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Kultur Olaf Heine und Olaf Hauschulz stellen im Helmkehof aus
Nachrichten Kultur Olaf Heine und Olaf Hauschulz stellen im Helmkehof aus
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00:15 25.11.2012
Von Uwe Janssen
„Wie ein Klassentreffen“: Olaf Heine (links), Olaf Hauschulz.
„Wie ein Klassentreffen“: Olaf Heine (links), Olaf Hauschulz. Quelle: Anastassakis
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Hannover

Es ist laut, es staubt, es riecht nach Farbe. Im Helmkehof wird konzentriert und weitgehend wortlos gearbeitet. Es ist Donnerstagnachmittag, und man würde nicht unbedingt darauf kommen, dass in den großflächigen Räumen des alten Gebäudes in zwei Tagen eine Fotoausstellung eröffnet wird. „Die haben gesagt, sie schaffen das“, sagt Olaf Heine, und sein Grinsen sieht nach einer Mischung aus Bangen und Vertrauen in die emsigen Arbeiter aus. Genau zwei Tage, am morgigen Sonnabend und am Sonntag, sind die Bilder von Heine und seinem Vornamensvetter Olaf Hauschulz zu sehen. Danach werden diese Räume gewerblich vermietet. Eine Blitzausstellung. „Ein Klassentreffen“, sagt Heine. Und Hauschulz nickt.

Es gibt schon viele Gemeinsamkeiten zwischen Olaf Heine und Olaf Hauschulz. Beide sind Fotografen, Jahrgang 1968, beide haben internationalen Rang, und beide haben die Basis für ihre Karriere in Hannover gelegt. In den frühen neunziger Jahren waren sie für den „Schädelspalter“ unterwegs, doch dann trennten sich ihre Wege. Denn eigentlich sind sie doch ganz verschieden.

Der eine, Heine, ist der extrovertierte, agile Typ, er hängte sich an die Musiker der Stadt, die sich den Ruf einer Rockstadt erworben hatte. Heine begleitete Fury in the Slaughterhouse und Terry Hoax, dann die Ärzte - und porträtierte danach als Pendler zwischen Berlin und Los Angeles alles, was Rang und Namen hat. Im Helmkehof hängen Aufnahmen von Jon Bon Jovi und Snoop Dogg. Die vier von Coldplay hocken in einer Industriehalle auf dem Boden, Schauspieler Thomas Kretschmann hält an einer Hauptverkehrsstraße ein Lamm auf dem Arm. Autor Bret Easton Ellis („American Psycho“) sitzt versonnen im berühmt-berüchtigten New Yorker Chelsea Hotel und zieht eine Spritze auf. Und hinter der Tür lauert das wohl bekannteste Motiv des Fotografen - ein zu allem entschlossener Iggy Pop mit finsterem Blick und drahtigem Oberkörper. Die Auswahl aus 20 Jahren Arbeit ist beachtlich, die Zahl der Bilder auffällig: „Es sind genau 96 Bilder“, sagt Heine, „ist aber reiner Zufall.“

Der andere Olaf nimmt von den 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche im Helmkehof ein bisschen mehr in Anspruch. Was vor allem daran liegt, dass er acht Motive im Riesenformat 220 mal 180 Zentimeter hat anfertigen lassen. Nun steht er vor den sorgfältig eingepackten Großrahmen, und bei jedem, das ausgepackt wird, entfährt ihm ein Seufzer der Begeisterung. „Ich sehe die jetzt auch zum ersten Mal in diesem Format“, sagt er, „ich habe sie extra für diese zwei Ausstellung machen lassen.“ Die Bilder, die er mitgebracht hat, sind Stadt- und Landbilder, beruhigend, kontemplativ, von Lichtstimmungen geprägt. Der „Ground Zero“ im Nebel, eine Schweizer Berglandschaft, in Wolkendunst verhüllt, Stadtansichten aus Deutschland und Japan, die sich in der Dämmerung viel ähnlicher zu sein scheinen, als sie es bei Licht besehen tatsächlich sind.

Das passt zu Hauschulz, dem ruhigen, leisen Typen, und es ist ein Kontrast zu seiner Fotografierichtung, die eine ganz andere ist als die von Heine. Hauschulz wandte sich der Werbefotografie zu und ist mittlerweile ein weltweit gefragter Produktfotograf, Spezialität: Autos, gern edel. Seit einer Kampagne für den neuen Mercedes CLS im Jahr 2004 ist er ein Weltreisender. „150 Tage im Jahr bin ich unterwegs.“ Gibt es Automarken, für die er noch nicht gearbeitet hat? Hauschulz überlegt. Dann: „Nö.“ Und nach einer kurzen Pause: „Dacia. Ich glaube, denen war ich zu teuer.“ Das wirkt nicht geprotzt, sondern fast schüchtern.

Hauschulz ist einer, der sich immer noch wundern kann über die Welt, die er bereist. Die ruhigen Bilder seiner analog fotografierten und bezeichnenderweise „My Little World“ betitelten Serie, die er in Hannover zeigt, wirken wie ein Kontrastprogramm zu seinem Hauptjob, der von Berechnung und einer konstruierten Wirklichkeit bestimmt wird. So gelangt er an Orte, von deren natürlicher Wirkung er sich gern beeindrucken lässt. Nicht jeder kann bestimmte Lichtstimmungen den richtigen Regionen rund um den Globus zuordnen. Wenn jemand so viel unterwegs ist und mit geschultem Blick in den Himmel schaut wie Hauschulz, geht das. Aber wohl auch nur dann.

Aus den Augen verloren haben sich die beiden reisewütigen Fotografen nie. Dass sie nun, zwei Jahrzehnte, nachdem sich ihre Wege trennten, mit einer gemeinsamen Ausstellung an den Startpunkt ihrer Karriere zurückfinden, ist ein schöner, wenn auch kurzer Zwischenstopp. Denn es ist „natürlich keine Retrospektive“, sagt Heine, „so alt sind wir ja noch nicht.“ Für das Wochenende haben sich viele der alten Weggefährten angemeldet. Klassentreffen eben. Einige hatten hier, in der Helmkestraße, Proberäume. Nun wird gearbeitet. Bis Sonnabend müssen die Handwerker fertig sein. Aber sie sagen, sie schaffen das.

„In between“ ist am Sonnabend von 18 bis 22 Uhr und am Sonntag von 12bis18Uhr in Hannover zu sehen, Helmkehof, Helmkestraße 5a.