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Kultur „Wir konnten gut von Musik leben“
Nachrichten Kultur „Wir konnten gut von Musik leben“
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14:43 13.12.2013
Poesie und Posen: Sänger Oliver Perau tritt heute im Capitol mit der Band Terry Hoax auf. Quelle: Archiv
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Hannover

Herr Perau, Sie stehen seit 25 Jahren als Sänger auf der Bühne und feiern das heute im Capitol. Können Sie sich noch an Ihr erstes Konzert erinnern?

Ja, das war zugleich der erste Auftritt von Terry Hoax. Wir waren die Vorband von Trashing Groove – der Band von Hachy und Marcus, die dann zwei Jahre später zu Terry Hoax dazustießen.

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Blitzstart in einer steilen Karriere?

Ich erinnere mich, dass ich das Konzert über weite Strecken mit dem Rücken zum Publikum gesungen habe. Für manche Lieder hatten wir noch nicht mal richtige Texte. Es waren eigene Songs mit einer Art Fantasie-Englisch. Wir hatten aber trotzdem schon 1989, also nach nur einem Jahr, einen Plattenvertrag. Dann jedoch mit richtigen Texten.

Was war das Schlimmste in 25 Bühnenjahren?

Wir haben Anfang der Neunziger mal in Düsseldorf auf einem Düster-Festival gespielt – mit den Krupps. Wir waren da völlig fehl am Platz.

Und das Beste?

Das Festival in Roskilde. Eine Band ist ausgefallen, und wir sind sehr spontan im großen Zelt eingesprungen. 15 000 Leute haben uns gefeiert, obwohl sie uns vorher noch nie gesehen hatten.

Welchen Beruf hätten Sie eigentlich gewählt, wenn’s mit der Musik nicht geklappt hätte?

Ich hab mit 18 eine Ausbildung als Versicherungskaufmann angefangen – und nach einem halben Jahr abgebrochen. Das war nichts für mich. Dann habe ich meinem Vater vorgeschlagen, dass ich Rockmusiker werde. Der hat erstaunlicher Weise grünes Licht gegeben. Da stand ich dann in der Pflicht, auch etwas draus zu machen.

Hat der Job Sie reich gemacht?

Wir hatten ja Anfang der Neunziger sehr viel Erfolg und konnten sehr gut von der Musik leben. Mit der Vernunft von heute wäre von dem Geld von damals vielleicht noch was da. Aber ich war nicht gerade ein Sparfuchs.

Sie rocken mit Terry Hoax und swingen als Juliano Rossi. Kürzlich haben Sie sich mit dem Polizeiorchester Niedersachsen im Theater am Aegi die Bühne geteilt, und Sie singen beim Projekt „Klang & Leben“ Schlager für Demenzkranke. Ist das noch Rock ’n’ Roll?

Das ist doch richtig Rock ’n’ Roll! Den einen Tag mit Terry Hoax in Stuttgart, den nächsten Tag in Schnerverdingen im Altersheim und dann als Juliano Rossi auf einer Gala in Hamburg. Es ist alles nur Musik.

Sie waren als Sänger auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs. Wie war’s?

Ich bin sechs Jahre, jeweils einmal im Jahr für drei Wochen mit einem Schiff gefahren. Das Reizvolle ist, dass es in meinem Fall das beste Kreuzfahrtschiff der Welt war. Dieses Jahr musste ich jedoch absagen, weil ich an Land zu viel zu tun hatte.

Schauen Sie mal 15 Jahre voraus. Was singen Sie dann?

15 Jahre? Dafür bin ich zu kurzsichtig. Ich denke immer nur bis zum nächsten Jahr. Kürzlich habe ich mit Lutz Krajenski (Pianist, begleitet Juliano-Rossi-Konzerte; d. Red) darüber gesprochen, dass wir beide am liebsten beim Musikmachen sterben würden. Aber das dauert hoffentlich noch etwas länger. Als Juliano Rossi kann ich mit Swing ja ganz würdevoll alt werden.

25 Jahre Terry Hoax

Das Jubiläumskonzert von Terry Hoax beginnt heute um 20 Uhr im Capitol (Einlass 19 Uhr). Es gibt noch wenige Restkarten an der Abendkasse (22,40 Euro).

Themenwechsel: Wer gewinnt die aktuelle Staffel von „The Voice of Germany“?

Tut mir leid, da bin ich raus. Ich war dieses Jahr zu viel unterwegs und habe das nicht mitgekriegt. Aber ich habe mir erzählen lassen, dass da einer mit Bart dabei sei - der wird es wohl machen.

Sie meinen Andreas Kümmert. Es ist aber nicht so, dass Sie sich vor Castingshows ekeln.

Nein, nein, dieses Format ist ja noch ganz okay.

Wenn Sie von Musik träumen,  ist das dann eher Terry-Hoax-Rock oder Juliano-Rossi-Swing?

Beides. Ist ja beides in mir, nahtlos. Ich singe beides, höre beides und mag beides. Ich muss da nicht den großen Schalter umlegen.

Interview: Volker Wiedersheim

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