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Kultur Rauschenberger bringt neue CD heraus
Nachrichten Kultur Rauschenberger bringt neue CD heraus
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21:09 06.04.2012
Von Uwe Janssen
Auf dem Weg: Daniel Rauschenberger (2. v. l.) und seine Bandkollegen. Quelle: Sindt
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Hannover

Die Frau steigt ins Taxi, nein, sie flieht. Gerade noch war sie vor dem hannoverschen Schauspielhaus von Fotografen umlagert. Doch auch der Taxifahrer erkennt sie. „Entschuldigung - darf ich sie etwas fragen?“, fragt er und bekommt ein genervtes „Ja“ zur Antwort. Dann versichert er sich, dass sie es wirklich ist, lobt ihre Schauspielerei und erzählt, dass er in einer Band singt, Gitarre spielt und mit seiner CD ein gutes Gefühl hat. Und dann spricht die zickige Aktrice doch: „Süßer, dir ist aber schon klar, dass das hier Hannover ist und nicht Hollywood.“

Rums! Da ist es wieder. Hannover-Bashing geht immer. Zu klein, zu grau, zu provinziell. Aber: Der Taxifahrer mag es so. Und er singt darüber. Er heißt Daniel Rauschenberger, ist tatsächlich Musiker, aber Taxi fährt er nur für das schöne Video zu seinem Song „Hannover, nicht Hollywood“. Aber der Glaube an seine neue CD „Alles fließt“ ist so, wie er es in dem Clip sagt.

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Rauschenberger heißt der Sänger, Rauschenberger heißt auch seine Band, die kreative Zelle des Gitarrenpopquartetts ist die hannoversche Nordstadt, wo in den Time Tools Studios das Album entstanden ist. Deutschpop mit schlauen Texten. „Es ist unfassbar schwierig, auf Deutsch unpeinliche Texte zu schreiben“, sagt der 33-Jährige. „Bis Anfang der Achtziger gab es zwanzig Jahre nur Schlager. Wenn man heute einen Song über Liebe schreibt, ist man immer noch ganz schnell in der Schublade. Roland Kaiser, Rauschenberger, zack!“

Von Roland Kaiser ist der gebürtige Bremerhavener allerdings meilenweit entfernt. Sein zweites Album ist die Befindlichkeitssammlung eines Mittdreißigers, der sich in seinem Leben mit Worten zu positionieren versucht. Der Zweifel hegt und Misstrauen hat, bei aller Melancholie aber auch nach vorn schaut, weil da immer wieder neues Lohnenswertes wartet. Oder wie er zum Abschluss des Albums singt: „Alles fühlt sich endlich, wie es soll, an.“

Das hat bei Daniel Rauschenberger ein bisschen gedauert. Denn der Lehrerinnensohn hatte Geschichte und Englisch auf Lehramt studiert, aber insgeheim doch auf den richtigen Moment gewartet, zur Musik zu wechseln. Als dann an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg die Chance kam, den dortigen Popkurs zu absolvieren und ihm zudem sein heutiger Bandkollege Lars Ehrhardt über den Weg lief, war der Augenblick gekommen.

Das erste Album „Von Wegen und Welten“ entstand als eine Art Solowerk mit Bandunterstützung. Das zweite ist das Ergebnis eines kreativen Prozesses zwischen vier Leuten. Produziert wurde „Alles fließt“ von Gregor Zielinsky, der eigentlich in der Klassik zu Hause ist und als Arrangeur schon einen Grammy in der Vitrine stehen hat. Wieder ein Vorteil an Hannover: Man lief sich über den Weg, war sich sympathisch - und setzte diese Sympathie in eine ganz besondere Stimmung um. Eingespielt wurde „Alles fließt“ nicht scheibchenweise, sondern live im Studio, was im Ergebnis ein sehr warmes und äußerst dynamisches Klangbild ergibt. „Das ist für viele bestimmt gewöhnungsbedürftig, allein schon, weil es insgesamt recht leise aufgenommen ist und man erst mal lauter drehen muss.“ Besonders war auch, dass die Band erst in Vorleistung gegangen ist, das Album aufnahm und erst dann eine Plattenfirma suchte - und fand. „Vertrauen“ sei da, sagt Rauschenberger, „die wollen langfristig mit uns arbeiten“. Einen anderen Job will er trotzdem nicht an den Nagel hängen: Rauschenberger arbeitet seit Jahren als DJ in Hannover und legt unter anderem im Béi Chéz Heinz oder im Kulturzentrum Faust auf.

Doch das Hauptaugenmerk von Rauschenberger, dem Musiker, liegt auf Rauschenberger, der Band. Im Sommer spielt sie auf dem Fährmannsfest am Lindender Ihmeufer. Und im Herbst soll es dann auch richtig auf Tournee gehen. Mit dem Bandbus, nicht mit dem Taxi.

Rauschenberger: „Alles fließt“. (Edel)

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