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Kultur „Nine“ zeigt das süße Leben und viele weibliche Stars
Nachrichten Kultur „Nine“ zeigt das süße Leben und viele weibliche Stars
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12:46 25.02.2010
In jeder Lage ein Star: Penélope Cruz in „Nine“. Quelle: Senator

Verglichen mit anderen Kerlen, hat der Mann ein Luxusproblem: Zu viele Frauen wollen etwas von ihm, und er kann ihnen einfach nicht widerstehen. Doch all die Liebe und Leidenschaft, die den berühmten Regisseur Guido Contini sonst zu seiner Filmkunst inspirieren, machen ihn jetzt nur müde, unsagbar müde. Er ist nicht mal mehr in der Lage, einen Film zu drehen – bis er auf die Idee kommt, einen Film über einen von Frauen umschwärmten Regisseur zu machen, dem die Idee für ein neues Projekt fehlt.

Diese Geschichte aus Federico Fellinis Klassiker „Achteinhalb“ aus dem Jahr 1963 kam 20 Jahre später als Musical unter dem Titel „Nine“ auf die Broadway-Bühne. Aus dem erfolgreichen Musical zum Film hat Regisseur Rob Marshall jetzt wiederum ein Kino-Musical inszeniert. Es ist eine überbordend-schwelgerische Hommage an Fellini geworden – und eine Liebeserklärung an das italienische Kino der sechziger Jahre.

Daniel Day-Lewis, vor zwei Jahren für seinen Auftritt im dem Ölsucherdrama „There will be Blood“ mit dem Oscar ausgezeichnet, spielt den gefeierten Regisseur Guido Contini, der in der römischen Filmstadt Cinecittà mit den Dreharbeiten zu seinem neuen Film beginnen soll. Doch statt mit dem Filmen loszulegen, treiben ihn die Probleme mit tatsächlich existierenden Frauen und seine Erinnerungen und Phantasien an verschiedene Damen um. Wenigstens die Mamma kann ihm dabei Trost spenden. Die ist zwar längst verstorben, in Guidos Vorstellung aber quicklebendig: endlich mal eine Frau, die nichts von ihm will und die ihn versteht.

Als Mamma Contini tritt Italiens Kinolegende Sophia Loren auf. Sie reiht sich ein in die Riege weiblicher Superstars, die der Regisseur verpflichtet hat. Marion Cottillard (die als Edith Piaf in „La Vie en Rose“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde) spielt Continis Ehefrau Louisa. Penélope Cruz ist seine überdrehte Geliebte. Außerdem treten Kate Hudson, Nicole Kidman, die großartige Judi Dench und Stacy Ferguson auf, die unter ihrem Künstlernamen Fergie bei der Hip-Hop-Band Black Eyed Peas singt.

„Nine“ hat nicht gerade Ohrwürmer zu bieten, aber dafür Schauspielerinnen, die überraschend gut und mitreißend tanzen und singen können. Als Sänger kann Daniel Day-Lewis da zwar nicht ganz mithalten, ist ansonsten aber ein attraktiv vergrübelter Contini – ein kettenrauchendes Scheusal, das nicht treu sein mag, aber zugleich ein bemitleidenswert ausgebrannter Künstler ist. Day-Lewis, der für seine obsessive Herangehensweise an Rollen bekannt ist, soll extra für „Nine“ Italienisch gelernt haben. Selbst wenn das nur ein Gerücht ist: Der Ire gibt einen tollen Italiener ab und oszilliert zwischen elegant, charmant und weinerlich.

„Nine“ ist nicht so frech und witzig wie Rob Marshalls Musicalverfilmung „Chicago“ (2002), die während der Prohibition in den USA spielt. In „Nine“ geht es ungleich dramatischer und leidenschaftlicher, irgendwie italienischer zur Sache, was sich auch in den Bildern und Kostümen spiegelt. An schwarz-weißen Corsagen und roten Federboas herrscht wahrlich kein Mangel.

Manchmal wirkt das alles ein bisschen schwülstig und etwas angestaubt, meistens jedoch ist „Nine“ bestechend schön und hat trotzdem für einen Musikfilm ungewöhnliche Tiefe. Marshall arbeitet mit einer vielfach ausgezeichneten Crew an Kostümbildnern, Kameraleuten und Cuttern zusammen, die den Zuschauer in einen Rausch der Bilder versetzen. Besonders gelungen sind die Überblendungen zwischen Filmrealität und Continis Phantasien.

Im Kino war schon lange kein Film mehr zu sehen, der Italien so stilvoll gezeigt hat. Manche Bilder sind Reminiszenzen an Fellini-Filme, etwa eine nächtliche Szene an einem Brunnen, die die berühmten Bilder aus „Das süße Leben“ mit Marcello Mastroianni und Anita Ekberg am Trevi-Brunen aufgreift.
Wenn Guido Contini mit seinem Alfa Romeo-Cabrio durch Rom braust, vorbei an Cafés voller gut gekleideter Männer und Frauen, ist der Zuschauer verzückt. Ähnlich attraktiv und in mildes Licht getaucht war Italien zum Beispiel in Anthony Minghellas Kinofilm „Der talentierte Mr. Ripley“. Der Brite mit italienischen Wurzeln und Regisseur von „Der englische Patient“ hat auch am Drehbuch für „Nine“ mitgearbeitet. Vor zwei Jahren ist Minghella im Alter von 54 Jahren gestorben ist. Ihm ist „Nine“ gewidmet.

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