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Kultur Reiner Kröhnert eröffnet Hannovers Kabarettfestival
Nachrichten Kultur Reiner Kröhnert eröffnet Hannovers Kabarettfestival
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14:26 20.09.2010
Von Simon Benne
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Religion und Satire wandeln oft auf gleichen Pfaden, nur in entgegengesetzte Richtungen. Kein anderes Thema bietet Humoristen eine so große Fallhöhe wie die Erhabenheit religiöser Würdenträger oder die existenzielle Schwere von Liebe, Tod und Teufel. Eine Menge Steilvorlagen also für Reiner Kröhnert, dessen Programm „Das Jesus-Comeback“ jetzt in der Herrenhäuser Orangerie das „Hannoversche Kabarett-Festival“ eröffnete.

Kröhnert kleidet seine Witze in eine krude Story: Jesus kehrt in Gestalt des wiederauferstandenen Klaus Kinski zurück, trifft allerlei Politiker, die CDU will ihn zum Ehrenvorsitzenden machen, und sogar Honecker entsteigt dem Grab. Das ist auch nötig, denn Kröhnerts Stärke ist die Imitation. Das Genre wird heute oft vernachlässigt – womöglich, weil es Politikern gegenwärtig oft an klar wiedererkennbaren Kanten fehlt. Folglich rekrutiert Kröhnert sein Personal in der Vergangenheit: Peter Hinze oder Norbert Blüm („Die Rente ist sicher!“) erkennt man sofort. Doch auch Schäuble („Es ischt, wie es ischt, aber dasses so ischt, wie es ischt, das ist doch die Crux!“) hat er drauf, ebenso wie die glatte Eloquenz von Michel Friedman, der sich selbst anstelle Kinskis für den Messias hält: Schließlich habe er sich „dem Laster in seinen unappetitlichsten Formen gestellt“.

Kröhnert hat ein Gespür für Sprache, nicht jedoch für Pointen. Religionsspott erlebt man bei Kollegen wie Dieter Nuhr heute bissiger und treffender. Kröhnert sinniert in der Rolle des Papstes darüber, dass Juden ja sowohl an der Kreuzigung als auch am Holocaust beteiligt waren. Und er lässt ihn Sätze sagen wie: „Wir sind nicht viele, aber fast nur Pädophile.“ Nach Tucholsky darf Satire das, weil sie alles darf. Sie dürfte sogar lustig sein.

Am kommenden Freitag gastieren Jochen Busse und Henning Venske in der Orangerie. Karten: (05 11) 44 55 62.

Jutta Rinas 18.09.2010
Rainer Wagner 18.09.2010