Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Rainald Grebe erkundet das heutige Liedgut
Nachrichten Kultur Rainald Grebe erkundet das heutige Liedgut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:45 24.03.2013
Rainald Grebes musikalische Erkundungstour mit dem Titel „Volksmusik“ wurde am Sonnabend uraufgeführt.
Rainald Grebes musikalische Erkundungstour mit dem Titel „Volksmusik“ wurde am Sonnabend uraufgeführt. Quelle: dpa
Anzeige
Hamburg

Von Kinderliedern über Stadiongesänge bis zu Mitgröl-Hits vom Ballermann: Der Kabarettist, Schauspieler und Musiker Rainald Grebe macht sich am Hamburger Thalia Theater auf die Suche nach Orten, an denen noch gemeinsam gesungen wird. Seine musikalische Erkundungstour mit dem programmatischen Titel „Volksmusik“ wurde am Samstagabend uraufgeführt.

Ausgangspunkt für die Reise ist Grebes Erfahrung, dass kaum noch jemand die Lieder kennt, die früher an Lagerfeuern oder auf Partys angestimmt wurden. Wenn überhaupt, klappt nur noch die erste Zeile, danach ist kaum jemand textsicher. Selbst bei so bekannten Liedern wie „Alle Vögel sind schon da“ oder „Hoch auf dem gelben Wagen“ scheint das zu stimmen - wie Grebe mit Videos einer Straßenumfrage in Hamburg zeigt.

Gibt es also keine Volkslieder mehr? Es kommt darauf an, was man darunter versteht. Auch wenn die Klassiker wohl nach und nach verstummen, heißt das nicht, dass niemand mehr gemeinsam singt. Beim Hören von Fußball-Schlachtgesängen und anzüglichen Party-Songs mögen viele zwar nicht an Hochkultur denken - aber das war, wie Grebe erklärt, bei Volksmusik schon immer so. Bereits Goethe habe sich beklagt, dass die Menschen nur Schlager singen.

Diesem neuen deutschen Liedgut gewinnt Grebe aber Erstaunliches ab. Sein eigens gecasteter „Bürgerchor“ von Laiensängern lässt die Stadionhymne „Fußball ist unser Leben“ oder Mickie Krauses „Finger im Po, Mexiko“ wie alte, traurige Volkslieder klingen. „Ich bin auf der Suche nach einem Gesangbuch für die Gegenwart“, sagt der 41-Jährige, den das Thema schon seit langem umtreibt. 2007 bereits erschien seine CD „Volksmusik“, deren Songs er frech ebenfalls zu „Volksliedern“ erklärt.

Auch wenn es Grebe am Herzen liegt, Abhilfe gegen die vermeintliche „Liedleere“ in Deutschland zu schaffen, widmet er sich seinem Anliegen nicht mit heiligem Ernst. Der vom Premierenpublikum gefeierte musikalische Abend ist so grellbunt und schräg, absurd und aberwitzig, wie man es von Grebe kennt. Mit einem Golf-Caddy fährt er über die kunstrasengrüne Bühne und albert mit seinen Bandkollegen am zwar nicht brennenden, aber laut knisternden Lagerfeuer. Und bringt sogar das Theaterpublikum zum Mitmachen: Folgsam singt es „Der Mond ist aufgegangen“. Gleich mehrere Strophen, allerdings mit Texthilfe auf der Bühnenleinwand. 

dpa