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Kultur Peter Maffay mit Philharmonic Volkswagen Orchestra auf Tournee
Nachrichten Kultur Peter Maffay mit Philharmonic Volkswagen Orchestra auf Tournee
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20:24 03.11.2010
Von Uwe Janssen
Peter Maffay feiert 40 Jahre Maffay auf der Bühne. Quelle: dpa
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Im Sommer war Peter Maffay am Wörthersee. In der beschaulichen Kärntner Idylle versammeln sich einmal im Jahr die Tuning-Freunde beim GTI-Treffen, und Maffay spielte für die Schrauberszene ein paar tiefergelegte Rocksongs. Danach, berichteten die örtlichen und auch die Fachmedien, habe er am VW-Stand den neuen Pick-up-Truck ­Amarok „entdeckt“, sogleich „spontan“ ein paar Runden gedreht und sich sehr angetan gezeigt. Rockmusik und PS, das passte immer schon. Früher waren es ­Motorräder, heute sind es eben Autos mit Ladefläche. Auch die Scorpions legen sich für das neue VW-Modell ins Zeug und hauten Anfang des Jahres bei der öffentlichen Präsentation des Autos in Argentinien kräftig in die Saiten.

Maffay, der kürzlich auch bei der Nutzfahrzeugmesse in Hannover auf den Pick-up kletterte, nimmt den Autohersteller nun mit auf seine Konzertreise. VW ist Tourneesponsor, und beim Auftakt seiner „Tattoos“-Show in der O2-Arena in Hamburg praktiziert Maffay Product Placement im Wortsinne und platziert das Produkt direkt auf der Bühne. Das 30-köpfige Philharmonic Volkswagen Orchestra hat sich hinter der Band auf einem zweigeschossigen Gerüst aufgebaut. Als der Sänger das Ensemble den 16.000 Besuchern in der ausverkauften Großhalle vorstellt, kokettiert er ein bisschen damit, dass er sich den Namen beim besten Willen nicht richtig merken kann – und bringt ihn in einer Minute ein halbes Dutzend Mal unter. Das Orchester hinten unterstützt die Rockband vorn, doch gegen Gitarren und Schlagzeug haben Geigen und Harfe oft einen schweren Stand. Nur einmal, beim Song „Ewig“, ist Maffay mit dem Klangkörper ganz allein. Doch auch wenn man sie nicht immer hört, bleiben die Volkswagen-Philharmoniker den ganzen Abend auf der Bühne präsent und wirken dabei als imposante optische Kulisse. Und wer im Saal lieber fliegt als fährt, kann sich an die „Air Berlin“-Damen mit den adretten dunkelblauen Kostümen und den roten Kappen wenden.

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Wenn sich Rockmusiker dafür hergeben, dass sich Unternehmen mit ihrem coolen Namen mit einer coolen Note schmücken, hat das in der Fanszene immer noch den schalen Beigeschmack des Erfüllungsgehilfentums oder des Sichkaufenlassens. Der Vorwurf galt vor allem in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts weniger für die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen, damals rümpfte der Musikfreund eher die Nase, wenn sich Musiker vor den Karren politischer Parteien im Wahlkampf spannen ließen. Maffay hat immer wieder für die SPD gesungen, noch im vergangenen Jahr trat er singend für und talkend mit dem wahlkämpfenden Sigmar Gabriel in Salzgitter auf.

Längst haben Firmen, besonders solche, die Autos anbieten, die verkaufsfördernde Wirkung von Rock- und Popstars entdeckt. Lange bevor Shakira für das „Auto emoción“ von Seat warb oder die Fantastischen Vier für Toyota, benannte Volkswagen Golf-Editionen nach den Rockdinosauriern Genesis, Pink Floyd und Bon Jovi und mischte mittels seines Förderprojektes „Sound Foundation“ auch selbst im Musikgeschäft mit.

Maffay, der nicht nur seines Tattoo-Mottos wegen als ehrliche Haut der deutschen Rockszene gilt, hat einen Weg gefunden, sein Image mit den offensichtlichen Werbeaktivitäten zu verbinden. Er erklärt es auch gern selbst. Der 61-Jährige, dessen Ansagen zwischen den Songs von Tournee zu Tournee immer länger werden, schafft es, sich auch einer 16.000-köpfigen Zuhörerschaft glaubhaft als Überzeugungstäter darzustellen. Im Gespräch sowieso. Der Kontrollfreak hat alles im Blick, er trifft alle Entscheidungen, er führt so konzentriert durch seine Pressekonferenzen, wie er als Conférencier durch seine Konzerte führt.

Maffay arbeitet auch mit der TUI zusammen, die seine Kinderstiftung unterstützt, indem sie durch Krieg und Missbrauch traumatisierte Kinder zwischen deutschen und mallorquinischen Feriencamps hin- und herfliegt. Von Air Berlin lässt Maffay sein Projekt „Begegnungen“ fördern, das israelische und palästinensische Jugendliche zusammenbringt.

Dafür pflegt Maffay, der während der Tournee einen Hybrid-Touareg spazieren fährt, seine Partner auch angemessen. In Hamburg ist sein Arbeitstag nach der dreistündigen, frenetisch gefeierten Rockshow noch längst nicht zu Ende. Bei der Aftershowparty stellt er geladenen Gästen und Journalisten höchstselbst noch einmal die Band vor und vergisst auch die Sponsoren nicht. Und die geben sich bei der Gelegenheit mal ganz Rock ’n’ Roll. Als VW-Marketingleiter Matthias Becker für ein paar Grußworte ins Scheinwerferlicht tritt, begrüßt er die häppchenessenden Anwesenden wie ein Popstar: „Hallo Hamburg!“

In Hannover gastiert Maffay mit Band und Orchester am 13. November und noch einmal am 24. Mai 2011. Tickets: (05 11) 44 40 66.

Stefan Stosch 03.11.2010
Marina Kormbaki 03.11.2010
Simon Benne 03.11.2010