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Kultur Ostalgiker Uwe Steimle bezeichnet sich als Kleinbürger
Nachrichten Kultur Ostalgiker Uwe Steimle bezeichnet sich als Kleinbürger
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13:31 12.10.2012
Der Schauspieler und Autor Uwe Steimle stellte auf der Buchmesse in Frankfurt am Main sein Buch mit dem Titel „Meine Oma, Marx und Jesus Christus" vor. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

Aufgewachsen in einer Dresdner Arbeiterfamilie kam er von ganz unten. Heute ist er als sächselnder Kabarettist und Schauspieler einer der bekanntesten Ossis im Land. Jetzt hat Uwe Steimle die Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in einem Buch unter dem Titel „Meine Oma, Marx und Jesus Christus“ niedergeschrieben. „Meine Eltern hatten wenig Zeit, sich um mich zu kümmern, die waren mit dem Aufbau des Sozialismus beschäftigt“, witzelt er auf der Frankfurter Buchmesse - und findet es doch auch traurig, dass die „große Sache“ für die Eltern wichtiger war die eigenen Kinder.

Der Erfinder des Begriffs „Ostalgie“, den er sich sogar patentieren ließ, findet sich dabei völlig missverstanden. „Wir haben die DDR auf die Schippe genommen. Wir verklären nicht eine Minute“, sagte er zu seinem immer noch erfolgreichen „Ostalgie“-Programm auf der Bühne. Es müssten aber die berichten, die in der damaligen Diktatur gelebt hätten. Deshalb freut er sich, dass der kommende Woche anlaufende Film „Sushi in Suhl“ ganz ohne Stasi, Stacheldraht und SED-Unrechtsregime auskomme. Steimle spielt in der wahren Geschichte einen Koch, der zu DDR-Zeiten in der thüringischen Provinz mit seiner japanischen Küche für Aufsehen sorgte.

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Der immer noch in Dresden lebende Steimle findet nicht nur Deutsch die schönste Sprache der Welt. Er macht auch kein Hehl daraus, dass er sich mit dem Osten und den dort lebenden Menschen identifiziert. „Ich bin der größte Kleinbürger“, sagt er, für den Werte wie Heimat sehr wichtig seien. „Wenn Sie überhaupt noch einen Deutschen treffen wollen, dann müssen Sie in den Osten.“ Nur dort gebe es noch das „Unverstellte“ mit Grundtugenden wie Ehrlichkeit, Tiefe, Wärme, Mitgefühl oder Disziplin. Der Westen sei viel zu oberflächlich.

Auch im Buchmesse-Gedränge fühlt er sich sichtlich nicht wohl. Er freut sich jedoch, dass der Verlag von seinem Buch in fünf Wochen mehr als 6000 Exemplare abgesetzt hat. „Mit mir hat niemand gerechnet“, sagt er. Zweieinhalb Jahre hat er an seiner Biografie gearbeitet.

dpa

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