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Kultur Wie einst im Mai
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00:15 22.10.2014
Schuld war nur der Bossa Nova: Peter Kraus in der Swiss Life Hall.  Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Die Stadionsporthalle nennt sich heute vornehm Swiss-Life-Hall, doch geändert hat sich dadurch kaum etwas: abgelatschtes Linoleum, altertümliche Toiletten, harte und unbequeme Sitze. So wie es früher einmal war. Doch irgendwie passte dieses Ambiente zum Auftritt von Peter Kraus auf seiner „Abschiedstournee“. Denn auch hier ging es kräftig zurück in die Vergangenheit, für den Interpreten, mittlerweile 75, und sein zumeist angejahrtes Publikum, das ersichtlich in nostalgischer Erinnerung an die eigene Jugend schwelgte. Und so kokettierte man denn auch mit dem Alter, oben auf der Bühne und unten im Saal.

Peter Kraus hat sich wahrlich gut gehalten. In die Luft springt er zwar nicht mehr wie noch im Frühling vor zwei Jahren im Theater am Aegi, aber der berühmte Hüftschwung klappt noch immer, Temperament und Schwung sind ihm geblieben. Und dass er sich eine Tournee zumutet, die, wie er deutlich durchblicken ließ, wohl keinesfalls wirklich den Abschied bedeutet und ihn zuerst einmal bis Ende November fast Tag für Tag in eine andere Stadt führen wird, nötigt schon einmal Respekt ab.

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Peter Kraus bei seiner Abschiedstour in der Swiss Life Hall.

Neues durfte man von Peter Kraus nicht erwarten, und das hätte sein Publikum auch nicht gewollt. Die Zielrichtung gab er an, als er auf eine ihm oft gestellte Frage, wie es denn sei, immer wieder die gleichen Hits zu singen, die Antwort „wunderbar“ gegeben haben will. Also ab in die fünfziger Jahre. Über der Bühne thronte eine Leinwand, getarnt als urtümlicher Fernsehapparat mit seinen abgerundeten Bildschirmecken. Am Anfang sah man auf ihm das alte Testbild, zu den einzelnen Songs dann Clips aus den mehr als dreißg (heute zu Recht vergessenen) Peter-Kraus-Filmen, und in der Pause lief dort Robert Lemkes heiteres Beruferatespiel „Was bin ich?“. Prominenter Ratefall: Peter Kraus.

Höhepunkte des Abends waren natürlich die Erinnerungen an die Zeit, als Peter Kraus als deutscher Elvis Presley aufgetreten ist. („Dieser Amerikaner, wie hieß er doch gleich, hat meine Songs gecovert.“) Das war jene Zeit, als Rock als Protest der Jugend gegen die Elterngeneration galt. Später wurde es bei Peter Kraus, wie auch bei Elvis Presley, dann kuscheliger: „Schuld war nur der Bossa Nova“, „Alle Mädchen wollen küssen“, „Sugar Baby“ oder „Schwarze Rose Rosemarie“. Alles so wie einst im Mai. Und dass dies auch so bleiben soll, machte Peter Kraus ironisch mit einer „Seniorenversion“ von „Tiger“ deutlich.Getragener Einklang, aber dann ging die Post ab.

Na bitte, geht doch noch.     

Ekkehard Böhm

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