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Kultur Bluff und Crime im Blindenheim
Nachrichten Kultur Bluff und Crime im Blindenheim
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18:04 16.05.2015
Von Uwe Janssen
Geheimnisvoll verbunden: Beatrice Fago (l.) und Michaela Schaffrath. Quelle: Oliver Vosshage
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Hannover

Ein Edgar-Wallace-Stück auf die Bühne zu bringen - gar nicht so einfach. Erst recht nicht auf einer kleinen Bühne wie im hannoverschen Neuen Theater. Viele Schauspieler, viele Schauplätze, letztere auch noch permanent wechselnd. „Die toten Augen von London“, 1924 von Wallace geschrieben, 1961 mit Blacky Fuchsberger und Klaus Kinski in Hamburg verfilmt, verlangt dem gesamten Team in dieser Hinsicht eine Menge ab. Die sieben Akteure müssen nicht nur fast ein Dutzend Rollen verkörpern, sondern zwischendurch auch noch Kulissen schieben und Tische tragen. Regisseur Oliver Geilhardt macht das Richtige, er geht in die Offensive und formt aus den Umbaupausen kleine slapstickartige Szenen mit hibbeligen Bobbys, die mit Taschenlampen durchs Halbdunkel fuchteln und für ihre Auftritte sogar Applaus bekommen.

Service

Bis zum 30. Juni. Karten und Infos: (05 11) 36 30 01 oder neuestheater-hannover.de

Im Halbdunkel, obwohl auf der Bühne ordentlich beleuchtet, spielt sich auch der Kriminalfall ab, den Inspektor Larry Holt (Wolfram Pfäffle) und seine Assistentin Diana Ward (Michaela Schaffrath) zu lösen haben. Ständig werden Männer aus der Themse gefischt, alle tot, alle reich, alle aus Übersee. Die Spur führt in ein dubioses Blindenheim, wo die beiden den verdächtigen „Blinden Jack“ (Lennart-Fabian Müller) suchen und dabei auf ganz andere seltsame Menschen treffen.

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Reverend Dearborn (Joachim Kwasny), der Heimleiter, scheint nicht so blind zu sein wie er tut, Bewohnerin Miss Fitzgerald (Beatrice Fago) bringt Diana Ward ins Grübeln. Versicherungsmakler Stephen Judd (Fabian Joel Walter) scheint ein besonderes Interesse an den Vorgängen zu haben - und zudem eine offene Rechnung mit dem Gauner Flimmer-Fred (Thomas Henniger von Wallersbrunn).

Das alles bietet Platz für kollektives Mörderraten und für reichlich Komik. Wolfram Pfäffle gibt souverän den leicht genervten Kriminalisten mit dem siebten Sinn, unter anderem für seine Assistentin. Michaela Schaffrath hat es als Dauergast in Hannover mittlerweile zum Publikumsliebling geschafft. Aber weil in diesem Stück alle überall mit anpacken müssen, ist die Mannschaft der Star des Abends.

Natürlich lösen die Ermittler nach einigen Wirrungen am Ende den Fall. Bis dahin wird auffällig viel gekreischt und gewürgt, es wird geschossen, sogar Blut fließt. Doch es ist eine englische Geschichte, deshalb gilt auch in kritischen Situationen: Für einen guten Spruch ist es nie zu spät. Das Publikum hat seinen Spaß.

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