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Kultur Peter Kraus im Theater am Aegi
Nachrichten Kultur Peter Kraus im Theater am Aegi
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00:18 27.03.2018
Peter Kraus
Peter Kraus Quelle: van der Voorden
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Hannover

 Auf einem Monitor im Foyer des Theater am Aegi wird „Elvis – Das Musical“ angekündigt. Die Veranstaltung fügt sich nahtlos ein in Dutzende von Tribute-Shows, in denen vergangene Jahrzehnte musikalisch beschworen werden: Die Beatles, Abba, Falco, Queen, Woodstock – wer dabei auf der Bühne steht ist unwesentlich, was zählt ist die Musik. Auf den ersten Blick passt dazu auch das Programm „Schön war die Zeit! – Die Kulthits der wilden 50er & 60er“. Ein begabter Sänger und seine hervorragende Band hauchen der Musik der Wirtschaftswunderzeit Leben ein. Allerdings ist Peter Kraus gerade 79 Jahre alt geworden und war seit spätestens 1956 treibende Kraft dieser Musik im deutschsprachigen Raum.

Die Zeitreise-Revue ist bereits die vierte Verlängerung seiner Abschiedstournee. Er macht erst gar kein Geheimnis daraus. Zu gut habe ihm eben die Idee gefallen, die Hits der „geschätzten Kollegen von damals“ zu spielen und so den Geist zweier Jahrzehnte auf die Bühne bringen. Also verließ der Pensionär sein Weingut in der Steiermark erneut. In Hannover arbeitet er vor ausverkauftem Haus an den Erinnerungen. „Heartbreak Hotel“ von Elvis Presley war das erste Lied, mit dem er auftrat. „Tutti Frutti“ von Little Richard das erste, das er als Single veröffentlichte. „Rock’n’Roll hat uns verrückt gemacht“, heißt es in dessen deutschem Text. Und genau dieses wilde, aus den USA importierte, Lebensgefühl habe seine frühe Karriere geprägt, so Kraus.

 Er erinnert an Zeiten, in denen er sich auch als deutschsprachiger Rock’n’Roller wie ein Rebell gefühlt habe: „Die Eltern hatten Angst, diese Musik könnte ihre Kinder verderben.“ Viel später habe ihm einmal eine alte Dame gestanden: „Sie und der Presley haben ja so schöne Lieder gesungen, ich habe wohl meine Tochter damals zu Unrecht geohrfeigt.“ Zwar überlässt es Kraus seinem großartigen Gitarristen André Tolba, zu Chuck Berrys „Roll Over Beethoven“ stilecht auf einem Bein über die Bühne zu hüpfen. Dennoch gibt sich der knapp Achtzigjährige fast alterslos frisch. Die Stimme ist in bester Form, der alte Schmelz noch in der richtigen Konsistenz und der Schalk ungebrochen.

Auch um seinen Hüftschwung würde Kraus wohl mancher deutlich jüngere Mann beneiden. Seine gut aufgelegte, achtköpfige Band versorgt ihn dabei mit beeindruckender Energie. Doch natürlich steht Kraus nicht nur für seine Bemühungen um den Rock’n’Roll. „Die Mädels wollen von dir eingelullt werden“, habe sein Produzent ihm geraten. Also sang der wilde Kerl eben Schlager. Bei Hits wie „Wenn Teenager träumen“ sind aus dem Publikum noch heute entzückte Laute des Wiedererkennens zu vernehmen. Kraus demonstriert mit „Love Me Tender“ von Elvis Presley, wie „das Einlullen“ einerseits in den US-Rock’n’Roll einzog. Er macht aber auch nachvollziehbar, wie selbst der deutsche Schlager im Gegenzug mit Schwung angereichert wurde.

 Vico Torrianis „Sieben Mal in der Woche“ verpasst die Band als Intro einige Takte aus Bill Haleys „Shake Rattle And Roll“. Nach „Sugar Baby“ übergibt eine alte Dame ihrem Star am Bühnenrand einen Strauß tiefrote Rosen. Kraus plaudert kurz mit ihr und verrät, sie sei 94 Jahre alt. Bis zu den Zugaben bleibt sie vor der Bühne und tanzt auch zu Elvis Presleys „Jailhouse Rock“ agil mit. Rock’n’Roll scheint eindeutig jung zu halten.

 Am Sonntag, 6. Mai, um 19 Uhr gastiert im Theater am Aegi die Show „Elvis – Das Musical“.

Von Thomas Kaestle