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Kultur Oratorienchor und Rufus Beck in der Markuskirche
Nachrichten Kultur Oratorienchor und Rufus Beck in der Markuskirche
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15:37 22.11.2010
Konzertabend in der Markuskirche: Der bekannte Schauspieler und Synchronsprecher Rufus Beck übernahm den Erzählpart von Arthur Honeggers Oratorium „Le roi David“.
Der bekannte Schauspieler und Synchronsprecher Rufus Beck übernahm den Erzählpart von Arthur Honeggers Oratorium „Le roi David“. Quelle: Christian Burkert
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Das eigentliche Glanzlicht des Abends war Arthur Honeggers Oratorium „Le roi David“. Den Erzählpart übernahm der bekannte Schauspieler und Synchronsprecher Rufus Beck.

Die Aufstellung des Chores verwirrt zu Beginn, denn es ist kein System zu erkennen. Doch kaum setzen die Stimmen zum Credo aus Strawinskys „Mass“ an, hört man den gewaltigen Effekt, der aus der Durchmischung von Frauen- und Männerstimmen resultiert: ein Raumklang, der zwar an manchen Stellen etwas verschwimmt, den Vergleich mit modernem Dolby-Surround-Klang aber nicht zu scheuen braucht.

Der Hannoversche Oratorienchor bewältigt Strawinsky ohne Angst. Bei ­seinem Konzert am 20. November in der Markuskirche bot er einen strahlenden Gesamteindruck. Gemeinsam mit Mitgliedern des Niedersächsischen Staatsopernorchesters interpretierten die Sänger unter der Leitung von Peter Francesco Marino Igor Strawinskys 1948 vollendete Messevertonung, die für rein liturgische Zwecke entstand, dann aber Eingang in Konzertprogramme fand.

Das eigentliche Glanzlicht des Abends war Arthur Honeggers Oratorium „Le roi David“. Den Erzählpart übernahm der bekannte Schauspieler und Synchronsprecher Rufus Beck. Dieser predigte gleichsam von der Kanzel herab. Melodramatisch legte er seine Stimme über das Orchester oder modulierte sie in die ätherischen Höhen des sterbenden David.

Beim Orchester entschied sich Peter Francesco Marino für die etwas krude, aber interessante Originalbesetzung des Werks, das Honegger 1921 für die 17 im Örtchen Mézières vorhandenen Instrumentalisten komponiert hatte. Dieser ­direkte, manchmal fast brachiale, von den Bläsern geführte Klang passt zur Unmittelbarkeit der biblischen Figur des König David, der Höhen und Tiefen durchlebt, fällt und wieder aufsteht. Trotz dieser Klangfülle musizierte das Orchester so ausgewogen, dass jedes Kontrabasspizzicato bis in die letzte Reihe hörbar war.

Aus dem durchweg soliden Solistentrio stach besonders der Tenor Clemens Löschmann hervor, der mit exakter Diktion und lyrischer Anmut in den Höhen brillierte. Strahlend, wenn auch bisweilen allzu dramatisch: Stephanie Henke (Sopran) sowie Mareike Morr (Mezzo­sopran), die ihre Koloraturen so leicht und klar führten, als stünde der Weihnachtsengel in Person vor dem Altar.

Und auch der Chor, und da wiederum besonders die Frauenstimmen, begeisterte: Mit den wiederkehrenden finalen „Hallelujas“ wehte ein wunderbarer Hauch von Weihnachten durch die gut gefüllten Stuhlreihen der Markuskirche. So beseelt startet man doch gerne in die anstehende Adventszeit!

Ulrike Eberle

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