdbeeren. Da wäre doch ganz schön, wenn man an etwas glauben könnte, überlegt Kapranos da im hippieesken Tongewand. Aber: Lüge, alles Lüge! In einer solchen Welt könne man sich nur noch der schnöden Wahrheit von Bedienungsanleitungen widmen. Ein Spaß, doch, irgendwie schon. Oder ein bisschen Alterssarkasmus von einem, der mit seinen 41 Jahren auch kein ganz junger Indie-Rocker mehr ist.

Irgendwann, nach zwei gefeierten und einem gefloppten Album, war das Indie-Rocker-Dasein wie ein Schreibtischjob, sagte Kapranos in einem Interview. Es machte ihm und auch den Kollegen keinen rechten Spaß mehr, nach acht Jahren Bandehe, ohne jede Pause. Es gab dann sogar den Gedanken, die Band aufzulösen. Jetzt, nach der großen Pause, ist der Spaß zurück. Das hört man auf „Right Thoughts, Right Words, Right Action“. Das sieht man aber auch. Es ist eine Freude, wie die vier Glasgower in den vergangenen Wochen über die Bühnen bei David Letterman, beim Pukkelpop-Festival in Belgien oder beim Sziget, Europas größtem Festival, auf der Donauinsel mitten in Budapest hüpften.

Und vorneweg Kapranos, der lange Seitenscheitel über den ausrasierten Hinterkopf wippend, der da auf der Bühne steht, klatschnass, in einem sehr bunten Hemd und grinst, als säße er in einem Fiat Panda, auf dem Weg zum besten Curry der Welt.

Franz Ferdinand: „Right Thoughts, Right Words, Right Action“ (Domino)

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