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Kultur Revolverheld kommen in die Region Hannover
Nachrichten Kultur Revolverheld kommen in die Region Hannover
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08:45 25.08.2011
Johannes Strate kommt mit seiner Band Revolverheld in die Region Hannover. Quelle: dpa
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Mellendorf

Herr Strate, am Sonnabend spielen Sie mit Revolverheld beim WaterVention-Festival. Sind Sie selbst ein Festival-Gänger?
Ja klar, das fühlt sich für mich immer wie ein Kurzurlaub an. Ich zelte zwar nicht so gern, deswegen bin ich früher immer mit dem großen Auto meines Vaters gefahren. Darin habe ich dann geschlafen. Aber ich habe fast alle Bands, die ich immer sehen wollte, schon live erlebt. Es fehlt eigentlich nur noch Rage Against The Machine.

Und was können die Fans in Mellendorf am Sonnabend von Revolverheld erwarten?
Vor allem gute Laune. Wir feiern gerne mit den Fans, und bei so einem Festival geht das immer besonders gut. Ein bisschen Urlaub eben.

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Die meisten Lieder von Revolverheld stammen aus Ihrer Feder. Was ist für Sie eigentlich ein guter Song?
Bei einem guten Song müssen Text und Musik zueinanderpassen. Der Text sollte etwas Besonderes sein und mich berühren. Das klappt aber, wie ich finde, auch bei meinen eigenen Liedern nicht immer. Ich bin sehr kritisch, was das angeht. Deswegen schreibe ich meistens viel mehr Songs als für ein Album nötig sind.

Revolverheld besteht aus fünf Männern, die auch Schmuseballaden und Radiohits machen. Klingt eher nach Boygroup als nach Rockband …
Für mich sind Boygroups vor allem Castingprodukte. Da werden ein paar Jungs zusammengewürfelt, eingekleidet, und sie bekommen ein paar Songs unter den Hintern geschrieben, die sie dann trällern müssen. Meine Bandkollegen und ich haben uns ganz normal kennengelernt und sind befreundet. Schreiben eigene Songs. Das ist eine natürliche Sache. Im Prinzip sind wir wie Juli oder Wir sind Helden, nur dass bei uns eben ein Mann singt.

Ihre neueste Single „Halt dich an mir fest“ haben Sie zusammen mit Marta Jandova, Frontsängerin von Die Happy, aufgenommen. Für diese Gruppe sind Sie am Anfang Ihrer Karriere als Vorband aufgetreten. Wie fühlt sich so ein Gemeinschaftsprojekt jetzt an?
Das ist ein tolles Gefühl und erinnert auch ein bisschen an die Zeit damals. Wir sind seitdem befreundet und verfolgen auch gegenseitig unsere Entwicklungen. Die Happy sind wirklich klasse, erst vor ein paar Tagen haben wir wieder zusammen auf einem Festival gespielt. Da war es Ehrensache, sofort Marta anzurufen, als es um die weibliche Stimmenbesetzung für unseren Song ging.

Nächstes Jahr feiert Revolverheld zehnjähriges Bandjubiläum. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?
Mensch, krass. Daran habe ich schon lange nicht mehr gedacht. Eine wirklich lange Zeit. Damals war ich quasi noch ein kleiner Junge. Und jetzt bin ich 31 Jahre alt. Aber ich freue mich immer, wenn ich an die zurückliegende Zeit denke.

Im Lied „Spinner“ ermutigen Sie dazu, Lebensträume zu verwirklichen. Sie wollten schon als Jugendlicher Musik machen. Haben Sie sich früher manchmal selbst wie ein Spinner gefühlt?
Natürlich. Ich musste mir auch oft anhören, Musiker werden zu wollen, sei Quatsch. Ich solle lieber was Richtiges lernen. Das habe ich zwar auch, ich habe Abitur gemacht und später Kulturwissenschaften und Germanistik studiert. Aber Musik habe ich nebenher immer gemacht. Ich finde, man darf sich nicht beirren lassen. Es braucht nun mal ein bisschen Durchhaltevermögen, wenn man einen Traum verwirklichen will. Wichtig ist aber auch, dass man Niederlagen einstecken kann.

Mit Revolverheld haben Sie sich Ihren Traum von der Musikerkarriere erfüllt und mit Ihrem Soloalbum gleich den nächsten Schritt gemacht. Gibt es sonst noch etwas, was Sie unbedingt noch einmal machen wollen?
Ich reise gern. Ein Trip um die Welt wäre also noch mal ganz schön. Ansonsten wünsche ich mir, dass ich auch in zehn Jahren noch auf der Bühne stehe – und Leute kommen, um mir zuzuhören.

Ihr erstes Soloalbum kommt am 30. September auf den Markt und heißt „Die Zeichen stehen auf Sturm“. Eine Platte mit zarteren Tönen, als man von Revolverheld gewohnt ist. Im Lied „Du bist mit dir allein“ singen Sie von Selbstzweifeln und mahnen zu gelegentlichen Auszeiten. Ist das eine Art Selbstgespräch?
Gut erkannt. Ja, so etwas soll das sein. Ich hadere oft mit mir selbst und bin kritisch mit meinem Leben und meiner Arbeit. Das drückt dieser Song aus. Aber es ist kein Appell, sich zusammenzureißen. Im Gegenteil, es ist eher ein Aufruf, sich öfter mal mit sich selbst auseinanderzusetzen. Ansonsten greift das Album aber viele unterschiedliche Themen auf.

Sie sind Fußballfan und haben sogar mal die Werder-Hymne „Lebenslang grün-weiß“ eingesungen. Für Werder-Bremen lief es in der vorigen Bundesliga-Saison nicht so gut, Hannover 96 dagegen überraschte alle. Ärgert Sie das als Bremen-Fan?
Natürlich ärgert es mich, wenn Bremen schlecht spielt. Aber nach sieben Jahren als Topklub ist ein Durchhänger mal okay. An Hannover habe ich eigentlich recht gute Erinnerungen. Werder hat dort gegen 96 gespielt, und ich muss sagen, ich bin als Fan noch nirgendwo so nett aufgenommen worden wie dort. Außerdem habe ich mal bei einem Charity-Fußballspiel in Hamburg mitgemacht, bei dem Mirko Slomka Trainer war. Ich konnte zwar nach einer Viertelstunde Spiel schon nicht mehr, aber der Trainer war top. Also drücke ich Hannover 96 auch die Daumen. Nur nicht, wenn es gegen Werder geht.