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Kultur „R.E.D.“: Eine Rentnertruppe will’s noch mal wissen
Nachrichten Kultur „R.E.D.“: Eine Rentnertruppe will’s noch mal wissen
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01:04 29.10.2010
Von Ernst Corinth
Diese Agenten haben’s immer noch drauf. Quelle: Concorde
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Gut Ding braucht Weile. Auch im Kino. So musste die englische Schauspielerin Hellen Mirren („Die Queen“) offenbar 65 Jahre alt werden, um endlich mal auf der Kinoleinwand mit einem Maschinengewehr Dutzende von Bösewichten niederzumähen. Und das auch noch im weißen Abendkleid! Danach schlüpft Mirren respektive Victoria in einen Tarnanzug, entkommt so ihren Verfolgern und bedroht kurze Zeit danach erneut mit einer Waffe den Vizepräsidenten der Ver­einigten Staaten. All das und noch viel mehr geschieht auf durchweg amüsante Weise in der Actionkomödie „R.E.D.“. Wobei der Titel nicht für „Rot“ in englischer Sprache steht, sondern für die angebliche US-Geheimdienstkategorie „Retired Extremely Dangerous“. Womit wegen ihres Insiderwissens hoch gefährliche Agentenrentner bezeichnet werden.

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Eine ganze Rentnertruppe tritt in dem Film des deutschen Hollywoodexports Robert Schwentke („Flightplan“) noch einmal an, um eine ziemlich komplizierte Verschwörung aufzudecken. Bejahrte Actionhelden sind spätestens seit dem Erfolg von „John Rambo“ und zuletzt „The Expendables“ in Hollywood gefragt, nicht zuletzt weil auch das Kino­publikum zunehmend älter wird und dann gern vertraute Gesichter in den Filmproduktionen sehen möchte. Solch ein vertrauter Haudrauf ist Bruce Willis, der zwar erst 55 Jahre alt ist, aber schon seit Jahren ausrangierte oder frühpensionierte Actionhelden spielt. Vielleicht auch spielen muss. Nun also in dem Film „R.E.D.“.

Willis ist Frank Moses, früher ein knallharter Spezialagent der CIA. Mittlerweile lebt der Geheimdienstler zurückgezogen als Rentner in einer typisch amerikanischen Vorstadt, pflegt Haus und Garten. Sein einziges Vergnügen sind neben seiner tollen Weihnachts­dekoration die Telefonflirts mit seiner Rentensachbearbeiterin Sarah (Mary-Louise Parker), einer entzückenden Stimme. So weit, so langweilig. Doch das ändert sich schlagartig, als ein vermeint­liches Killerkommando Franks Haus überfällt, um ihn zu töten. Er weiß sich zu wehren. Gelernt ist schließlich gelernt. Frank kann fliehen, entführt gleich noch die sich wehrende Sarah, weil er sie auch für bedroht hält. Und dann reaktiviert er nach und nach seine früheren Mitkämpfer, um die Hintergründe des Anschlags aufzuklären.

Diese betagte Truppe hat es in sich. Sie setzt sich zusammen aus dem irren Marvin Boggs (John Malkovich, 56 Jahre), der wegen seines üppigen LSD-Konsums unter Verfolgungswahn leidet, dem scheinbar sanften Altersheimbewohner Joe ­Matheson (Morgan Freeman, 73), der eleganten, aber gnadenlosen Killerqueen Victoria (Helen Mirren) sowie dem russischen KGB-Rentier Ivan (Brian Cox, 64), mit dem Victoria einst ein offenbar prickelndes Verhältnis hatte. Diese Rentnertruppe hat es immer noch faustdick hinter den Ohren, wie dieser Film zur Freude wohl nicht nur der älteren Zuschauer beweist.

Die Vorlage lieferte eine recht kurze Comicstory, die von den Drehbuchautoren auf Kinolänge gleichsam aufgeblasen wurde. Das merkt man der bisweilen nicht ganz schlüssigen Handlung und manchen seltsamen Wendungen durchaus an. Dennoch macht dieser Film wegen seiner gut gelaunt aufspielenden Starriege Spaß. Man kann nur hoffen, dass die schlagkräftigen Alten im wirklichen Leben noch lange nicht in Rente gehen. Das wäre zu schade.

Alt, aber schlagkräftig: Witzige Agentenkomödie. Cinemaxx Raschplatz, Cinemaxx Nikolaistraße, CineStar.

Stefan Stosch 27.10.2010