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Kultur Ovationen im Stehen für Nana Mouskouri
Nachrichten Kultur Ovationen im Stehen für Nana Mouskouri
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06:15 16.04.2012
Von Stefan Arndt
Nana Mouskouri im Kuppelsaal. Steiner
Nana Mouskouri im Kuppelsaal. Quelle: Steiner
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Hannover

Sie hat noch gar keinen Ton gesungen, da erhebt sich das Publikum schon von den Stühlen, um ihr applaudierend seine Hochachtung zu zeigen. Nana Mouskouri betritt in dunkelviolettem Licht die Bühne. Sie trägt einen raffiniert geschlitzten schwarzen Rock und eine rote Bluse mit Glitzerapplikationen. Selbstverständlich trägt sie auch die Brille, die zu ihrem Markenzeichen geworden ist.

Nana Mouskouri weiß, woher die Liebe des Publikums rührt. „Alles begann mit einem Lied“, so sagt sie es selbst an diesem Abend im Kuppelsaal in Hannover. 50 Jahre ist es her, dass sie mit „Weiße Rosen aus Athen“ die Hitparade in Deutschland über Monate anführte. Mit diesem Lied beginnt sie ihren Auftritt. Vielleicht begann mit diesem Schlager auch die Liebe der Deutschen zu Griechenland. Vielleicht war es aber auch so, dass das Lied einfach hervorragend zu der schon entflammten Liebe passte.

Es war das Jahr 1961. Tausende griechische Gastarbeiter kamen damals nach Deutschland, deutsche Urlauber setzten sich im Gegenzug in ihre Autos, um die Strände Griechenlands zu erkunden. Nana Mouskouris Platte mit dem Rosenlied verkaufte sich in dieser Zeit in Deutschland wie verrückt. Und für Mouskouri begann eine Weltkarriere.

Knapp tausend Konzertbesucher sind am Donnerstagabend in den Kuppelsaal gekommen, um mit Nana Mouskouri auf ihrer kleinen Deutschlandtournee „50 Jahre weiße Rosen“ zu feiern. Sie wollen noch einmal - vielleicht ein letztes Mal - die Griechin mit dem schwarzen Haar und der markanten Brille live auf einer Bühne erleben. Es lässt sich nur vermuten, dass unter den Zuhörern einige sind, die sich damals auch auf die Reise nach Griechenland gemacht haben. In ihrer Begeisterung für Mouskouri schwingt viel Erinnerung an schöne Zeiten mit. Nostalgie, die sie darüber hinweghören lässt, dass Mouskouris Stimme im Alter an Volumen eingebüßt hat und brüchig geworden ist.

Die 77-jährige Sängerin weiß das und steht dazu. „Natürlich bin ich keine 25 mehr“, sagt sie. So hat Mouskouri weder Scheu vor einem Duett mit ihrer 41-jährigen Tochter Lénou („Sieben schwarze Rosen“) noch davor, ihr die Bühne hin und wieder ganz zu überlassen und sie vom Rand aus stolz zu betrachten.

Brüchig geworden ist aktuell auch die Liebe zwischen Deutschland und Griechenland. Doch verliert Mouskouri an diesem Abend kein Wort über Politik oder die griechische Staatsmisere. Dabei ist sie eine durchaus politische Frau. Bis 1999 saß Mouskouri fünf Jahre lang als Abgeordnete Griechenlands im Europaparlament. Doch statt über Politik zu reden, lässt sie ihr Publikum - Deutsche wie auch Griechen - gemeinsam singen und zu griechischen Volksliedern tanzen.

Mouskouri singt gut zwei Stunden lang. Sie singt „Try to remember“, das sie einst mit Harry Belafonte sang, das „Lied der Freiheit“, „La Provence“ und selbstverständlich „Guten Morgen, Sonnenschein“. Begleitet wird sie dabei von sechs Musikern an Schlagzeug, Mandoline, Klavier, Gitarre, Bass und am Saxofon.

Zum Ende des Abends schließt sich ein Kreis: Es gibt noch einmal das Lied vom Anfang. Nun erheben sich auch die letzten noch sitzenden Gäste von ihren Plätzen, um Nana Mouskouri noch einmal ihre Verehrung zu zeigen. Sie bekommt Rosen. Weiße natürlich.

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