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09:04 31.03.2014
Auf US-Tour: Die Band Tonbandgerät mit Isa (l.) und Sophia Poppensieker, dazu Jakob Sudau (M.) und Ole Specht. Quelle: dpa
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New York

Kreischen dringt durch die Aula der A. Philip Randolph High School im New Yorker Stadtteil Harlem. „Es ist alles wieder da, nur irgendwie anders“, singt Ole Specht, Frontmann der Band Tonbandgerät. „Irgendwie anders“, wiederholen Hunderte Schüler im Chor. „Wir lieben Tonbandgerät“ und „Ihr seid supergeil“ steht auf Plakaten der jubelnden Menge. Sogar der Balkon der Aula ist geöffnet, weil so viele Schüler die Popband aus Hamburg sehen wollen.

„Ich liebe Tonbandgerät“, sagt der 15-jährige Jaris nach dem Konzert. Seit zwei Jahren lernt er an seiner Schule Deutsch. „Wir haben die Texte der Songs im Unterricht durchgenommen, ich verstehe sie schon sehr gut. Ich konnte auch mitsingen“, sagt der Afroamerikaner – allerdings doch lieber auf Englisch.

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Mit seinen Deutschkenntnissen ist Jaris in den USA in der Minderheit. Nur jeder fünfte Amerikaner lernt nach Angaben des Goethe Instituts eine Fremdsprache – und wenn, dann eher Spanisch oder Französisch als Deutsch. Ungefähr 500.000 Menschen lernen in den USA, einem Land mit mehr als 300 Millionen Einwohnern, derzeit Deutsch. „Das Deutschland-Bild in den USA ist sehr, sehr gut, aber wir wünschten uns, dass sich das auch in Deutschlerner-Zahlen niederschlägt“, sagt Christoph Veldhues vom New Yorker Goethe Institut.

Eine Motivationshilfe ist Tonbandgerät. Die vier Musiker, deren Debütalbum „Heute ist für immer“ es im Vorjahr in die Top 50 der deutschen Charts schaffte, sollen amerikanischen Schülern Lust aufs Deutschlernen machen. Das Goethe Institut schickte die vierköpfige Band dafür auf Schultournee durch zehn Städte, von Seattle über Salt Lake City und Chicago bis nach New York und Boston. Vor zwei Jahren hatte es bereits eine ähnliche Aktion mit der Indie-Rock-Band Madsen gegeben.

„Wir wollten eine Band holen, die bekannt ist, aber noch nicht zu bekannt“, sagt Veldhues, und der 25-jährige Specht betont: „Wir waren für die auch interessant, weil wir relativ jung sind.“ Zudem seien die Texte nicht „so super-obszön“, sodass man sie gut im Unterricht behandeln könne. Von der Tour ist die Band restlos begeistert: „Die Schulaulas sind deutlich besser ausgestattet als die meisten deutschen Clubs. Das hat mich an große deutsche Festivals erinnert.“

Specht ist sicher, dass die Tour etwas bringt. „In San Francisco hat uns eine Lehrerin erzählt, dass sich seit Beginn der Kampagne viel mehr Schüler für den Deutschunterricht angemeldet haben“, sagt er. „Nach dem Konzert hat sie uns umarmt und gesagt, ,Danke, dass ihr mir den Job rettet‘.“

dpa

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