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14:12 02.08.2014
Von Uwe Janssen
Auf dem Trockenen: Die Beatsteaks. 
Auf dem Trockenen: Die Beatsteaks.  Quelle: obs/Warner Music Group Germany/Beatsteaks
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Hat jeder mal gemacht. Einen Song beim DJ bestellt. Für sich, für sie oder ihn, für die Clique. Manchmal war es wie Gott überreden, denn in der Disko oder im Klub machte der DJ die Regeln. War er gut, war er Gott. War der Laden voll, konnte es mit dem Wunschsong schon mal ein bisschen dauern. Und wenn es dann keiner aus der Hot Rotation war, sondern ein Spezialwunsch, zu dem kein Mensch sich bewegen wollte, musste man als Verursacher richtig abzappeln und die Tanzfläche allein ausfüllen, um bei Gott nicht in Ungnade zu fallen.

Genau diese Geschichte hat auch Arnim Teutoburg-Weiß erlebt – aus Sicht des Discjockeys, der er im Nebenberuf ist. Im Hauptberuf singt er bei der Berliner Rockband Beatsteaks, aber diese Geschichte hat ihn offensichtlich so beeindruckt, dass er sie im Video zur aktuellen Single „Gentleman of the Year“ noch einmal erzählt – und dabei wieder die Seiten wechselt. Denn den feisten Typen mit den strähnigen, ja, doch eher fettigen Haaren, der irgendwann vor dem DJ steht und dann in diesem spießigen Kleinstadtabendlokal auf der Tanzfläche eine wilde Show abzieht, spielt Teutoburg-Weiß selbst.

Disko und Beatsteaks – darauf wäre man vor einigen Jahren noch nicht unbedingt gekommen. Funpunk, schnell, laut, schweißtreibend, so ging das vor fast 20 Jahren mal los. Doch immer häufiger schlichen sich musikalische Fremdkörperchen in den Sound der Band ein. Spätestens der Erfolg des Albums „Boombox“ im Jahr 2011, das bis auf Platz 1 der deutschen Charts kletterte, zeigt, dass die Mischung zumindest massenkompatibel ist. Da macht man nicht mehr einfach mal so ein Album, denn es gibt nachweislich viele Leute, die auf das Ding warten – und auf die dazugehörigen Konzerte. Denn richtig wahr ist ein Beatsteaks-Song eigentlich erst, wenn er seine Bestimmung in einer vollen, dampfenden Halle vor einer schwitzenden, wogenden Menschenmasse findet.

Auch „Gentleman of the Year“ wird dabei sein, wenn die Band im Herbst und Winter unterwegs ist. Es ist ein Popsong mit einem unwichtigen Text, aber mit einem treibenden Gitarrenriff, das in raffinierter Versetzung mit dem Schlagzeug fast funky und ziemlich bewegungsanimierend ist. Vielleicht ist es Zufall, dass das Album schlicht „Beatsteaks“ heißt, aber man kann es gern programmatisch deuten, als Stand der Dinge: Die Band, nach einem üblen Treppensturz des Schlagzeugers Thomas Götz mittlerweile wieder komplett, guckt an verschiedenen Stellen über den Tellerrand. Mal Pop, mal Wave, mal ein bisschen Reggaegefühl, mal eine Verbeugung vor The Clash.

Kurz ist das meistens, viele Songs sind zu Ende, bevor die Dreiminutengrenze erreicht ist. Da kommen – Kürze, Würze – dann wieder die Punkwurzeln durch, und Songs wie „DNA“ oder das aufgekratzte „Be Smart and Breathe“ mit ihren nörgelnden Gitarren scheinen schon im freudigen Vorgriff auf die Livedarbietung entstanden zu sein. Nach gut einer halben Stunde ist der elfte und letzte Song durch. Da hat man richtig Zeit gespart, die man nutzen kann, indem man das Album einfach noch einmal hört. Oder eine halbe Stunde früher in die Disko geht.

Das nächste Konzert in Hannover

Beatsteaks: „Beatsteaks“. Warner. Am 3. Dezember spielen die Beatsteaks in der hannoverschen Swiss-Life-Hall. Karten gibt es an allen HAZ-Ticketshops.

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