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19:50 12.03.2014
Ausweg aus dem Terror: Liesel (Sophie Nélisse) findet Zuflucht in der Literatur. Quelle: Fox
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Berlin

Ein sanftes Klavierklimpern, melancholisch und doch irgendwie tröstend: Der Film „Die Bücherdiebin“ nach dem gleichnamigen Roman von Markus Zusak lebt von der Musik von John Williams, der auch schon für „Harry Potter“ und „Star Wars“ komponierte und 48 Oscar-Nominierungen auf der Habenseite hat. Seine Musik für die „Bücherdiebin“ zeugt von einer Unschuld und einer Bescheidenheit, die auch charakteristisch für den Film sind.

Regisseur Brian Percival legt keine episch-bombastische Abhandlung über den Nationalsozialismus vor, sondern nähert sich dieser Epoche über die Bewohner einer Straße in Deutschland. Sie heißt bezeichnenderweise „Himmelstraße“ – der Tod spielt eine große Rolle in dieser Geschichte. Er wohnt sogar quasi mit im Haus, denn der Jude Max, den die Familie Hubermann bei sich versteckt, gefährdet ihr Leben und wertet es zugleich auf.

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Schrecken und Idylle liegen in dieser ambivalenten Zeit eng beieinander: Zwar gewinnen die Nationalsozialisten in Deutschland an Macht und verbrennen Bücher, doch Liesel (Sophie Nélisse), Tochter einer Sozialistin, findet bei Hans und Rosa Hubermann ein neues Zuhause. Das Ehepaar könnte gegensätzlicher nicht sein: sie eine verbitterte Kämpferin, die ihre weichen Seiten erst wieder entdecken muss, er ein Künstler und Träumer. Das Paar ist mit Emily Watson und Geoffrey Rush optimal besetzt. Nachwuchsschauspielerin Nélisse wirkt vielleicht ein wenig zu kokett für die Rolle. Hans bringt Liesel das Lesen bei, indem er im Keller ein Wörterbuch aus Kreide an die Wand malt. Als Max (Ben Schnetzer) krank wird und beinahe stirbt, liest Liesel ihn mit Geschichten zurück ins Leben – ein schönes Bild für die Widerstandskraft des Geistes in Zeiten des Terrors. Eines Tages wird Liesel sogar ein Buch vom qualmenden Scheiterhaufen stehlen.

Regisseur Brian Percival erobert mit der „Bücherdiebin“ jetzt die große Leinwand. Szenenbilder aus dem Film.

Wie die Literatur den Widerstandsgeist nährt, so schürt dieser Film die Hoffnung darauf, dass die Kunst selbst in den dunkelsten Stunden kleine Fluchten bereithält. Damit folgt die Verfilmung der literarischen Vorlage: „The Book Thief“, wie das Buch im englischen Original heißt, erschien 2005 in Australien. Rund drei Jahre später folgte die deutsche Veröffentlichung auf knapp 600 Seiten – und entwickelte sich prompt zum Bestseller. 2009 wurde „Die Bücherdiebin“ mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Autor Markus Zusak, der 1975 in Sydney geboren wurde und heute noch mit Frau und zwei Kindern in seiner Heimatstadt lebt, konnte den Roman in mehr als 40 Länder verkaufen und hat mittlerweile fünf Romane veröffentlicht, unter anderem das Jugendbuch „Der Joker“.

Wie das Buch verzichtet die amerikanisch-deutsche Filmproduktion auf viel Pathos und stellt die Deutschen nicht allein als Tätervolk, sondern als Menschen dar. Nur die Erzählerfigur – der Tod – wirkt konstruiert. Zu selten kommt sie zum Einsatz, zu unklar bleibt ihre Funktion.

Regisseur Brian Percival ist vor allem für seine Erfolgsfernsehserie „Downton Abbey“ über eine britische Adelsfamilie in den Umbruchzeiten nach dem Ersten Weltkrieg bekannt. Nach dem Kinofilm „A Boy Called Dad“ (2009), das mit einem Minibudget auskommen musste, hat er mit der „Bücherdiebin“ jetzt die große Leinwand erobert.

Von Nina May

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