Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Reise in die eigene Welt nach fast 25 Jahren
Nachrichten Kultur Reise in die eigene Welt nach fast 25 Jahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:38 17.10.2017
Im Literarischen Salon spricht der Autor Ted Williams über sein neues Buch.
Im Literarischen Salon spricht der Autor Ted Williams über sein neues Buch. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

Bei seinem Besuch im Literarischen Salon behauptet er zunächst, dass es um Geld gehe: „Ich muss für meine Frau, meine Kinder, Hunde, Katzen und eine Schlange den Kühlschrank füllen“, sagt Williams grinsend. Er wäre aber wohl kein Superstar unter den zeitgenössischen Fantasy- und Science-Fiction-Autoren, wenn er nicht außerdem aus innerem Antrieb schreiben würde. Und er lässt keinen Zweifel daran, dass er es liebt, auch diese Geschichte zu erzählen.

Von 1988 bis 1993 wurde Williams mit der Fantasy-Trilogie „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ erstmals einem größeren Publikum bekannt. Er ist sicher, dass das nie geschehen wäre, wenn er sich nicht früh in J. R. R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ verliebt hätte. „Mittelerde fühlte sich so wirklich an – immer wenn ich hinter einen Vorhang sah, waren dahinter keine Kulissenschieber, sondern mehr zu erkundende Tiefe“, sagt Williams. Seither könne er selbst auch nichts Kurzes mehr schreiben: „Ich muss solche komplexen Welten bauen.“ Damit inspirierte er übrigens wiederum George R. R. Martin zu dessen Erfolg „Das Lied von Eis und Feuer“.

Fans drängten Williams immer wieder, nach Osten Ard zurückzukehren, der Welt, die er für seine erste Trilogie erdacht hatte. „Ich wollte das aber nicht, ohne dass ich auch eine Geschichte zu erzählen hatte“, sagt er. Er habe immer wieder argumentiert, er sei ja nicht mehr der gleiche Autor wie vor 25 Jahren, habe sich entwickelt, ein Leben gelebt. Das habe ihn dann irgendwann ins Grübeln gebracht: „Meine Hauptfiguren waren ja am Ende des letzten Bandes noch Teenager – inzwischen wären sie über 40 und hätten wohl auch eine Familie gegründet.“

Nicht ohne Genugtuung stellt Williams fest: „Da konnte ich gar nicht mehr anders, ich musste ein neues Buch über Osten Ard schreiben.“ Dabei sei dieses Buch wohl das schwerste bisher gewesen, stellt Williams fest: „Mir war klar, dass meine Leser die Welt nach all der Zeit besser kennen, als ich.“ Er ergänzt: „Hätte ich eine schlechte Fortsetzung geschrieben, ich hätte Erinnerungen zerstört.“

Williams zeigt sich unterhaltsam

Der Kalifornier zeigt sich im Literarischen Salon als aufrichtiger, direkter und ausgesprochen unterhaltsamer Gesprächspartner für die Moderatorin und Fantasy-Expertin Michelle Gyo, die er kaum zu Wort kommen lässt. Und er genießt es offensichtlich, dass ausführliche Passagen der deutschen Übersetzung seines neuen Buches von zwei so hervorragenden Synchronschauspielern wie Detlef Bierstedt und seiner Tochter Marie vorgetragen werden. Lächelnd lauscht er den eigenen Worten in einer fremden Sprache. Vermutlich rührt solche Zufriedenheit nicht nur von Gedanken an steigende Verkaufszahlen.

Am Freitag, 20. Oktober, um 20 Uhr spricht Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge im Literarischen Salon über Armut in Deutschland.

Von Thomas Kaestle

Ronald Meyer-Arlt
Kultur Konzert im Theater am Aegi - Tim Bendzko und das möblierte Wohlgefühl
16.10.2017