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Kultur Nigel Kennedy spielt im Kuppelsaal Hannover
Nachrichten Kultur Nigel Kennedy spielt im Kuppelsaal Hannover
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18:47 07.11.2011
Von Stefan Arndt
Geduld und Guarneri: Nigel Kennedy und das „Orchestra of Life“ spielen in Hannover – dreieinhalb Stunden lang. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Hochgewuschelte Haare, Hose mit Metallketten, räudiger Bart, löcheriges Jackett: Der Mann ist ein Gesamtkunstwerk. Und das schon sehr lange – die Ausstellung seiner selbst läuft bei dem britischen Geiger Nigel Kennedy seit 30 Jahren mit nahezu unverändertem Programm. Darum ist es falsch, ihn immer nur als „Geigenpunk“ zu bezeichnen. Das mag er einmal gewesen sein, als er in den achtziger Jahre das strenge Korsett eines musikalischen Musterschülers ab- und verwegene Kettenhemden überstreifte. Inzwischen jedoch ist vom Gestus der Rebellion so gut wie gar nichts geblieben. Mit 54 Jahren ist Kennedy nicht wild, sondern mild: ein Netter, der Handküsse verteilt und sich freut, wenn er Musik machen darf.

Das hat er nun auch im nicht ganz ausverkauften Kuppelsaal in Hannover getan und sich dabei nicht als Revoluzzer, sondern als eine musikalische Variante des traurigen Clowns präsentiert. Kennedy ist auf eine fahrige Art lustig und zugleich von großem Ernst erfüllt. Das, was er tut, ist daher oft unterhaltsam und anrührend zugleich.

Wie ein Clown nutzt der Geiger dafür Kostüme – nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Musik. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, die Kennedy 1989 auf einer der meistverkauften Klassik-CDs eingespielt hat und die ihm seither nicht mehr loszulassen scheinen, spielt Kennedy inzwischen in einer eigenen Version, die mit dem dafür gängigen Etikett „Crossover“ nur schlecht beschrieben ist. Natürlich kommt es zu einer Mischung von verschiedenen Musikwelten, wenn er sich statt von einem reinen Streicherensemble auch von Hintergrundsängern, einem Trompeter und gleich drei Schlagzeugern begleiten lässt. Aber mit diesem „Orchestra of Life“ entsteht keine schlichte Rockversion der Vorlage, wie sein erfolgreichster Nachahmer David Garrett sie liebt.

Kennedys Bearbeitung verzichtet auf das billige Rezept Klassik plus Schlagzeug plus verzerrte E-Gitarre. Sie reagiert vielmehr reaktionsschnell auf die vielen unterschiedlichen Stimmungen innerhalb eines Stückes. Durchgängige Rhythmen, die Eingängigkeit um den Preis der Langeweile erkaufen, gibt es nicht. Stattdessen: kleine Überraschungen, drastische Affektverstärkungen oder einfach das schlichte, schöne Original.

Wenn im „Herbst“ der Wind auch bei Vivaldi wild in die Saiten der Streicher fährt, bekommt das bei Kennedy mit eilig eingewechselter E-Geige zusätzliche Wucht – allerdings nur kurz, denn bald darauf herrscht in langen vibratolosen Haltetönen genau die Erstarrung, die auch der Venezianer komponiert hat. Die tröstlich helle Melodie aus dem „Winter“-Konzert bleibt ganz und gar unangetastet – bekommt aber ein schweifendes Vorspiel, aus dem sie sich dann erhebt wie die Sonne aus einem Nebelfeld. Raffiniert und lustig ist der kuriose Einsatz des Gesangsquartetts, das ab und an dezente Nachschläge und Nebenrhythmen beisteuert, die der Instrumentalmusik einen Hauch von Menschlichkeit verleihen.

Auf diese Weise dauern die „Vier Jahreszeiten“ knapp eineinhalb Stunden – und die Pause im Kuppelsaal beginnt um halb zehn. Danach präsentiert der Geiger seine selbst geschriebene Suite „The Four Elements“, die manche Qualitäten der „Vier Jahreszeiten“ hat, der aber doch die Substanz fehlt, die Vivaldis Vorlage liefert. Es gibt viel von vielem: Rock, Jazz, Klassik, Musical und doch nur sehr wenige packende Momente. Da ist es fast erstaunlich, dass nicht noch mehr Zuhörer den Saal verlassen, als das Konzert die 23-Uhr-Marke überschreitet. Die Mehrheit, die bleibt, hat aber um kurz vor halb zwölf noch nicht genug und fordert stehend applaudierend eine Zugabe. Die gibt es dann auch: das irische Volksstück „The Londonderry Air“. Als „etwas Leises für die Nacht“ kündigt Kennedy diese letzten Töne des überlangen Konzertes an – und schon ist man wieder versöhnt mit diesem seltsam traurig-lustigen Mann, der so schrill wirkt und doch ein Meister der Zwischentöne ist.

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