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Kultur Passend zum Wetter: „Schneebücher“ zum Schmökern
Nachrichten Kultur Passend zum Wetter: „Schneebücher“ zum Schmökern
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10:22 19.12.2010
Quelle: dpa
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Bücherwürmer wissen es schon längst: Immer wenn es stürmt und schneit, dann ist - Lesezeit. Für einige wenige soll ja der Schnee selber das beste Buch der Welt sein und spannende Geschichten erzählen, doch dafür muss man schon Spuren lesen können. Die Mehrzahl wird zur Unterhaltung ganz konventionell auf bedruckte Seiten zurückgreifen. Und wer als Lektüre etwas Passendes zur weißen Pracht draußen sucht, hat bei Romanen die Wahl unter etlichen Schneetiteln.

Na klar, der Bestseller „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ (1992) von Peter Hoeg fällt da wohl fast jedem ein. Aber das ist schon eher Schnee von gestern. Wer kommt hingegen gleich auf „Grappas Gefühl für Schnee“? Mit Hochprozentigem oder Eiskristallen hat der Krimi von Gabriella Wollenhaupt nix zu tun. Umso mehr aber mit der Kommissarin Maria Grappa, die Kokspartys von Provinzpolitikern auf der Spur ist.

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Und - natürlich - „Schnee“, der Roman des türkischen Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk, eine literarische Kriminalgeschichte über den Konflikt zwischen Verwestlichung und Islamismus. Nicht zu verwechseln mit „Schnee“ von Maxence Fermine, im besten Sinn ein anrührender Schmöker über einen Shinto-Priester, der den Schnee liebt, aber einer Frau verfällt.

Ja, selbstverständlich auch: „Schnee, der auf Zedern fällt“, David Gutersons bewegender Roman über den Verlust der Jugend, zerbrochene Liebe, Hass und Verzeihen. Schon lange ein Teil der Weltliteratur: „Der Schneeleopard“ aus der Feder des kirgisischen Autors Tschingis Aitmatow. Mit dem Buch „Im Tal des Schneeleoparden“ von Steffanie Burow über die abenteuerfreudige Anna in Nepal gibt es da nicht die geringsten Parallelen.

Erich-Kästner-Fans kommen bei „Drei Männer im Schnee“ auf ihre Kosten. Der Autor liebte übrigens Schnee und Sonnenschein im Gebirge. Überliefert ist von ihm der Ausruf: „Ach, ist Schneeluft für das Herz gut!“ Bei dem großen Ernest Hemingway geht es in der bekannten Erzählung „Schnee auf dem Kilimandscharo“ hingegen um die ganz großen Themen Liebe und Tod.

Wer’s einfacher mag, sollte zu Rosamunde Pilchers „Ein Spaziergang im Schnee“ greifen. Oder dem bewegten Leben des Callboys Gabriel in „Kirschblüten im Schnee“ folgen, erdacht von Angelika Murasaki. „Pflaumenblüten im Schnee“ sind ebenfalls im Angebot - Liza Dalby ist damit eine lesenswerte Romanbiografie einer japanischen Hofdame gelungen.

Und was gibt es nicht alles in der weißen Pracht: „Die Braut im Schnee“ (Jan Seghers), „Die Tänzerin im Schnee“ (Daphne Kalotay), „Ein Engel im Schnee“ (Jamie Carie), „Der Junge, der im Schnee schlief“ (Henning Mankell) - und auch sie dürfen nicht fehlen, die „Elche im Schnee“ (Holger Wolandt). Noch nicht genug? Da wären noch: „Stille über dem Schnee“ (Anita Shreve), „Schnee im Frühling“ (Yukio Mishima), „Später Schnee“ (Martin Gülich), „Novemberschnee“ (Jürgen Banscherus), „Gold unter dem Schnee“ (Nicola Vanier), „Alle Farben des Schnees“ (Angelika Overath) oder auch „Ein Hauch von Schnee und Asche“ (Diana Gabaldon). Und so weiter, und so fort...

Ein literarisches Glanzstück zum Schluss: Das berühmte Kapitel „Schnee“ aus Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“. Der Schriftsteller schildert darin, wie Hans Castorp während eines Skiausflugs im Hochgebirge in einen lebensbedrohlichen Schneesturm gerät, erschöpft einschläft und im Traum die Gegensätze von Tod und Leben, Gesundheit und Krankheit, Geist und Natur erkennt. Sein Fazit: „Der Mensch soll um der Güte und Liebe willen dem Tode keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken.“ Große Literatur eben - herzerwärmend auch im kältesten Schneewinter.

dpa