Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Ostrock-Band Silly bringt nach mehr als zehn Jahren neues Album heraus
Nachrichten Kultur Ostrock-Band Silly bringt nach mehr als zehn Jahren neues Album heraus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
11:09 08.12.2010
Von Kristian Teetz
Die Schauspielerin und Sängerin Anna Loos ist die neue Frontfrau der Ostrockgruppe Silly.
Anzeige

14 Jahre sind eine lange Zeit: 1996 regiert Helmut Kohl noch das Land, das Klonschaf Dolly wird geboren, Deutschland gewinnt die Fußball-Europameisterschaft – und das letzte Silly-Album erscheint. „Paradies“ heißt es, es soll nach „Hurensöhne“ (1993) den nächsten Schritt der Nachwendekarriere bedeuten. Doch was danach für die ostdeutsche Band folgt, gleicht mehr der Hölle.

Die Hölle, das war der Krebs. Innerhalb kürzester Zeit erlag die einst kraftvolle, charismatische Bandleaderin Tamara Danz der Erkrankung. Sie starb im Sommer 1996. Tamara Danz war Silly, und Silly war Tamara Danz. Durch sie und ihre Auftritte in vielen Talkshows der Nachwendejahre gewann die 1978 in Ost-Berlin gegründete Gruppe, die in der DDR mit Hits wie „Bataillon d’amour“ und „So ’ne kleine Frau“ berühmt geworden war, auch im Westen an Bekanntheit. Dann kam der Tod. Die Karriere im Nachwendeland war für Silly zu Ende, bevor sie richtig beginnen konnte.

Anzeige

Und jetzt beginnt sie ein zweites Mal. Denn mit „Alles Rot“ ist in diesem Jahr ein neues Silly-Album erschienen. Nach 14 Jahren. Vorbei die Auftritte bei „Ost-Rock-Konzerten“, vorbei der Blick zurück. Sie spielen wieder ihre eigenen Konzerte, seit zwei Wochen tourt Silly durch Deutschland – heute Abend spielen sie im Capitol. „Wir sind stolz auf unsere Vergangenheit, aber wir blicken jetzt nach vorn“, sagt der Gitarrist Uwe Hassbecker, der zehn Jahre lang auch privat der Partner von Tamara Danz war und sie kurz vor ihrem Tod noch heiratete. Hassbecker spielt genauso wie Keyboarder Ritchie Barton und Bassist Jäcki Reznicek schon seit Ewigkeiten in der Band: Hassbecker und Reznicek seit 1986, Barton bereits seit 1982.

Nun steht eine neue Sängerin am Mikrofon: Anna Loos. „Sie ist ein Glücksgriff für uns“, sagt Hassbecker. Die Schauspielerin sei kein Ersatz für Tamara Danz, keine Lückenfüllerin. „Das hätte Anna auch nie gemacht, dazu ist sie viel zu sehr sie selbst.“ Mit ihr wolle die Band nach vorn schauen. „Das ist jetzt unser Weg mit Anna.“ Dieser Weg könnte dazu führen, dass doch noch eine der vielen großartigen Ost-Bands den Erfolg im Westen schafft und sich als erste gesamtdeutsche Band etabliert. Zwanzig Jahre nach der deutschen Einheit. Ist das das Ziel? „Vielleicht ist da was dran“, sagt Hassbecker, der vor wenigen Wochen seinen 50. Geburtstag gefeiert hat. „Wir fühlen uns jedenfalls angekommen.“

Auch wenn mit Anna Loos ein neues Kapitel in der Bandgeschichte aufgeschlagen wird, Parallelen zu Tamara Danz, der kleinen Frau mit der großen Mähne, zeigen sich trotzdem. Wieder konzentrieren sich die Medien auf die Frontfrau, wieder scharen sich alle um die Schöne am Mikro, wieder stehen die anderen Bandmitglieder hinten an. „Das stört uns aber nicht“, sagt der Gitarrist Hassbecker. „Jeder weiß, welche Rolle er spielt.“ Doch, und auch das erinnert an früher, eine gefragte Frontfrau kann Türen öffnen. Die Türen der Fernsehsender, der Illustrierten, der Zeitungen. Hassbecker freut es: „Es hilft.“

In ihrem anderen Leben schauspielert Anna Loos, sie gab im „Tatort“ neben den Kommissaren Ballauf und Schenk die Sekretärin Lissy Pütz und spielte zuletzt in „Weißensee“. Und wer sie nun immer noch nicht kennt, dem hilft vielleicht das Attribut „Frau von Jan-Josef Liefers“ weiter. Die gebürtige Brandenburgerin stieß 2006 zur Band, das Projekt alte Band mit neuer Sängerin wuchs langsam: 2006 gemeinsame Auftritte bei den Konzertabenden „Silly & Gäste“, Tourneen, 2008 der Soundtrack für den Katharina-Thalbach-Film „Der Mond und andere Liebhaber“. Es sollte nichts übers Knie gebrochen werden. „Wir haben uns Zeit gelassen. Das war eine ganz bewusste Entscheidung, um Schwingung aufzunehmen“, meint Hassbecker.

Der Plan ging auf, das neue Album hat Schwung. Es ist rockig, hat aber auch klassische Elemente, E-Gitarre trifft auf Klavier, Wut auf Melancholie. Die Texte sind poetisch und politisch. Für die Worte haben Silly Werner Karma zurückgeholt, der viele Jahre, bis 1988, die Texte der Band verfasste, bevor sich Band und Songwriter im Unfrieden trennten. Dass Karma wieder Teil der Silly-Familie wurde, war die Idee von Anna Loos. Noch so eine Tür, die sie geöffnet hat.

„Ausgeschüttelt, abgestaubt. Meinem Engel neue Flügel angeschraubt“, heißt es in dem Lied „Erinnert“. Ein wenig Vergangenheit ist bei Silly immer noch dabei. Aber vor allem sehr viel Zukunft. Bereits im Januar beginnt die Arbeit am neuen Album. Es sollen nicht noch einmal 14 Jahre ins Land ziehen.

Wie aus John Lennon ein Beatle wurde: Der Kinofilm „Nowhere Boy“ zeigt Kindheit und Jugend des späteren Popstars. Kinostart ist am Mittwoch.

Uwe Janssen 07.12.2010

Weltstar und Gentleman: Der Schauspieler Maximilian Schell wird am Mittwoch 80 Jahre alt. Gern gesehener Gast in Fernsehshows und bei gesellschaftlichen Ereignissen ist der Charmeur mit der eindrucksvollen grausilbernen Mähne immer noch – vielleicht sogar mehr denn je.

Stefan Stosch 07.12.2010

Harry Potter hält weiter unangefochten die Spitze der deutschen Kinocharts. Mit 483.000 verkauften Tickets zwischen Donnerstag und Sonntag schraubte der junge Zauberer das Gesamtergebnis des Streifens „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1“ auf nun bereits 4,07 Millionen Zuschauer.

07.12.2010