Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Geschichten vom Verschwinden: Jochen Schimmang liest „Adorno wohnt nicht mehr hier“
Nachrichten Kultur

Neues Buch: Jochen Schimmang liest im Literaturhaus Hannover aus „Adorno wohnt nicht mehr hier“

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:44 17.10.2019
Romane sind zu rund: Jochen Schimmang (rechts) mit Moderator Thomas Schaefer. Quelle: Navid Bookani
Hannover

Man könnte ihn durchaus als sturmfesterdverwachsen betrachten. In Northeim geboren, in Leer aufgewachsen, ostfriesisch herb, des Plattdüütschen mächtig, die kleine Figur drahtig trotz der 71, der Schopf wie seewindgebürstet, aktueller Wohnsitz: Oldenburg. Aber es gibt ja immer eine Rückseite. Bei Jochen Schimmang, der (mal wieder) im Literaturhaus Hannover zu Gast war, (mal wieder) begleitet von Moderator Thomas Schaefer, heißt diese Rückseite Frankfurt.

Jochen Schimmang ist einer der Autoren, die ihre Karriere nicht direkt in der ausgeleuchteten Mitte des deutschen Belletristikboulevards verbracht haben, sondern ein bisschen an der Seite, sagen wir: Radweg. Dafür musste er sich nicht nach irgendwelchen zeitgeistreichen Kriterien zurechtbiegen, blieb aufrecht, auch mal freihändig. Kam bei Suhrkamp rein und auch wieder raus. Jetzt ist, bei Nautilus, sein neuer Erzählungsband erschienen: „Adorno wohnt nicht mehr hier“.

Schriftgewordener Spaziergang

Adorno (Schimmang nennt ihn „Teddie“), vor 50 Jahren gestorben, spielt eine große Rolle in der titelgebenden Haupterzählung des Buchs, aber eine größere spielt in diesem schriftgewordenen Spaziergang die Stadt Frankfurt am Main selbst: angefüllt mit Geld und Geist, mit Schäbigkeit und Prunk, mit Sehnsucht, mit Zukunft. Damals. Denn die Zukunft war irgendwie schon perdu, nachdem Schimmang sich für Berlin als Studienort entschieden hatte. Dort, „wo die Arbeiterklasse aus geöffneten Fenstern auf uns herabschimpfte“, sammelte er seine K-Gruppen-Erfahrungen, Ideologie statt Intellekt. Aber Frankfurt, lernen wir, war dann bald auch nicht mehr das, was es mal war, alles weg, selbst Adorno, sogar Suhrkamp inzwischen, nur das Geld ist träge.

Schimmang sagt im Gespräch mit Schaefer, er möge Erzählungen – das Runde, Abgeschlossene, vermeintlich Fertige des Romans möge er nicht so. Schaefer sagt: „Dafür gibt es ganz schön viele Romane von dir.“ Alle lachen. Tatsächlich passt es zu dem leicht Vagen von Schimmangs Texten, dass eines seiner Lieblingsthemen das Verschwinden ist: „Das Schönste an der Welt wird für mich mehr und mehr, dass man noch immer in ihr verschwinden kann“, schreibt er.

Gott guckt durch die Tür

Und so erzählt er auch in seinem neuen Buch davon, melancholisch bis heiter. Von einem Maler, der so verschwunden ist, dass er gar nicht erst existiert hat, von Gott, der um halb sieben kurz den Kopf zur Kirchentür hereinsteckt und gleich wieder weg ist, vom Tod. Und, der Favorit des Publikums an diesem Abend: Vom Künstler, der 70 wird und (Schimmang scheut sich kein bisschen, den alten Witz zu adaptieren) als Ostfriese schon mittwochs sieht, wer Sonntag zu Besuch kommt: Dichter, Kulturbürokraten, Selbstdarsteller. Aber er und seine Frau wollen die Leute gar nicht sehen und verschwinden. Zumindest ein bisschen.

Sturmfesterdverwachsener Applaus am Ende: Nicht zu viel, aber sehr warmherzig.

Am Mittwoch, 23. Oktober, liest Felicitas Hoppe um 19.30 Uhr im Literaturhaus aus ihrem Roman „Prawda

Von Bert Strebe

Immer wieder gehen die Düsseldorfer Kraftwerk leer aus, wenn es um die Mitgliedschaft in der Rock-’n’-Roll-Hall-of-Fame geht. Angeblich sind Kraftwerk-Klänge kein Rock ’n’ Roll. Doch das Gegenteil ist der Fall, findet unser Autor.

17.10.2019

Zum ersten Mal seit zehn Jahren wird es kein Jugendwort des Jahres geben. Nach der Übernahme von Langenscheidt durch den Pons-Verlag hat das Unternehmen auf einen Aufruf verzichtet. Eine Online-Plattform wollte die Abstimmung eigentlich übernehmen.

17.10.2019

Bislang schaffte kein einziges Video aus den Achtzigerjahren die Milliarde bei Youtube. Jetzt erreichte Guns N’ Roses mit ihrer dritten Single „Sweet Child o’ Mine“ die magische Grenze. Gewidmet hatte Axl Rose das Lied einer besonderen Person in seinem Leben.

17.10.2019