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11:24 02.06.2014
Foto: Ein verträumter, schlaksiger Mann: Carlo Waibel alias Cro.
Ein verträumter, schlaksiger Mann: Carlo Waibel alias Cro. Quelle: dpa/Archiv
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Cro, damit wir es hinter uns haben: Wann fällt denn nun endlich die Maske?
Wenn ich von der Bühne gehe. Und für immer fällt sie dann, wenn ich aufhöre, Musik zu machen. Vielleicht verändere ich die Maske leicht, vielleicht wechsele ich sie auch mal und setzte eine Eisbärmaske auf. Aber ohne Maske trete ich nicht auf.

Bist du ein anderer, wenn Du die Maske trägst?
Für mich gibt es keinen Unterschied. Es gibt nicht Cro hier und Carlo da. Aber die anderen sehen mich anders, wenn ich die Maske aufhabe.

Wie schwäbisch bist du eigentlich?
Gar nicht. Schaffe, schaffe, Häusle baue – das ist nicht meins. Ich wohne immer noch in Stuttgart. Aber bei uns gibt’s keine Kehrwoche – gibt’s sowas überhaupt noch? Moment: beim Essen bin ich ziemlich schwäbisch.

Wie wichtig sind die Fantastischen Vier für dich?
Gar nicht.  Natürlich habe ich die in meiner Jugend gehört. Das war damals alles eins für mich: Fanta Vier, Tic Tac Toe, Bob Dylan oder die Beatles. Man hat‘s halt gehört und cool. Mit meiner Musik hat das wenig zu tun, so monoton würde ich niemals rappen.

Es war halt auch eine andere Zeit. Aber die Musik der Fantastischen Vier war ähnlich mehrheitsfähig wie Deine heute.
Ja, und sie kommen aus einer ähnlichen Gegend. Das war's dann aber auch schon.

Welche deutschen Rapper haben Dich denn geprägt?
Eher die Hamburger: Die Beginner und Samy Deluxe. Aus Stuttgart natürlich Max Herre und Freundeskreis und später aus Berlin Kool Savas und die Aggro Sachen.

Aggro ist so ungefähr das Gegenteil von Cro. Willst Du für immer der liebe Rapper bleiben?
Ich bin halt wie ich bin. Ich hatte keine schlimme Kindheit oder hab später Drogen vertickt. Wieso sollte ich darüber rappen? Das können andere viel besser. Es ist alles cool. Ich bin lieb – und ich bin real!

Aber in Tracks wie „Cop Love“ gibt es immerhin böse Jungs-Fantasien.
Die sind völlig frei erfunden und damit wieder erlaubt.

„Ich kiff noch nicht mal“ – stimmt das wirklich?
In der Jugend habe ich mal gekifft, wie so gut wie jeder. Mittlerweile vertrag ich es nicht mehr. Sobald ich kiffe, werde ich nachdenklich und traurig. Ich komme in eine negative Stimmung. Nicht mehr lustig wie früher.

Bist Du wirklich Peter Pan und weigerst Dich, erwachsen zu werden?
Ich habe mir auf jeden Fall etwas Kindliches, fast schon Kindisches bewahrt. Aber ich bis deswegen nicht verpeilt. Ich stehe auf, bin am Start, bin pünktlich, treffe Entscheidungen. Dann bin ich sehr erwachsen.

Deine Musik nennst Du „Raop“, die Mischung aus Rap und Pop. Pop ist zum Beispiel, dass fast alles Songs von der Liebe handeln…
… ja, aber musikalisch ist es HipHop. Thematisch ist es etwas anderes. Es klingt nur nach HipHop.

Es ist auf jeden Fall sehr melodischer HipHop. Wer spielt eigentlich die Melodien ein?
Das mache ich alles selbst zu Hause. Manchmal lasse ich einen Pianisten noch mal etwas einspielen oder einen Trompeter. Aber alles stammt aus meiner Hand.

Bist Du ein Tüftler?
Ja, ich mag es reduziert. So wenig Spuren wie möglich, auf keinen Fall überladener Sound. Ich tüftele bis zur letzten Minute und nehme immer noch etwas heraus.

Also doch ein Schwabe.
So gesehen, ja.

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