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22:26 06.01.2014
Von Stefan Arndt
Foto: Mit Luft und Ziel: William Youn.
Mit Luft und Ziel: William Youn. Quelle: dpa
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Hannover

Auf den ersten Blick lässt sich eine einfachere Musik kaum vorstellen: Mozarts Es-Dur-Sonate KV 282, die der Komponist gerade einmal 19-jährig in München geschrieben hat, beginnt mit einer langsamen Einleitung aus wenigen, sparsam gesetzten Akkorden, der eine volkstümliche Melodie über einer schlichten, fast stereotypen Begleitung folgt. Es ist eigentlich kein Stück, mit dem ein junger Virtuose sich seinem Publikum vorstellt. Und doch steht die Sonate am Beginn eines groß angelegten Aufnahmeprojektes, mit dem der koreanische Pianist William Youn sich nun ein neues Publikum erobern will.

Der 31-Jährige wird in den kommenden Jahren sämtliche Klaviersonaten Mozarts bei Oehms Classics einspielen. So möchte er seine Karriere, die in Amerika und Asien bereits Fahrt aufgenommen hat, auch in Europa fortsetzen. Youn lebt zurzeit in München, was allerdings nicht sein erster Deutschlandaufenthalt ist. Als 18-Jähriger kam er zum Studieren nach Hannover. An der Musikhochschule waren dort zunächst Karl-Heinz Kämmerling und nach dessen Tod Bernd Goetzke seine Lehrer. Bei ihnen mag Youn das außergewöhnlich konzentrierte Spiel gelernt haben, das nun seiner Version der Mozart-Sonate zugute kommt. Vom ersten Akkord an macht Youn klar, dass diese Musik einfach, aber nicht einfältig ist.

Als seine „schweren Sonaten“ hat Mozart selbst die Stücke bezeichnet, die er im Jahr der Es-Dur-Sonate komponiert hat. In ihnen zeigt sich erstmals vollkommen klar der typische Mozart-Ton, der mit wenigen Noten und ohne oberflächlichen Effekt erstaunliche Emotionen ausdrücken kann. Doch gerade die Präzision der musikalischen Sprache macht die Stücke anfällig. Eine nachlässige Phrasierung, ein schlecht ausbalancierter Akkord können hier viel zunichte machen. Youn jedoch entgeht allen Versuchungen, bei besonders schönen Stellen das Tempo zu dehnen oder über vermeintlich Unwichtiges hinwegzueilen. Bei ihm haben alle Phrasen Luft und Ziel, dazu kommt eine wunderbare Anschlagtechnik, die den Klang bei allen Differenzierungsmöglichkeiten immer brillant erscheinen lässt und durchaus ein wenig an den großen Mozart-Pianisten Friedrich Gulda erinnert.

Als entdeckenswerter Pianist ist Youn eine Idealbesetzung auch für die Chopin Gesellschaft Hannover, deren diesjährige Saison der Koreaner mit einem Konzert am 24. Januar um 19 Uhr bei Solvay (Freundallee 9a) natürlich auch mit Werken von Mozart eröffnet. In acht Veranstaltungen übt sich die Gesellschaft darin, die Stars von morgen zu präsentieren, was tatsächlich mit erstaunlicher Regelmäßigkeit gelingt. In diesem Jahr steht dabei in einem Konzert erstmals nicht ein einzelner Pianist, sondern ein Pädagoge im Mittelpunkt. Am 18. Oktober präsentiert Youns ehemaliger Lehrer Bernd Goetzke seine aktuelle Klavierklasse. „Von fremden Ländern und Menschen“ ist der Abend mit einem Stücktitel von Robert Schumann überschrieben, der hier wörtlich zu verstehen ist: Die jungen Pianisten kommen aus sechs verschiedenen Ländern und spielen Werke von Komponisten ihrer Heimat.

David Theodor Schmidt, Jahrgang 1982, ist wohl der in Deutschland bereits arrivierteste Künstler im diesjährigen Programm. Sein Konzert am 29. November mit Werken polnischer Komponisten wird einen Tag später zugunsten der HAZ-Weihnachtshilfe wiederholt. Die Chinesin Boyang Shi, die am 9. Mai auftritt, ist zumindest an ihrem Studienort Hannover schon bekannt: Sie hat im vergangenen Jahr den 14. Internationalen Klavierwettbewerb der Chopin Gesellschaft gewonnen. Auch das Jubiläum der 300-jährigen Personalunion zwischen Hannover und England wird im Programm bedacht:  Am 16. März spielt der junge Engländer Benjamin Grosvenor im britischen Konsulat, und das Open-Air-Konzert im Georgengarten am 7. September steht unter britischen Vorzeichen. Weitere Konzerte geben der vielfach ausgezeichnete Franzose Francois Dumont (16. Februar) und der amerikanische ARD-Preisträger Ben Kim (6. Juli).

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