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Kultur "Public Enemies": Tod einer Legende
Nachrichten Kultur "Public Enemies": Tod einer Legende
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07:59 06.08.2009
Von Ernst Corinth
In Bedrängnis: John Dillinger (Johnny Depp). Quelle: Universal Studios/Peter Mountain/ddp
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Er wurde nur 31 Jahre alt: John Dillinger, einer der legendären Gangster der USA. Im Juli 1934 wurde er vor einem Kino in Chicago von der Polizei erschossen. Dort hatte er sich zuvor den Clark-Gable-Film „Manhattan Melodrama“ angeschaut. Dillinger hatte eine Schwäche für strahlende Leinwandhelden, deren Haltung und Gestik er gerne kopierte. Und ein Leinwandheld ist er selbst geworden. Dreimal wurde seine Geschichte verfilmt, zuletzt 1991 von Rupert Wain-wright mit Mark Harmon in der Hauptrolle.

Am 6. August startet der Thriller „Public Enemies“ mit Johnny Depp und Christian Bale in den deutschen Kinos.

Nun folgt mit „Public Enemies“ der vierte Dillinger-Streich, für den Actionspezialist Michael Mann („Collateral“, „Miami Vice“) verantwortlich ist. Wie schon 1995 in Manns Film „Heat“ mit Robert De Niro und Al Pacino hat er auch hier zwei große Stars verpflichtet, die sich als Kontrahenten gegenüberstehen: Johnny Depp und ChristianBatmanBale. Frappant ist die Ähnlichkeit von Depp mit dem historischen Dillinger, selbst dessen schiefes Grinsen beherrscht der Hollywoodstar, der hier zum Glück mit angezogener Handbremse seine schauspielerische Show gekonnt abliefert. In den wenigen Szenen, die er gemeinsam mit dem unterkühlt auftretenden Bale hat, spielt er diesen beinahe an die Wand.

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Mann konzentriert sich in seinem Film, der recht locker auf dem Buch ­„Public Enemies: America’s Greatest Crime Wave and the Birth of the FBI, 1933–34“ von Bryan Burrough basiert, auf die letzten Monate in Dillingers Leben. Los geht es gleich mit viel Action, mit einem feurigen Gefängnisausbruch inklusive anschließender Verfolgungsjagd. Dann folgt, was sonst noch zu einem großen Gangsterepos dazugehört: dramatische Feuergefechte, eine große Liebe zu einer hübschen Frau (Marion Cotillard) und schließlich ein tödlicher Verrat.

Bei alldem kommen die Polizisten erstaunlich schlecht weg, ja, sie haben offenbar die Lizenz zum Foltern und zum Töten. Zudem werden sie von Dillinger bisweilen trickreich vorgeführt. Diesen „Krieg gegen die Kriminalität“, bei dem zum ersten Mal in der Geschichte der USA mit Dillinger ein „Staatsfeind Nr. 1“ gesucht wurde, nutzt FBI-Chef J. Edgar Hoover (Billy Crudup) gnadenlos aus, um einen großen polizeilichen Apparat aufzubauen.

Dillinger erscheint auch in dieser Kinoversion als eine Art moderner Robin Hood, der die großen Banken ausraubt, also Finanzeinrichtungen, die für die damalige Wirtschaftskrise verantwortlich waren. Auch das hat dem realen Dillinger genutzt: Beim krisengeschüttelten Volk brachten ihm seine Taten viel Respekt ein. Noch heute existieren Verschwörungstheorien, wonach der Gangster Dillinger gar nicht tot, sondern nur untergetaucht sei.

Zur heutigen Zeit gibt es also deutliche Parallelen: Nicht nur an die Wirtschaftskrise fühlt sich der Zuschauer erinnert, sondern auch an den Ausbau des Überwachungsapparats als Folge des 11. Septembers. Doch offenbar hat sich der Regisseur dafür kaum interessiert. Auch nicht für die Hintergründe und Motive seiner Hauptfigur.
So legt Michael Mann letztlich immerhin einen soliden Gangsterfilm vor, der bis in die Nebenrollen mit guten Schauspielern besetzt ist. Bloß den übertriebenen Einsatz von digitalen Handkameras hätte er sich schenken sollen, vor allem Tagesszenen wirken so oft wie schnöde Reality-Fernsehbilder.

Staatsfeind Nr. 1: Solider Gangsterfilm.
Cinemaxx Raschplatz, Cinemaxx Nikolaistraße, Utopia, CineStar.