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Kultur Opernstar Annette Dasch bei der Kammermusikgemeinde
Nachrichten Kultur Opernstar Annette Dasch bei der Kammermusikgemeinde
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12:49 13.02.2013
Von Stefan Arndt
Foto: Opernstar Annette Dasch ist am Mittwochabend bei der Kammermusikgemeinde zu sehen.
Opernstar Annette Dasch ist am Mittwochabend bei der Kammermusikgemeinde zu sehen. Quelle: Archiv
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Hannover

„Oft hat ein Seufzer, deiner Harf’ entflossen / ein süßer heiliger Akkord von dir / Den Himmel bessrer Zeiten / Mir erschlossen“ – lange hat man so etwas in Hannover nicht mehr gehört: den hohen Ton des deutschen Kunstliedes, wie ihn Adolf Friedrich von Schober für Franz Schuberts „An die Musik“ gepflegt hat. Doch bei Annette Dasch klingt das gar nicht mehr so biedermeierlich. „Wie auf einem Surfbrett“ könne man mit der Musik in andere Regionen gleiten, erklärt die Sopranistin beim Konzert der Kammermusikgemeinde im Sparkassenforum. Und wenn es doch einmal etwas unbequem wird, etwa nach einer Koloraturenkette in den „Seguidillas“ von Fernando Sor, kann man ja auch einfach mal Luft ablassen. Statt andächtig die letzten Töne verklingen zu lassen, prustet Dasch kräftig durch, als wolle sie sagen: Gerade noch einmal gut gegangen.

Tatsächlich ist sehr viel gut gegangen bei diesem ersten Liederabend seit Langem in der Stadt. Zwar feiert die Musikhochschule schon seit ein paar Jahren ihre Liederfeste, doch in den großen Klassikreihen der Stadt fehlte diese Gattung seit Jahren vollständig. Die Kammermusikgemeinde möchte da Abhilfe schaffen und startet nun mit einem Paukenschlag: Annette Dasch gehört zu den gefragtesten Sängerinnen auf den großen Bühnen in Wien, Salzburg und Bayreuth. Und auch im Fernsehen hat es ihre musikalische Talkshow vom Spartenprogramm des Theaterkanals zu arte geschafft. Die Berliner Sopranistin für den kleinen Rahmen eines Liederabends zu gewinnen, ist schon ein Coup für sich.

Ein Glücksgriff ist Annette Dasch aber nicht wegen ihres großen Namens und nicht einmal allein wegen ihrer Gesangskunst. Vor allem ist die Sängerin wunderbar unprätentiös. Dasch strahlt eine ungewöhnliche Mischung aus Grande Dame und Göre aus. Mit ihrer aufrechten Haltung, der strengen Frisur und dem stark geschminkten Gesicht könnte sie auch eine Operndiva aus den fünfziger Jahren sein. Zugleich wirkt sie moderner, frischer und ungezwungener als ihre meisten Kolleginnen.

Was für die äußere Erscheinung der Sängerin gilt, trifft erst recht auf ihre Stimme zu. Ihr offener, dunkel getönter Sopran ist in allen Registern so ausgeglichen, wie man es heute nur selten hört. Von tiefen Mezzoregionen bis in die Spitzentöne singt Dasch mit erlesen einheitlicher Klangfarbe. Ganz auf der Höhe der Zeit sind dabei die weitgespannten Melodiebögen, die sie nicht durch überdeutlich artikulierten Text zerstört.

Gemeinsam mit dem Gitarristen Björn Colell singt Annette Dasch so neben den frechen Miniaturen von Sor weitgehend unbekannte Lieder von Weber und dem Schubert-Zeitgenossen Mauro Giuliani. Vor diesem wohlklingenden Hintergrund leuchtet Schuberts Stern dann umso heller: Nach der Pause gibt es seine Lieder mit Justus Zeyen am Flügel. Am Ende großer Applaus, eine Zugabe zu dritt – und die Hoffnung auf viele weitere Liederabende in Hannover.

Am Mittwochabend um 20 Uhr spielt das Kuss Quartett bei der Kammermusikgemeinde im Beethovensaal (HCC); um 19 Uhr führt Geiger Oliver Wille in das Programm ein.

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