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Kultur „Nicht alles, was man kann, muss man“
Nachrichten Kultur „Nicht alles, was man kann, muss man“
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06:15 03.10.2012
Von Heinrich Thies
„Mythen der Freiheit“: Szene mit: Mirka Pigulla, Dan le Tard und Philippe Goos. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Manchmal wird es ganz schön laut. Es darf auch getanzt werden. Und am Ende gibt es Zugaben. Wie bei einem Rockkonzert. Rainer von Vielen lässt es wieder krachen. Nach der Uraufführung im wendländischen Salderatzen im Juni präsentierte die Combo des Allgäuer Alternativsängers gemeinsam mit dem Jungen Schauspiel nun die Hannover-Premiere von „Mythen der Freiheit“. Das „Theaterkonzert“ mit Songs von Rainer von Vielen und einer Textcollage von Regisseur Florian Fiedler warnt vor den Gefahren der Freiheit und schwört das Publikum in einer Art schwarzer Messe auf den Messias der Antifreiheit ein. Natürlich ist da viel Ironie im Spiel. Aber nicht nur.

Es geht ganz harmlos los. Rainer von Vielen erzählt im Plauderton, wie er einst als Sternsinger durch sein Allgäu-Dorf gezogen ist - und nicht alle Einnahmen an die Kirche abgeführt hat. Daraufhin marschieren prompt drei Sternsinger auf. Doch der christliche Auftakt mündet in einem Blutbad: Einer der Sternsinger erwürgt und erschießt seine Eltern („Ich will, dass ihr tot seid!“). Mit diesem Beispiel für die Auswüchse grenzenloser Freiheit nimmt eine turbulente Erweckungs-Show ihren Lauf. Laut, grell, überdreht. Einpeitscher fordern das Publikum auf, sich von den Plätzen zu erheben, die Arme zu strecken und vorgegebene Losungen wie „Wir wollen das ehrliche Korsett“ nachzusprechen. Nach kurzem Zögern spielt das Premierenpublikum mit: Viele stehen auf, winken wie befohlen, sprechen nach, was ihnen zugerufen wird - sehr viel ungehemmter übrigens als bei der Wendland-Premiere, wo mehr politisch korrekte Distanz gegenüber den Guru-Botschaften vorherrschte.

Wie in Salderatzen beschränken sich auch im Ballhof die Akteure nicht darauf, das Publikum nur als Masse zu bearbeiten. Sie laufen durch die Besucherreihen, halten einzelnen Zuschauern Mikros unter die Nase, fragen nach dem Befinden oder drängen sie gar auf die Bühne. Nicht alle finden das witzig.

Aber den großartigen Schauspielern Philippe Goos, Thomas Mehlhorn und Mirka Pigulla gelingt es immer wieder, das Publikum mit Temperament und Präzision in ihren Bann zu ziehen.

Rainer von Vielen ist ein Vollblutmusiker mit einem ungeheuren Spektrum von Klangfarben. Die Songtexte dagegen sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Witzige Raps mischen sich mit Holzhammer-Satire und Agitprop-Parolen. Und etliche Stirnen runzeln sich, wenn nach der Melodie von „Großer Gott wir loben dich“ der „Antifreist“ gepriesen wird.

Mit der Moral ist es bei dieser Inszenierung ohnehin nicht so einfach. Denn hinter dem bunten Spektakel steht ein anspruchsvolles Konzept: Regisseur Fiedler umkreist mit seinen Akteuren den Begriff der Freiheit. Es geht um die Freiheit der Liebe wie um die Freiheit der Finanzmärkte, um Egoismus und soziale Verantwortung. Manches stimmt nachdenklich. Doch der philosophische Diskurs mit den Mitteln des Jugendtheaters mündet in einer ziemlich simplen Botschaft. „Nicht alles, was man kann, muss man.“ Kräftiger Applaus - und viele Zugaben.

Nächste Vorstellungen: 2. und 4. Oktober, jeweils um 19.30 Uhr im Ballhof.

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