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Kultur Das eigene Durchgeknallte
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09:37 03.06.2014
„Unwertes Material“: Tom Ottos Werk. Quelle: Thomas
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Hannover

Der Künstler, blaues Strohhütchen, blau karierte Weste, hängt fünf Minuten vor der Eröffnung noch einige Bambusringe an sein „Objekt mit gelber Farbe“, an dem schon ganz viele Bambusringe mit gelbem Innenleben hängen. Und er bestimmt: „Die müssen noch.“ Dazu frotzelt ein Juror: „Vorgestern war das schon mal fertig.“ Das geheimnisvolle Objekt darf in diesem Monat in der hannoverschen Eisfabrik umrundet werden.

Was in der Kunst so alles Objekt sein darf. Im Fall von Tom Ottos Bambusringe-Arrangement handelt es sich um ein poetisches Haus-Tier-Baum-Vogel-Gebilde aus garantiert „unwertem Material“: gefundenes Treib- und Sperrholz, roh und fein gedrechselt. Abstraktes und Realistisches vereint die Skulptur. Oder ist der fein geschnitzte Piepmatz doch eher als abstrakt zu bezeichnen?

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Eröffnungsredner Giso Westing tat gut daran, bei seiner Einführung zur jüngsten Ausgabe der Ausstellung „Neues aus hannoverschen Ateliers“ keinen Künstler namentlich zu erwähnen. Zu viele und zu viele gute hätte er nennen müssen: 31 haben er und seine Mitjuroren unter mehr als 50 Bewerbern ausgewählt. Auffallend viel Figuratives und Landschaftliches in den unterschiedlichen Gattungen wurden eingereicht. Darunter malerische, fotografische, bildhauerische Arbeiten, auch Installationen, die Kuratorin Dagmar Brand in der Blauen und Weißen Halle der Eisfabrik zur vieldeutig strukturierten Ausstellung versammelt hat. Dagmar Brand, selber Künstlerin, ist seit Anbeginn die Initiatorin dieser ehrgeizigen Ausstellungsreihe, die das städtische Kulturamt fördert.

Statt mit Aufzählung zu langweilen, bot Westing, Künstler und zudem Kurator in der Galerie „Vom Zufall und vom Glück“, ein kurzweiliges Vademekum zum Verständnis von Kunst. Dabei berief er sich zunächst auf Hegels „unendliche Subjektivität“, um sodann polemisch und pointensicher festzustellen, dass Kunst nicht das ist, was gefällt. Mit so einer Einstellung sei man an der „Pommesbude“ richtig: „Kunst entsteht durch Nachdenken.“ Nuancen müssten unterschieden werden, da erst „der kleine Drall der Sache eine neue Wendung gibt“. Das bedeute wiederum: Das eigene Durchgeknallte müsse etwas Allgemeingültiges haben. Kunst als eine Sache der unermüdlichen Reflexion.

Viel Durchgeknalltes, viel Allgemeingültiges kann man beim nachdenklichen und lustvollen Rundgang durch diese vierte Ausgabe „Neues aus hannoverschen Ateliers“ erleben. Völlig normal fällt nur die Preisliste aus, denn – Hegel hin, Bambusringe her – auch diese Kunst ist käuflich.

Bis 29. Juni in der Eisfabrik, Seilerstraße 15, donnerstags bis sonnabends 15 bis 20 Uhr, sonntags 14 bis 18 Uhr, Führungen sonntags um 12 Uhr.

Von Alexandra Glanz

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