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Kultur „Tolkien wäre überrascht“
Nachrichten Kultur „Tolkien wäre überrascht“
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00:15 15.12.2013
Von Stefan Stosch
Tête-à-Tête mit seinen Fantasyfiguren: Regisseur Peter Jackson (Mitte) gibt den Elben-Darstellern Lee Pace (Tranduil) und Evangeline Lilly (Tauriel) Anweisungen. Quelle: Warner Bros.
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Mr. Jackson, Sie sitzen hier barfuß im Hotel. Demonstrieren Sie so Ihre Nähe zu den Hobbits?
Ich liebe einfach das Gefühl von deutschen Hotelteppichen unter meinen Füßen. Nein, im Ernst: Ich mag keine Schuhe. Am Set trage ich sie, ja, aber sonst versuche ich sie zu vermeiden.

Sieht jedenfalls so aus, als hätten Sie die Hobbits noch nicht hinter sich gelassen.
Stimmt, bislang existiert nur eine Rohfassung vom abschließenden dritten Film. Das nächste Jahr werden mich die Hobbits noch beschäftigen.

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Wissen Sie schon jetzt, welches DVD-Bonusmaterial es geben wird?
Nein, das entscheide ich erst in der Postproduktion. Vorher geht das gar nicht. Man muss erst den gesamten Film vor sich sehen.

Besteht die Trilogie jetzt eigentlich aus drei einzelnen Film oder doch einem ganz langen?
Jeder Film kann für sich stehen. Gleichzeitig fügen sich alle drei Filme zu einer Gesamtgeschichte zusammen. Und letztlich sollen alle sechs Filme – also die „Herr der Ringe“-Trilogie inklusive – eine Einheit bilden. Wir versuchen, all diese Ziele unter einen Hut zu bringen.

Haben Sie einen Lieblingsfilm?
Nun lassen Sie mich doch erst mal alle sechs Filme zu Ende bringen. Okay, gern mag ich die „Die zwei Türme“, also den mittleren Teil der „Ringe“-Trilogie. Der Film dazwischen atmet immer eine spezielle Freiheit. Du kannst Dir ein bisschen Spaß erlauben. Eines kann ich aber schon sagen: Der dritte „Hobbit“-Film wird gewiss der emotionalste sein. Und die Zuschauer werden manches so nicht erwarten.

Im Mittelteil lässt sich aber kein Handlungsstrang zu Ende erzählen. Ist das nicht frustrierend?
Das Publikum weiß das ja. Wir haben mit den Zuschauern gewissermaßen einen Vertrag geschlossen. Das Schöne für den Regisseur dabei: Er muss nicht den Regeln gehorchen, denen ein einzelner Film unterliegt.

Bilbo Beutlin kehrt zurück auf die Leinwand. In Teil zwei der Hobbit-Saga „Smaugs Einöde“ dringen er und seine Mitreisenden zum Drachen im Einsamen Berg vor.

Wie kommen Sie mit den Fans klar, die Ihnen sehr genau auf die Finger schauen, ob Sie Tolkien gerecht werden?
Wir machen das jetzt ja schon eine ganze Weile. Anfangs haben wir eine Geheimhaltungspolitik betrieben. Dann sorgte ein Foto für Aufregung, das ein Fan heimlich geschossen hatte. Er handelte sich damit viel Ärger ein. Damals haben wir begriffen, dass es viel schöner ist, mit den Fans zu kooperieren. Wir haben diesen Fotografen eingeladen, sich anzuschauen, was wir tun.

Und das funktioniert?
Eine wirkliche Strategie verfolgen wir nicht, aber wir bestücken Blogs, in denen wir Szenen hinter den Kulissen freigeben. Dabei bin ich aber immer extrem vorsichtig: Wir dürfen nicht zu viel Material preisgeben, um keine Überraschungen vorwegzunehmen. Jedenfalls ist das Filmemachen kein mysteriöser Prozess mehr wie zu der Zeit, als ich jung war. Ob wir dadurch etwas von der Magie des Kinos verlieren? Ich habe wirklich keine Ahnung.

Lassen Sie uns zur wohl wichtigsten Persönlichkeit im aktuellen Film kommen: dem Drachen Smaug. Wie ist der entstanden?
Man kann natürlich versuchen, einen Drachen zu kreieren, der anders aussieht als alle anderen Drachen. Aber das ist verdammt schwer, es gibt so viele davon. Ich musste auch dauernd an Sean Connery denken, der im Fantasy-Film „Dragonheart“ den Drachen Draco spricht.

Zwerge, Elfen und Hobbits: Tolkien-Fans aus ganz Europa sind am Montag nach Berlin geeilt, um stundenlang auf die Europa-Premiere des neuen Hobbit-Kinofilms zu warten.

Und was folgte daraus?
Wenn die Zuschauer den Film verlassen, denken sie nicht darüber nach, wie viele Zähne das Viech hat oder wie groß es ist. Die Stimme bleibt hängen, der Charakter. Smaug ist clever, und er sollte unberechenbar sein, paranoid. Er lässt Bilbo so lange am Leben, wie es ihm in den Kram passt. Er hat ein paar Jahrhunderte darauf gewartet, dass jemand in seiner Höhle vorbeischaut. Er wusste, dass jemand kommen würde, um das Gold zu holen. Er erwartet aber eine Armee, und dann steht da ein kleiner Hobbit.

2001 kam der erste „Ringe“-Film ins Kino: Waren Sie in all der Zeit auch mal übersättigt von Typen mit falschen Bärten und zu großen Füßen?
Nach der ersten Trilogie hätte ich gewiss nicht gleich mit dem „Hobbit“ weitermachen wollen. Das wäre aber auch gar nicht möglich gewesen: Ich hatte nicht die Rechte. Und ich musste erst einen Zugang finden. Wir haben uns dem „Hobbit“ dann aus Perspektive der „Ringe“ genähert, die Tolkien erst viele Jahre später geschrieben hat. Wir haben also die Erweiterung seines Werkes miteinbezogen.

Was glauben Sie, wie Tolkien Ihre Verfilmung finden würde?
Schwer zu sagen. Ich bin sicher, dass er eine Menge Dinge nicht mögen und hoffentlich ebenso viele mögen würde. Jedenfalls hat er die Rechte noch selbst verkauft:  Er war mit einer Verfilmung also einverstanden – auch wenn er zu Lebzeiten keine mehr gesehen hat. Und er ging auch davon aus, dass seine Mythologie von Generation zu Generation ausgebaut würde. Das lässt sich in Briefen nachlesen. Eines aber ist klar: Er wäre sicher überrascht zu sehen, was technisch heute auf der Leinwand möglich ist.

Peter Jackson...

...erinnert immer mehr an einen Hobbit: Der Regisseur trägt auch bei offiziellen Auftritten gerne eine halblange Hose, keine Schuhe, und in der Hand hält er nach Möglichkeit eine große Tasse Tee. Diese Verwandlung hat womöglich gute Gründe: Der 52-jährige Neuseeländer verfilmt seit mehr als einem Jahrzehnt Geschichten aus dem Universum des britischen Schriftstellers und Sprachwissenschaftlers J. R. R. Tolkien, erst die „Herr der Ringe“-Trilogie, nun das Kinderbuch „Der Hobbit“ als Dreiteiler. Genauso gehen auf sein Konto aber auch Filme wie „Heavenly Creatures“ (1994) und „King Kong“ (2005). Heute startet der zweite Teil seiner „Hobbit“-Trilogie – in Hannover im Cinemaxx und im Utopia, in Garbsen im CineStar.

Interview: Stefan Stosch

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