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Kultur Pur begeistern in Hannover
Nachrichten Kultur Pur begeistern in Hannover
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08:37 26.03.2011
Hartmut Engler feierte in Hannover 30-jähriges Bühnenjubiläum mit seiner Band Pur. Quelle: Martin Steiner

Düster ist es, aus den Boxen hört man schweren Regen prasseln, ein ausgewachsenes Gewitter. Da kommen sieben Männer im Gänsemarsch die Tribüne runter, unter gelben Regenschirmen mit blitzenden Taschenlampen winkend, quer durch die Halle. Und bevor der erste Ton gespielt ist, gibt es frenetische, stehende Ovationen der 4000 Zuhörer in der ausverkauften AWD-Hall.

Einen Triumphzug wie diesen am Freitagabend sieht man nicht oft. „Wozu sind Freunde da“, singt Sänger und Texter Hartmut Engler und beendet das Lied in den frenetischen Schlussapplaus hinein mit dem Zusatz: „Dazu!“.

Pur feiert 30-jähriges Bühnenjubiläum. Aus diesem Anlass ist die Band aus dem schwäbischen Bietigkeim-Bissingen nun auf „Live und akustisch Tour“. Gefeiert wird ganz bescheiden und im für Pur-Verhältnisse kleinen Rahmen: Statt in den großen Arenen, die die Deutschrocker sonst regelmäßig füllen, haben sie in die mittelgroßen Hallen geladen. Das Publikum darf sitzen („Ihr müsst nicht!“), die Band auch; gespielt wird (fast) akustisch, ohne E-Gitarren und Synthesizer, dafür mit Klavier, Orgel, akustischen Gitarren und einem Kontrabass.

Engler genießt die heimelige Atmosphäre, geht zwischendurch von der Bühne, schüttelt Hände und sammelt Geschenke ein; es ist kuschelig im „Großraumwohnzimmer der Familie Pur“, wie er sagt. So kuschelig, dass es Saskia, 19, bei Englers Streifzügen durch die Stuhlreihen erwischt, sie wird vom Hartmut auf die Bühne geholt, darf sich auf seinen Platz setzen und sich einen Applaus abholen.

Die Band hat ihre Songs für diese Akustiktour neu arrangiert. „Manche Lieder werdet ihr vielleicht erst erkennen, wenn der große Mann mit dem hellblauen Hemd und der krummen Nase anfängt, den Text zu singen“, sagt Engler und erbringt gleich danach den Gegenbeweis: Schon zu den ersten Takten von der Akustikvariante von „Ich lieb dich“ steht die ganze Halle und klatscht mit. Und wenn auch die ganz große Wucht und Emphase der Pur-Songs in diesen eher reduzierten, charmanten akustischen Versionen fehlt: An großen Emotionen mangelt es nicht, an Schwung auch nicht. „Frau Schneider“ ist flott dabei, „Kowalski“ swingt geradezu, und ein neues Lied gibt es auch: „Der Trick dabei“. Natürlich fehlen auch die Mitsinghits „Abenteuerland“, „Indianer“ und „Funkelperlenaugen“ nicht.

30 Jahre Pur, das ist ein Phänomen, das die einen gerne dem Schlager zuordnen, die anderen eher dem Rock-Pop. Beide haben wohl recht. Die erstaunliche Karriere der Band, nach überstandenen Depressionen und Alkoholproblemen Englers sowie der Trennung von Gründungsmitglied und Schlagzeuger Roland Bless, ist weiter auf Kurs: Zwischen den Stühlen, den vollbesetzten.

Matthias Schmidt

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