Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Plauderstunde mit Gerald Scarfe
Nachrichten Kultur Plauderstunde mit Gerald Scarfe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:26 19.07.2010
Von Uwe Janssen
Besucht seine Ausstellung in Hannover: Gerald Scarfe Quelle: Janssen

Er trägt ein weißes Hemd, eine sandfarbene Hose, gepflegte dunkle Schuhe und dazu – rosa Socken. Das Outfit passt hervorragend zu Gerald Scarfe, denn genau so ein Typ ist er auch. Ein eleganter Engländer mit tadellosen Manieren, hinter denen sich aber immer eine Portion Schrägheit verbirgt. So lebt er, und so arbeitet der 74-jährige Londoner – seit 50 Jahren als Karikaturist, Zeichner und Bühnenbildner. Mit seiner Frau, der Schauspielerin und früheren McCartney-Verlobten Jane Asher, ist Scarfe nach Hannover gereist, um bei der Eröffnung seiner Ausstellung im Deutschen Karikaturmuseum (dem ehemaligen Wilhelm-Busch-Museum) dabei zu sein.

Er sei ein bisschen aufgeregt gewesen, sagt er, „es ist die größte Ausstellung mit meinen Arbeiten bislang in Deutschland“. Und der Ort ist ihm wichtig – auch weil Scarfes britischer Kollege Ronald Searle einen Großteil seines Werkes an das hannoversche Museum gegeben hat. „Das hat in England für Aufsehen gesorgt. Aber: Die englischen Museen kümmern sich einfach nicht um ihre Künstler. Das ist hier ganz anders.“

George W. Bush als Affe, Tony Blair als Pudel: In der Ausstellung „Heroes and Monsters“ sind rund 150 Arbeiten des englischen Karikaturisten Gerald Scarfe zu sehen, die das Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch vom 18. Juli an in Hannover präsentiert.

Scarfes Arbeiten werden in Hannover auf zwei Ebenen präsentiert. Politische Karikaturen, Porträts, Skulpturen, Theaterarbeiten – und nun sitzt der sehr topfit wirkende Mittsiebziger vor dem Plakat des Films „The Wall“ und erzählt, wie das war vor 30 Jahren mit der Rockband Pink Floyd und dem Regisseur Alan Parker, eine Arbeit, die ihn weltberühmt gemacht hat. Mit dem als cholerisch geltenden Floyd-Sänger Roger Waters sei er prima klargekommen, denn der pfusche einem nicht in die Arbeit. Mit Parker habe es dagegen andauernd Zoff gegeben. Nach 30 Jahren Funkstille habe er den Regisseur nun wiedergetroffen. „Ich wusste wirklich nicht, ob wir uns gleich weiterstreiten“, sagt er und nimmt mit einem süffisanten Lächeln schon das Ergebnis vorweg. Man habe sich gut verstanden, die Altersmilde holt eben auch Sturköpfe irgendwann ein.

Was aber nicht heißen soll, dass Scarfe arbeitsmüde wäre. Im Gegenteil. Seit 40 Jahren zeichnet er für die britische „Sunday Times“ – jede Woche eine Karikatur, bis heute. „Am Sonntag“, verrät er und zeigt auf die hintere Wand, „ist wieder Obama dran.“ Der US-Präsident aus Scarfes Feder ist auch in Hannover mehrfach präsent, immer im blau-roten Superman-Anzug. „Doch diesmal hat der Anzug Risse.“ Allerdings sei er mit seinem Obama unzufrieden. „Ich hab’ ihn noch nicht richtig“, sagt er, was auch daran liegen könne, dass Obama zu wenig Angriffsfläche biete. „Die Bösen sind einfacher oder solche wie der da, nett, aber ein Dummkopf.“ Er zeigt auf eine Karikatur von Bill Clinton als Pinocchio, dem allerdings beim Lügen ein anderes Körperteil als die Nase wächst. Stoff ist für den Karikaturisten nach wie vor genug da. Wo sammelt er Inspiration? „Natürlich in der Zeitung. Ich lese fünf Tageszeitungen.“ Das nächste Projekt wird aber die Mauer sein. Roger Waters will das „Wall“-Projekt mit einer Tournee noch einmal beleben. Und des Zeichners fiese Monsterpuppen wiederauferstehen lassen.

Doch nun muss der nette Herr Scarfe auch los. Ronald-Searle-Bilder im anderen Museumsflügel angucken. Hier kann er das ja.

Junge polnische Historiker schildern Flucht und Vertreibung - und erhalten für ihre "illustrierte Geschichte" Beifall im eigenen Land.

Simon Benne 19.07.2010

Fünf Künstler zeigen bis zum 8. August in der Ausstellung "über Kopf" in der Galerie "per-seh" auf dem Rittergut Großgoltern ihre Werke.

19.07.2010

Literaturnobelpreisträger Günter Grass liest am 4. September aus seinem neuen Werk „Grimms Wörter“ – das Buch ist eine Liebeserklärung an die Brüder Grimm.

19.07.2010