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Kultur Oskar Negts Antwort auf Jürgen Habermas
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20:38 08.06.2012
Für ein gerechtes Europa: Der hannoversche Soziologe Oskar Negt. Quelle: Wilde
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Hannover

Wer heute über Europa nachdenkt, muss sich mit einem Problembündel auseinandersetzen, das sich durch eine entmutigende Vertracktheit auszeichnet. Da ist es anregend, dass Intellektuelle der älteren Generation mit eher knappen, essayistischen Schriften eine Schneise ins Problemdickicht schlagen – und eine Zukunftsperspektive wagen. Nach Jürgen Habermas, der im vergangenen Jahr einen Essay „Zur Verfassung Europas“ veröffentlichte, legt nun der hannoversche Soziologe Oskar Negt seinen „Gesellschaftsentwurf Europa“ vor. Nicht gerade ein Gegenbuch zu Habermas, aber doch eine Ergänzung, die bewusst andere Akzente setzt.

Negt diskutiert nicht die politischen Institutionen der Gemeinschaft, er stellt die Notwendigkeit einer sozialen Fundierung Europas heraus. Seine Ausgangsthese: Ohne Sozialstaat gibt es auch keine Demokratie. Bei zunehmender Unsicherheit für Millionen (die trotz immensen gesellschaftlichen Reichtums zunehme, wie Negt betont) wachse auch der „Angstrohstoff“ in einer Gesellschaft - das erleichtert das Geschäft der Propagandisten rechtsradikaler Lösungen, die Gewalt für effektiver erklären als die umständlichen demokratischen Vermittlungsprozeduren.

Der Soziologe beklagt dabei die Totalisierung der Marktgesetze, die eben nicht mehr nur den ökonomischen, sondern auch den politischen, kulturellen und sozialen Bereich durchdringen. Die Folge: Bindungen werden zerstört und Gewaltpotenziale vergrößert. Diese „kulturelle Erosionskrise“ sei gekennzeichnet durch gesellschaftliche Tendenzen wie Polarisierung, Flexibilisierung und Abkoppelung. Polarisiert werde zwischen Arm und Reich, zwischen Zentrum und verrottender Peripherie (Banlieues).

Mit der Flexibilisierung sei zwar ein Freiheitsversprechen verbunden, tatsächlich gehe es aber um die individuelle Anpassung an die Marktgesetze. Flexibilität sei aber nur sinnvoll und möglich, wenn Individuen über Urteilsfähigkeit und stabile Identität verfügten. Abgekoppelt von der Entwicklung würden in Europa ganze Volkswirtschaften, aber auch in einem reichen Land wie Deutschland die „Armee der dauerhaft Überflüssigen“.

Negt, der sich seit je praktisch und theoretisch mit Bildung auseinandergesetzt hat, sieht angesichts solcher Tendenzen die Notwendigkeit einer „Intensivierung der Aufklärung“. Für ihn ist Demokratie „die einzige staatlich verfasste Gesellschaftsordnung, die gelernt werden muss“. Der Soziologe ist für die Entwicklung eines öffentlichen Erwachsenenbildungswesens.

Angesichts der neuen gesellschaftlichen Probleme, dem Problem der Arbeitsgesellschaft oder den neuen Technologien, die neue ethische Fragen aufwerfen, reicht ein anwendungsorientiertes Wissen nicht aus. Entscheidend sei auch lebenslange politische Bildung, die allerdings der praktischen Erfahrungen mit gesellschaftlichen Aktivitäten bedarf. Es müssten darüber hinaus intellektuelle „Vorräte“ an Begriffen oder Methoden angelegt werden, damit in Krisensituationen rationale Orientierungshilfen zur Verfügung stünden. Bereitgestellt werden sie von der humanistischen und aufklärerischen Tradition. Negt selbst bedient sich daraus, wie seine Verweise auf Aristoteles über Kant, Hegel und andere belegen.

Dabei stellt er den Begriff der Würde, die nach Kant „keinen Preis hat“, den Tendenzen zur Ökonomisierung aller Lebensbereiche entgegen. Und er verweist auf Erfahrungen vergangener Widerstandstraditionen. Es brauche vor allem Erinnerungsfähigkeit. Deshalb ruft er auch die unterschiedlichen Europabilder und -ideen ins Gedächtnis. Hier sieht er die Quellen für ein Europamodell, das sich - um der Demokratie willen - der Leitnorm der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet weiß.

Oskar Negt: „Gesellschaftsentwurf Europa. Plädoyer für ein gerechtes Gemeinwesen“. Steidl/ifa. 120 Seiten, 14 Euro.

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