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Kultur Neujahrskonzert in der Oper
Nachrichten Kultur Neujahrskonzert in der Oper
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00:15 04.01.2015
Von Stefan Arndt
Wenn es heiße Luft regnet: Das traditionelle Ende des Neujahrskonzert im Opernhaus. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Ganz so zufällig, wie Moderator Klaus Angermann zu behaupten nicht müde wird, war das Motto sicher nicht gewählt: „Anything Goes“ - alles geht - waren die Neujahrkonzerte des Niedersächsischen Staatsorchesters in diesem Jahr überschrieben. Denn eigentlich könnte dieser Titel längst über der ganzen Gattung stehen. Die Neujahrskonzerte haben sich nicht nur in Hannover ein gutes Stück von der Tradition entfernt, ausschließlich die Walzer, Polkas, Galopps und Märsche der Strauss-Dynastie zu spielen. Natürlich darf auch im Opernhaus nicht der „Radetzky-Marsch“ zum Ballonregen von der Saaldecke fehlen. Aber davon abgesehen kann man sich all der wunderbaren Stücke bedienen, die im regulären Konzertbetrieb sonst kaum eine Chance haben.

Zum Beispiel der „Kopenhagener Eisenbahn-Galopp“ der ebenso experimentierlustigen wie humorvollen Komponisten Hans Christian Lumbye, der das Publikum anlässlich der Eröffnung der ersten dänischen Bahnverbindung 1847 mit den Geräuschen vertraut machte, die eine Dampflok von sich gibt. Die Schlagzeuger des Staatsorchesters, die immer zuständig sind, wenn es Klänge zu erzeugen gilt, die keinem herkömmlichen Instrument zu entlocken sind, bürsten mit Drahtbesen über Wellbleche und blasen Signalpfeifen, bis sie den Schaffnermützen aus dem Kostümfundus, die sie dabei tragen, alle Ehre machen. Am Ende, wenn die Räder knirschend zum Stehen gekommen sind, wird auch noch die Haltekelle in die Luft gereckt und eine Signalweste mit der Aufschrift „Streik“ hochgehalten: Großes Hallo im ausverkauften Saal.

Überraschungen gab es auch schon vorher, etwa durch auffallend beschwingte Klänge von Samuel Barber, der sich in seinem „Hesitation Tango“ von einer ganz anderen Seite zeigt als in seinem verinnerlichten „Adagio for Strings“. Für den pointensicheren Moderator Angermann bot die Musik des amerikanischen Komponisten eine weitere Gelegenheit zum musikalischen Jahresrückblick: Mithilfe des Russen Dimitri Schostakowitsch und dessen frecher und erstaunlich freundlicher Ballettmusik erinnerte Angermann an die neue Notwendigkeit eines Ost-West-Dialogs.

Klangpaten für Konzertzimmer

Das erste Konzert eröffnete den Spendenreigen, mit dem die Staatsoper in diesem Jahr Mittel für ein neues Konzertzimmer einsammeln will. So nennt man die Ausstattung, in der ein Orchester auf der Bühne eines Opernhauses spielt – das Bühnenbild für ein Konzert. Zu Beginn der Spielzeit 2015/2016 soll ein neues, akustisch stark verbessertes Konzertzimmer den bereits mehr als 
30 Jahre alten Aufbau der Staatsoper ablösen. Rund 150.000 Euro soll die überwiegend in den Werkstätten der Oper hergestellte Konstruktion kosten, von der sich auch der international renommierte hannoversche Dirigent Marc Albrecht eine ausgewogene Akustik verspricht. Albrecht, Sohn des ehemaligen hannoverschen Generalmusikdirektors George Alexander Albrecht, ist Schirmherr der Aktion „Werden Sie Klangpate!“, mit der die Oper um Unterstützung wirbt. Beträge in jeder Höhe können auf das Spendenkonto der Oper überwiesen werden, ab 250 Euro wird man auf der Opernwebsite als Klangpate geführt .

Generalmusikdirektorin Karen Kamensek, die das Orchester animiert durch die im technischen Detail oft tückischen musikalischen Preziosen führte, hatte dazu Stücke ausgewählt, die weit von der üblichen Stilistik eines Sinfonieorchesters entfernt liegen. Der kurze Auszug aus Duke Ellingtons später Orchestersuite „The River“ forderte den Musikern punktgenaue Swingqualitäten ab, bevor sie in einem rhythmisch überschwänglichen Kriegslied aus Hawaii (von dem Angermann versicherte, es sei eigentlich ein Liebeslied) endgültig alle Hemmungen fallen lassen konnten.

So ergab sich aus vielen Teilen ein unterhaltsames, vielgestaltiges und souverän ausgeführtes Ganzes. Groß war der Jubel am Ende. Und die ungezwungene Begeisterung, mit der die Zuhörer schließlich auch den letzten Ballon platzend in den zugegebenen „Radetzky-Marsch“ einstimmen ließen.

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