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Kultur „Das ist ein unglaubliches Naturerlebnis“
Nachrichten Kultur „Das ist ein unglaubliches Naturerlebnis“
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22:39 23.07.2017
Von Linda Tonn
„Das verblüfft“: Suse Wächter und einige ihrer Puppen. Quelle: Kühne
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Frau Wächter, lassen Sie uns über Hannover sprechen. Sie kommen nicht zum ersten Mal hierher.

Nein, unter der Intendanz von Lars-Ole Walburg habe ich an einigen Produktionen am Schauspiel Hannover mitgewirkt. Wir hatten eine Produktion, die „Götter, Kekse, Philosophen“ hieß - für die haben wir aus dem nicht ganz einfachen Image von Hannover einen kompletten Abend gemacht.

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Das nicht ganz einfache Image?

Na ja, Harald Schmidt hat doch mal gesagt „Hannover liegt nicht am Arsch der Welt, man kann ihn von dort aus aber sehr gut sehen.“ Wir haben einfach damit kokettiert, und dann trifft man plötzlich auch auf die Söhne und Helden der Stadt: auf Hermann Bahlsen, den Keksfabrikanten, oder Leibniz zum Beispiel.

Sie treten zusammen mit der Lautten Compagney Berlin, der Schauspielerin Gudrun Landgrebe und dem Countertenor Benno Schachtner mit einem Shakespeare-Sonette-Abend in Herrenhausen auf. Bringen Sie eine Shakespeare-Puppe mit?

Das weiß ich noch nicht. Ich habe aber eine Shakespeare-Figur, die sehr infrage kommt. Es ist ja auch immer so eine Frage, wer Shakespeare eigentlich war. Darüber wird gestritten, was es aber auch spannend macht, ihn als Puppenfigur auftreten zu lassen. Das werde ich sehen. Es wird aber auf jeden Fall eine „Dark Lady“ geben. Sie tritt als Vanitas auf - als Vergänglichkeit.

Zur Person

Suse Wächter, geboren 1969 und aufgewachsen in der ehemaligen DDR. Wächter studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Seitdem arbeitet sie in verschiedenen Produktionen an der Neuerfindung der Puppenanimation im Theater. Das Zusammenwirken ihrer künstlichen Figuren mit Schauspielern, Sängern oder Tänzern, trägt zur Eigenart vieler Inszenierungen bei. Zusammen mit der Schauspielerin Gudrun Landgrebe, dem Countertenor Benno Schachtner und der Lautten Compagney bringt Wächter am Freitag, 11. August, Schakespeare-Sonette auf die Bühne im Gartentheater Herrenhausen.

Bauen Sie extra für den Anlass neue Puppen?

Nein. Ich habe alles schon in meinem Fundus von etwa 150 Puppen.

Ohne zu viel über das Programm zu verraten, was gefällt Ihnen an Shakespeare?

Es ist schön, sich mit seinen Sonetten beschäftigen zu dürfen - die sind ganz wunderbar. Die Romantik hat diese Sonette wiederentdeckt und die Menschen waren so angetan, weil sie dachten, dass sie hinter dem Werk auch nachempfinden können, was Shakespeare fühlt. Das ist fast eine Detektivarbeit, weil man verschiedenen Identitäten auf der Spur ist. Und es ist auch für mich fast frustrierend, das nicht herauszubekommen.

Welche Rolle spielen Ihre Puppen dabei?

Ich sehe in den Puppen eine Möglichkeit, diese Personen, die in den Sonetten angesprochen werden, zu verkörpern oder auch sie weiterhin zu verschleiern. Dieses Ambivalente dabei interessiert mich. Und außerdem wollte ich die Vanitas auf die Bühne bringen.

Wie erwecken Sie die Figuren zum Leben?

Die Puppen sind nicht wie Marionetten für das Puppentheater gebaut. Ich lasse sie immer zusammen mit Schauspielern oder Sängern oder Tänzern auftreten. Für den Zuschauer kann das sehr überraschend sein. Denn es ist keine reine Illusion, sondern er sieht auch, wie ich spreche und die Puppe bewege. Trotzdem wirkt es so, als ob die Puppe das von selbst tut. Scheinbar lebt und denkt und spricht sie. Das verblüfft.

Sommernachtsträume im Gartentheater

Vom 4. bis 26. August wird das historische Heckentheater im Großen Garten in Herrenhausen wieder zum Schauplatz eines vielfältigen Programms rund um Shakespeare. Zum Start des neuen Programms am 4. August nehmen fünf hannoversche Poetry-Slammer von „Macht Worte!“ die Bühne ein und widmen sich frei nach Shakespeares Hamlet dem Thema „Die Zeit ist aus den Fugen?!“. Am 5. August spielen Schauspieler und Synchronsprecher Rufus Beck und die Band Tango Trio den Sommernachtstraum als musikalische Stand-up-Comedy. Am zweiten Wochenende kehrt das Barockensemble Lautten Compagney aus Berlin auf die Bühne im Gartentheater zurück – im Gepäck haben die Musiker gleich drei Programme: Neben der barocken Daily Soap „Peeping at Mr Pepys [Pips]“ mit Schauspieler Gustav Peter Wöhler und Sopranistin Susanne Ellen Kirchesch (10. August) präsentieren sie Shakespeares Sonette als musikalische Revue (11. August). Am Abend des 12. August kommen auf der Bühne barocke Tänze und Klarinettenklänge von Florian Schüle zusammen. Im Sommerkino werden die Filme „Ein Sommernachtstraum“ (16. August), „Die Gärtnerin von Versailles“ (17. August) und „La La Land“ (18. August) gezeigt. Zum Finale bringt das Monbijou Theater aus Berlin mit Charme, Witz und großer Spielfreude Shakespeares Lustspiel „Die lustigen Weiber von Windsor“ auf die Bühne. Nach allen Abendveranstaltungen wird der Große Garten festlich beleuchtet. Karten gibt es im Vorverkauf im Künstlerhaus und an der Abendkasse.

Im Gartentheater treten Sie mit der Schauspielerin Gudrun Landgrebe auf. Wie ist da die Rollenverteilung?

Gudrun Landgrebe wird die Shakespeare-Sonette lesen, und ich bin mit den Puppen auf einer zweiten Ebene dabei. Die Puppen werden singen und das Geschehen quasi kommentieren.

Sie standen im vergangenen Jahr schon einmal im Gartentheater in Herrenhausen auf der Bühne. Wie würden Sie die Atmosphäre beschreiben?

Das ist ganz wunderbar und festlich. Im letzten Jahr hatten wir gutes Wetter und haben beim Sonnenuntergang gespielt. Dann hört man neben der Musik auch Grillen zirpen, und es entsteht eine ganz neue klangliche Ebene. Man hat den freien Himmel und die Heckenkulissen - das ist auch ein unglaubliches Naturerlebnis.

Hannoveraner, die ganz genau hingeschaut haben, konnten Ihre Puppen auch in einem Video der Ausstellung „Manifesto“ von Julian Rosefeldt im Sprengel-Museum sehen. Wie kam es dazu?

Ich kenne den Künstler und habe schon mehrere Projekte mit ihm gemacht. Er kennt meinen ganzen Fundus und hatte dann die Idee, einen kompletten Raum zu gestalten, der zugepflastert ist mit meinen ganzen Puppen. Nur eine von ihnen sollte gespielt werden. Ich hatte den Auftrag, die Schauspielerin Cate Blanchett zu porträtieren und eine Puppe von ihr zu bauen, die sie in dem Video selber spielt.

Was wird Ihr nächstes Projekt sein?

Das wird ein Projekt sein, das „Jahrmarkt der Vernunft/ Das Orakel von Delphi“ heißt. Ich arbeite mit einem Zauberer zusammen und wir bringen Zaubertechniken und Puppenspiel zum Einsatz. Inhaltlich beschäftigen wir uns dabei mit Schein und Sein und der Lust an der Verzauberung.

Interview: Linda Tonn

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