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Kultur Peter Kraus im Theater am Aegi
Nachrichten Kultur Peter Kraus im Theater am Aegi
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18:34 04.05.2012
Von Stefan Arndt
Foto: Peter Kraus im Theater am Aegi.
Peter Kraus im Theater am Aegi. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Nach den ersten Nummern wendet sich Peter Kraus an sein Publikum: Für die nächsten zweieinhalb Stunden werde er es um zwanzig Jahre zurückversetzen. Das gelte aber nicht für Zwanzigjährige, denn Windeln seien keine vorrätig. Die Einschränkung war überflüssig, denn Zwanzigjährige waren im nahezu ausverkauften Theater am Aegi nicht auszumachen. Es dominierten ältere Damen und Herren, die zusammen mit Kraus auf Zeitreise gehen wollten. Und diese führte auch nicht bloß zwanzig Jahre zurück, sondern teilweise mehr als fünfzig.

Auf der Bühne und im Saal wurde mit dem Alter kokettiert. Wo hänge, fragte Peter Kraus, ein Porträt von ihm aus der „Bravo“? Bei Oma in der Stube! Dieser Ton kam gut an. Wenn das Alter so beschworen wird, wird es gleichzeitig gebannt. Und der Auftritt von Peter Kraus konnte schon Mut machen: Er hat sich mit seinen 73 Jahren verdammt gut gehalten, vom Aussehen und der Gelenkigkeit her. Er hat noch die Kraft, in einem Vierteljahr eine Tournee durch vierzig Städte zu absolvieren. So hoch wie einst springt er zwar nicht mehr, aber Temperament und Schwung hat er noch immer, und den berühmten Hüftschwung hat er auch nicht verlernt.

Kraus steht nicht allein auf der Bühne. Mit von der Partie sind Sohn Mike als Vater-Interpret, aber auch mit dem eigenen Song „Mein Kosmos brennt“, der österreichische Rock ’n’ Roller Andy Lee Lang unter anderem als Elvis-Presley-Imitator, die Sängerin Barbara Endl sowie die Gruppen Sugarbabies und Moonlight Dancers. Alle zusammen präsentieren sich in der Revue „Für immer in Jeans“, die, fernab von heutigen Licht- und Technogewittern, in ihrer Machart an Fernsehshows vergangener Tage erinnert. Und die immer wieder nachzeichnet, wie Peter Kraus’ Karriere verlaufen ist.

Denn „Für immer in Jeans“, das stimmt nicht so ganz. So hat Kraus angefangen, als Rock-’n’-Roll-Sänger in den fünfziger Jahren, als deutscher Elvis-Presley-Verschnitt, in einer Zeit also, als Rock wie Jeans als Ausdruck eines Protestes galten, mit dem man Eltern wie Lehrer auf die Palme bringen konnte. Aber so wie Elvis Presley sich später zum Schmusesänger wandelte, so ging es auch mit Kraus. Einen kennzeichnenden Stil hat er dann nicht mehr gefunden. Und so war vornehmlich Nostalgie angesagt: „Tutti Frutti“, „Wenn Teenager träumen“, „Sugar Baby“, „Tiger“ oder „Hula Baby“.

Das Publikum im Aegi war von der Altersstruktur her mit dem im Staatstheater vergleichbar. Nur geht es dort im Saal nicht so munter zu: Leute, denen man es vom Äußeren her nicht zutrauen würde, wippten mit, spitzten die Lippen zum lautlosen Mitsingen und brachen immer wieder in Jubel aus. Sie waren eben nicht bloß zu einer Musikrevue gekommen. Sondern auch zu einer Begegnung mit der eigenen Jugend.

Uwe Janssen 04.05.2012
Ronald Meyer-Arlt 07.05.2012