Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Rest-of
Nachrichten Kultur Rest-of
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:06 08.07.2014
Von Uwe Janssen
Reanimator: David Gilmour.
Reanimator: David Gilmour. Quelle: dpa
Anzeige

Es gibt immer noch Leute, die hoffen auf eine Reunion von Abba. Oder Supertramp. Ebenso viele Leute hoffen seit dem Tod John Lennons auf keine Reunion der Rest-Beatles. Und bei Pink Floyd war spätestens seit dem Tod von Keyboarder Rick Wright klar: Das war es jetzt endgültig, die Alphatiere der Band, Roger Waters und David Gilmour, waren zerstritten, und mit der Australian Pink Floyd Show hatten die Fans eine amtliche Ersatzdroge für ihre nostalgischen Hungerschübe.

Doch nun das: Schon in diesem Oktober soll es ein neues Pink-Floyd-Album geben. Der wahrscheinliche Titel „The Endless River“. Gilmours Frau Polly Samson hatte die Nachricht auf eher beiläufige „Ach, übrigens ...“-Art per Twitter in die Welt gesetzt und dazu etwas kryptisch von „Wrights Schwanengesang“ angedeutet. Wichtigstes Detail: Waters ist nicht dabei. Die Songs stammen aus Sessions des 1994er-Albums „The Division Bell“, dem zweiten und bis heute letzten Studioalbum nach Waters Ausstieg. Fast 70 Songs waren damals entstanden, nur ein Dutzend hatte es auf das Album geschafft. Nun sind einige der ausgemusterten Songs von Gilmour und Schlagzeuger Nick Mason überarbeitet worden. Man weiß nicht genau, ob man sich freuen oder fürchten soll.

Die Frage wird sein: Sorgt ein solches Album mit vor 20 Jahren aussortierten Liedern noch in irgendeiner Form für kreative Bewegung oder muss man erst den Staub von der CD pusten, bevor man sie hört? Ist es vielleicht sogar näher an Michael Jacksons musikalischer Nachlassverwaltung als an einem ernstzunehmenden Neustart, der das Prädikat Comeback verdient? Eine Tournee soll es nach dem bisherigen Stand der Dinge jedenfalls nicht geben. Dass die Kassen klingeln werden, dürfte hingegen keine gewagte Prognose sein.

Fest steht: „The Division Bell“, das letzte reguläre Studiowerk der Band, ist der klarste Ausweis, dass Pink Floyd ohne Roger Waters eine Rockband mit einem einzigartigen und sofort wiedererkennbaren Gitarrenton ist, aber nichts mehr mit dem Kunstrock der sechziger, dem innovativen audiovisuellen Bombast der siebziger oder dem biografisch-düsteren Waters-Werk „The Wall“ Anfang der Achtziger zu tun hat.

Waters selbst hatte „The Division Bell“ nach dessen Erscheinen genüsslich niedergemacht. Kein Wunder, hatte er sich doch mit Gilmour schon seit den „Wall“-Zeiten nur noch über Anwälte unterhalten. Gilmour, der mit dem 2008 an einem Krebsleiden verstorbenen Wright und Schlagzeuger Nick Mason weitermachte, war keine Rampensau, sondern ein gelegentlich singender Gitarrist in einer großen Band, der nun aufgerückt war.

Er pflegte weiterhin den Bombast in effektreichen Stadionshows, befreite Pink Floyd aber notgedrungen von aller Theatralik. Vielen seiner Songs haftete etwas Banales an, weil für das Überraschende, Außergewöhnliche und Schräge immer der egozentrische Waters zuständig gewesen war. Immerhin war es kommerziell extrem erfolgreich. Es stand ja Pink Floyd drauf.
Wie jetzt auch.

Kultur Kommentator der deutschen Geschichte - Der Vorwärtsgewandte
Daniel Alexander Schacht 09.07.2014
Kultur Musikgeschichte Hannover - Töne aus unserer Stadt
07.07.2014
Kultur Manic Street Preachers - Drängelnd, unruhig, forsch
Uwe Janssen 07.07.2014