Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Einer für Alles
Nachrichten Kultur Einer für Alles
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 13.02.2015
Anzeige
Hannover

Früher hing in der Tui-Arena ein großer Würfel, auf dem die Ergebnisse von Eishockey- oder Handballspielen angezeigt wurden. Das Problem an dem Ding: Bei Peter-Maffay-Konzerten konnte man vom hinteren Oberrang Peter Maffay nicht sehen. Nun ist der Würfel weg. Man sieht Peter Maffay von überall. Das ist schön für alle 11.000 Menschen in der bis unters Dach gefüllten Halle. Aber man sieht ihn sowieso von überall. Denn der Peter – hier sind wie immer alle total per du – hat sich in Sachen Bühne richtig ins Zeug gelegt. Die mitgebrachten Videowände machen auch für Freunde – hier sind wie immer alle Freunde – neben der Bühne alles sicht- und hörbar.

„Es ist Zeit für Rock’n‘Roll“ sagt Peter Maffay kurz vor dem Start seiner bundesweiten „Wenn das so ist“-Tournee. Peter Maffay und seine Band präsentieren den Fans ein über zweistündiges Rockkonzert mit Songs aus dem Nummer 1 Album „Wenn das so ist“, die großen musikalischen Meilensteine der über 40jährigen Karriere des Künstlers sowie ganz persönliche Songs in neuen Arrangements.

Mit dem langen Rundparcours durch das Publikum hängt er sogar Lady Gaga ab, und das hätte vor allem Lady Gaga nie gedacht. Der Laufsteg formt passenderweise ein Plektrum, ein Gitarrenblättchen, darauf können sich der Sänger und seine Musiker bewegen, laufend, joggend, posend. Mick Jagger hätte seine Freude. Die Lauffläche ist gleichzeitig Spielwiese für den Videojockey, und der gibt den Akteuren abwechselnd Bilder, Filme oder bunt-psychedelische Atmo-Farben unter die Sohlen. Optisch hat Maffay nicht vorgelegt, sondern sich der Größe angepasst, die der Publikums­ansturm auf seine Konzerte mittlerweile erfordert. Dafür ist ihm keine PR-Aktion zu schade, aber jemanden mit Mitte sechzig in der Blüte seiner Karriere zu erleben, verdient Respekt.

Peter erzählt auch gern mal was

Musikalisch macht es Maffay zunächst, wie es Rocker eben machen. Neue Platte ausführlich vorstellen, und dann langsam in den gemütlichen Teil einschwenken. Einen Moment hält die Halle dann doch inne: „Bis zum Schluss“ widmet Maffay nicht nur seinem Konzertmentor Fritz Rau, sondern auch dessen ebenfalls verstorbenen hannoverschen Veranstalterkollegen Wolfgang Besemer und erntet bei der Ansage einen langen, warmen Applaus.
Vieles ist lang an diesem Abend. Zum Beispiel der Wortanteil. Maffay-Freunde wissen, dass der Peter auch gern mal was erzählt. Aber diesmal holt er zum moralischen Die-Welt-ist-schlimm-Rundumschlag aus: von Pegida über IS bis zur Ukraine und Afrika, dafür erntet er mehr pflichtgemäßen Applaus als Jubel, und irgendwann ist man dann auch froh, dass wieder Musik kommt. Das Titelstück der aktuellen CD, „Wenn das so ist“, singen dann auf Wunsch des Sängers alle im Stehen. Beim Song „Halleluja“ prangt „Je suis Charlie“ von den Leinwänden.

Der Nostalgieteil des dreistündigen Konzerts besteht diesmal aus inspirierenden Cover-Versionen, Beatles („Here comes the Sun“), Stones („Angie“), Neil Young („Heart of Gold“) und, tatsächlich, „Love me tender“ – ein bisschen Radio21 im Maffay-Sound. Hier darf dann auch der Bandfriese Carl Carlton seine notorisch unterschätzte Schmirgelstimme erheben. Und „My Sharona“ aus den seligen Endsiebzigern ist in Maffays Retro-Universum schon was für Späteinsteiger.
Und bevor andere Maffay-Klassiker singen, tut er es selbst: „Josie“ und „Eiszeit“ - passend zur Jahreszeit.

Von Uwe Janssen

Kultur Comeback eines Klassikers - Moog legt Synthesizer von 1973 neu auf
Volker Wiedersheim 12.02.2015
Stefan Knopf 09.02.2015