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Kultur „Die Unis können von uns lernen“
Nachrichten Kultur „Die Unis können von uns lernen“
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18:36 15.05.2017
Von Stefan Arndt
Die Musikhochschule exportiert musikalisches Knowhow in alle Welt. Präsidentin Susanne Rode-Breymann ist stolz auf gelebte Internationalität.
Die Musikhochschule exportiert musikalisches Knowhow in alle Welt. Präsidentin Susanne Rode-Breymann ist stolz auf gelebte Internationalität. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Frau Rode-Breymann, am kommenden Wochenende spielt das Hochschulorchester zwei Konzerte gemeinsam mit jungen Musikern aus Finnland. Warum holen Sie noch mehr ausländische Studierende in die Musikhochschule?

Wir sind sehr stolz auf dieses Projekt, weil die Sibelius-Akademie in Helsinki eine der weltweit führenden Musikausbildungsinstitute ist. Das ist eines der Projekte, mit dem wir europäische Vernetzung und Internationalisierung vorantreiben können.

Zur Person

Susanne Rode-Breymann ist seit 2010 Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Das Hochschulorchester spielt am Freitag, 19. Mai, im Richard-Jakoby-Saal (nur noch Restkarten) und am Sonnabend, 20. Mai, im Funkhaus gemeinsame Konzerte mit Studierenden aus Helsinki. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

Aber es gibt doch immer wieder Vorwürfe, die Musikhochschule würde zu viele Studenten zum Beispiel aus Korea ausbilden?

In der Stadtgesellschaft, bei unserem Publikum in den Konzerten spüren wir solche Kritik hier gar nicht - wohl aber im politischen Raum. Wir hatten eine Prüfung des Landesrechnungshofes mit dem Ziel, Studiengebühren für nicht aus der EU kommende Studierende einzuführen. Das lehne ich ab. Begründet wird solche Ungleichbehandlung oft mit einem „Steuerzahler-Argument“: Internationale Studierende würden hier kostenlos ausgebildet und verschwinden dann in ihre Heimatländer.

Ist das richtig oder falsch?

Das hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten verändert. Inzwischen lässt es sich nicht mehr so ganz mit den Tatsachen zusammenzubringen. Das zeigt schon ein Blick auf die beiden hannoverschen Orchester: Die haben beinahe schon denselben Anteil an nichtdeutschen Musikern wie wir ihn an der Hochschule haben.

Wie hoch ist der denn?

An der Hochschule sind etwa 30 Prozent der Studierenden nicht aus Deutschland. Rund die Hälfte davon kommt aus Ländern der Europäischen Union. In der NDR-Radiophilharmonie spielen 15 Prozent ausländische Musiker, im Staatsorchester 25 Prozent. Das heißt, die hier ausgebildeten Musiker zahlen später durchaus auch hier Steuern und wirken auch sonst mit ihrem Engagement in die Gesellschaft hinein.

Steigt das Niveau durch größere internationale Konkurrenz?

An Musikhochschulen passiert seit Langem das, was Universitäten jetzt mit Nachdruck anstreben: Sie investieren viel Mühe, um die besten Bewerber der Welt nach Deutschland zu holen. Bundesweit liegt der Schnitt inzwischen bei 10 Prozent. Man muss natürlich aufpassen, dass die deutschen Bewerber ihre Chancen auf einen Studienplatz wahren können. Darum gibt es bei uns zum Beispiel das Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter.

Was können Universitäten von einer Musikhochschule lernen?

Eine gelebte Internationalität. Ich verstehe deswegen nicht, warum die Musikhochschulen immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert werden, zu viele internationale Studierende auszubilden. Wir sind sehr stolz, wenn wir technisches Knowhow in andere Weltteile exportieren, ich finde, das kann man mit gleichem Recht auf die Musik anwenden: Wir haben ein künstlerisches Knowhow, über das man immer wieder staunen kann. Es ist hoch attraktiv für junge Menschen aus aller Welt, sich in Hannover ausbilden zu lassen.

Allerdings ist die Technik, mit der man beispielsweise einen Flügel spielt, nichts Neues - sie ist seit Längerem ausgereift. Sie zu lehren ist doch nichts Besonderes, oder?

Was die reine Technik des instrumentalen Spiels angeht, ist das nicht ganz falsch. Aber es geht doch im Studium um viel mehr: Unsere Klavierabteilung zieht weltweit Studierende an, weil unsere Professoren hier eine Ausbildungstradition etabliert haben, die weit über die reine Technik hinausgeht. Außerdem ist unser mitteleuropäisches Repertoire weltweit ein Exportschlager.

Kann man umgekehrt auch aus anderen Ländern lernen - zum Beispiel die Begeisterung für Klassik, wie sie in China herrscht?

Natürlich! Unsere Studierenden sollen sich in der globalen Welt bewegen und andere Klänge kennenlernen. Es gibt nie wieder eine Zeit, in der es so einfach ist, sich mit anderen Ländern auseinanderzusetzen, wie im Studium. Das ist als Erfahrung für lebenslanges Lernen sehr wichtig. Studierende dürfen am Ende des Studiums nicht denken, sie wüssten nun alles. Sie müssen durch Begegnungen mit anderer Kultur ahnen, wie groß die Welt ist: Viel größer als man es je fassen kann.

Interview: Stefan Arndt

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