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Kultur Premiere in hannoverscher Eisfabrik: „Kontakthof – Ein Stück über die Liebe“
Nachrichten Kultur Premiere in hannoverscher Eisfabrik: „Kontakthof – Ein Stück über die Liebe“
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19:01 23.01.2011
Auf dem Schlachtfeld der Gefühle. Quelle: Helbig
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Dass Männer und Frauen wie Katz und Maus sein können, dürfte jedem Paar bekannt sein. Und doch können sie nicht ohneeinander. Das hassliebevolle Verhältnis der Geschlechter hat auch ein junges Ensemble mit dem passenden Namen Gören & Rabauken zwei Jahre lang beschäftigt. Am Freitagabend war nun das Ergebnis in der Eisfabrik zu sehen: „Kontakthof – Ein Stück über die Liebe“. Idee und Texte stammen von den Laien und angehenden Theaterpädagogen, Regie führte Commedia-Futura-Chef Wolfgang Piontek.

Wenn sich der Zuschauerraum füllt und die letzten Nachzügler sogar auf der Treppe Platz nehmen müssen, scheint das Theaterstück schon begonnen zu haben: Regungslos wie eine Schaufensterpuppe steht ein adrett in Anzug gekleideter Mann mit Sonnenbrille bereits auf der Bühne. Sein Mund sticht unsauber rot geschminkt hervor und erinnert an einen Clown. Bald bekommt er Gesellschaft: Zu fetziger Musik stürmen weitere Frauen und Männer auf die Bühne, alle mit Clown-Fratze, und tanzen in einem marionettenhaften Stil. Als sich Männlein und Weiblein schließlich paarweise gegenüberstehen, ahnt der Zuschauer, worum es hier geht: um Beziehungen, die meistens kompliziert sind. Am Ende gibt es Streit, und schließlich macht einer Schluss – am Telefon, wie es sich in einer Skype-Handy-Welt gehört.

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Immer wieder wird angedeutet, was dem Klischee einer typischen Beziehung entspricht: Lasziv locken die Frauen – geht der Mann darauf ein, wird er weggestoßen und angekeift. Im Gegenzug trommeln die Herren der Schöpfung auf ihrer Brust herum und geben sich betont proletisch, bis sie von den Mädels zurechtgepfiffen werden. Eine künstlerische Umsetzung von dem, was jedem so alltäglich erscheint.

Das Übrige tut an diesem Abend die Kulisse. Das Bühnenbild ist einfach gestaltet und gewinnt gerade dadurch: Im urigen Gemäuer der Eisfabrik kommen die Videoeinspielungen auf den weißen Leinwänden besonders zur Geltung.

Nach einer Stunde und zehn Minuten ist die letzte Szene gespielt. Die Clownsschminke ist verschmiert und nach so viel Kontakten fast überall auf den Körpern der Schauspieler zu finden. Zum Narren gemacht haben sie sich aber ganz und gar nicht. Langer Applaus.

Weitere Vorstellungen am 28. und 29. Januar.

Kira Pieper

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